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Junge Frau aus Paraguay zu Besuch in Kempen und Krefeld

Pro-Paraguay-Initiative aus Kempen : „Anders als in Paraguay ist es hier sicher“

Mit Unterstützung der Pro Paraguay Initiative aus Kempen hat Ximena Barrios ein Jahr in Deutschland verbracht. Die 19-Jährige arbeitete hier und lernte Land und Leute kennen.

„Ich erhalte hin und wieder Anrufe von jungen Abiturierenten, die für ein freiwilliges soziales Jahr nach Südamerika gehen möchten. Aber als sich im Frühjahr des vergangenen Jahres eine junge Paraguayerin bei mir meldete, war ich doch einigermaßen überrascht“, erzählt Ute Schmitz (75) aus Kempen. Sie ist Herz und Kopf der Paraguay-Initiative, die sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Hermann 1992 gründete.

Die Evangelische Kirche am Rio de la Plata hatte im südlichen Teil Lateinamerikas nach Bewerbern gesucht, die ein Jahr in Deutschland unter ähnlichen Bedingungen wie die deutschen Bundes-Freiwilligen-Dienstler arbeiten wollten. Nun hat Ximena Barrios ein Jahr in Deutschland verbracht, hier gelebt, gearbeitet, Land und Leute kennengelernt.

Sie stellte sich bei Ute Schmitz vor mit den Worten: „Es ist für mich wunderbar, jemanden in meiner Nähe zu wissen, der mein Land kennt – denn ich war noch nie allein so weit fort von meiner Heimat.“ Corona-bedingt konnten sich die beiden Frauen nur hin und wieder treffen, doch es hat sich zwischen ihnen eine Freundschaft entwickelt. „Ute ist super““, sagt Ximena Barrios, die gerade 19 Jahre alt geworden ist, bei einem Besuch in Kempen. Dazu hat Ute Schmitz „Chipa“ vorbereitet, einen Auflauf aus Mais und Käse, das Nationalgericht Paraguays. Dazu gibt es den traditionellen Mate-Tee.

Ximena Barrios spricht mittlerweile sehr gut Deutsch. Nur hin und wieder muss Ute Schmitz Dolmetscherdienste leisten. Während ihres Aufenthalts wohnte Ximena bei der Gastfamilie Wulf-Heimendahl im Krefelder Stadtteil Forstwald. Dort wurde sie familiär aufgenommen und fühlte sich sehr wohl. Sie arbeitete in der Senioren- und Pflegeeinrichtung Gerhard-Tersteegen-Haus im Zentrum von Krefeld. Dort war es für sie nicht so leicht – wegen der angespannten Corona-Situation, aber auch wegen sprachlicher Hindernisse. „Ich konnte alles verstehen, aber ich hatte Angst zu sprechen“, erzählt sie. Heimweh habe sie kaum gehabt. Sie wirkt unkompliziert und fröhlich. „Meine Gastfamilie war wie meine eigene Familie“, sagt die 19-Jährige. Und sie habe viele neue Freunde kennengelernt.

Auf die Unterschiede zwischen Paraguay und Deutschland angesprochen, fällt ihr vieles ein. Zunächst das Wetter: „Es ist so kalt hier.“ In Paraguay fällt das Thermometer nicht unter zehn Grad. Auch das Essen sei ganz anders: In dem südamerikanischen Land werde jeden Tag Fleisch gegessen – sehr frisch, kaum abgehangen, gegrillt. Das deutsche Fleisch habe ihr nicht so gut geschmeckt. Fasziniert ist die junge Paraguayerin von der deutschen Disziplin im Straßenverkehr: „Hier halten sich alle an die Regeln“, sagt sie sichtlich erstaunt. Ute Schmitz ergänzt: „In Paraguay sind Verkehrszeichen reine Deko. Jeder fährt, wie er will.“ Überhaupt die Regeln. In Deutschland gebe es so viele davon, findet Ximena. Und sehr spontan seien die Menschen auch nicht: Sich mal eben zu verabreden, sei nicht immer möglich.

Im Sommer, als die Corona-Lage es erlaubte, unternahm sie Reisen nach Frankreich, nach Belgien und in die Niederlande. Sie schätzt die europäische Kultur und Architektur. In Kempen hat es ihr die Schulstraße besonders angetan: Ihre dort aufgenommenen Fotos hätten auch zu Hause große Begeisterung ausgelöst, berichtet sie.

Auf die Frage, was ihr am besten gefallen habe, antwortet sie: „Sicherheit“: „Ich kann auch in der Dunkelheit alleine spazieren gehen, mit meinem Handy in der Hand.“ In Paraguay seien Überfälle leider sehr häufig. Auch das Fahrradfahren auf gut eingerichteten Straßen habe ihr gut gefallen. Und der öffentliche Nahverkehr, den sie häufig nutzte.

Ximena Barrios kommt aus Hohenau im Süden Paraguays, nur durch den Grenzfluss Rio Paraná von Argentinien getrennt. Der Ort wurde von deutschen Einwanderern gegründet. Auch Ximena hat deutsche Wurzeln. Ihre beiden Großmütter sprechen noch etwas Deutsch. „Es gibt bei uns Kartoffelsalat mit Würstchen, Leberwurst und Kuchen“, erzählt Ximena. Und Butterkekse: „Ich wusste vorher gar nicht, dass die auch deutsch sind.“

Zu Hause freut sie sich nun auf die Familie und auf ihre beiden Katzen. Demnächst will sie in Paraguays Hauptstadt Asunción ein Musikstudium mit den Schwerpunkten Geige und Gesang beginnen. Und dann im Rahmen des Studiums vielleicht noch mal nach Deutschland zurückkommen. Auch um die Freunde wiederzusehen, die sie hier gefunden hat.