Stadt Kempen: Kabarett zum Frühstück

Stadt Kempen: Kabarett zum Frühstück

Zum Weltfrauentag lädt die Kempener Gleichstellungsstelle traditionell zum Frauenfrühstück ein. Ebenso Tradition ist der kabarettistische Part, den wieder einmal Monika Hintsches in ihrer Paraderolle als Trude Backes übernahm.

Seit einigen Jahren schon gibt es in Kempen anlässlich des Weltfrauentags ein Frühstück mit Kabarett. In diesem Jahr war die Nachfrage so stark, dass sich Gleichstellungsbeauftragte Ute Ripkens traute, gleich zwei Termine mit der Mönchengladbacher Kabarettistin Monika Hintsches zu vereinbaren. Am Samstag- und Sonntagvormittag gab es im Restaurant Ela an der Ellenstraße den beliebten Mix aus Frühstück unter Freundinnen und Kabarett.

Dabei ist auch Monika Hintsches schon so etwas wie eine Freundin. Riss sie doch schon im Vorjahr die Kempener Frauen zu Lachstürmen hin. Denn ihre Kunstfigur Trude Backes, die da im netten Kostümchen, die schwarze Handtasche über dem Arm und das Taschentuch stets griffbereit, über die Bühne stapft, ist nun einmal ein Ausbund rheinischer Natur. Mit viel Scharfblick analysiert sie das Alltagsleben. Im Visier vor allem den Gatten Willi. Der ist nun mittlerweile in Rente und damit eine rechte Plage.

Da braucht Trude Backes erst recht den Frauentag. Wo bleiben schließlich die Rechte der Frau, bei Männern in Rente, die ihnen auf einmal erklären wollen, wie man am besten staubsaugt oder dem armen Wellensittichen versucht, Formationsflug beizubringen. Ein Staubtuch ist für den pensionierten Mann nur gut, wenn es blinkt und piept, ein Herd muss Touchscreen haben. Was waren das noch herrliche Zeiten, als Willi gearbeitet hat, stellt Trude fest. Und die Lacher im Publikum geben ihr Recht, dass diese Erfahrung manche der Besucherinnen teilen kann.

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Aber Trude beschäftigt sich ja nicht nur mit dem Alltag zu Hause. Sie hat viel zu erzählen. Menopause, die Selbstfindungskurse ihrer Freundin Fine, deren italienischer Freund – nichts ist vor dem niederrheinischen Mundwerk sicher. Auch nicht die Zahl der Toiletten im Restaurant oder die Raucherinnen, die die Pause dankbar und dick eingemummelt mit ihren Glimmstengeln draußen vor der Tür verbringen. Wahrscheinlich kann diese Frau gar nicht anders, als mit Scharfblick und Witz zu sticheln. Ihr Publikum dankt es mit viel Applaus und oft zustimmenden Nicken.

Und ganz nebenbei singt sie noch, wenn sich nicht gerade Gitarre und Mikrophon vertüddeln. Auch dazu fällt ihr dann noch ein spontaner Witz ein. "Hau bloß ab Jupp", ist eine niederrheinische Version von "Hit the Road Jack", inhaltlich aber eigentlich gleich. Bloß weg mit dem Kerl, das lässt sich auch so sagen. Ganz köstlich auch die Interpretationen bekannter Couplets wie "Leg doch Deine Wange an meine Wange" oder das Lied der Zersägten Jungfrau.

Ganz bewusst verzichtet die Kempener Gleichstellungsstelle auf eine politische Veranstaltung zum Frauentag, so Ute Ripkens am Rande der Veranstaltung. Ihre Erfahrung ist, dass sich Frauen, die sich für Frauenrechte engagieren, dies längst nicht nur am Frauentag tun und diesen Tag dafür eigentlich nicht mehr brauchen. Frau darf ihn einfach als Frühstück mit Freundinnen genießen.

(RP)