Julie Cornillie, Übersetzerin aus Mülhausen

Mülhausen : Arbeit in freundlichem Umfeld

Julie Cornillie hat sich als Übersetzerin selbstständig gemacht. Die gebürtige Amerikanerin berät ihre Kunden auch, bietet eine Art Rundum-Service. Standort des Unternehmens ist Mülhausen.

Julie Cornillie (47) öffnet die Tür ihres Einfamilienhauses in einem Neubaugebiet im ländlichen Mülhausen. Der Blick aus den blauen Augen ist direkt, der Händedruck fest. Das Haus wirkt im Inneren sehr modern und freundlich. In der großen Wohnküche sitzt Schulpraktikantin Julia und arbeitet am Computer. Vor der Terrassentür steht die dreijährige Schäferhündin Juno. Sie möchte offensichtlich gerne die Gäste begrüßen. Doch sie muss draußen bleiben. „Sie ist ein wenig zu stürmisch“, sagt Cornillie mit unverkennbar amerikanischem Akzent.

Bilder ihrer sechsjährigen Tochter dekorieren das Treppenhaus. Alles sieht nach einem rein privat genutzten Heim aus, doch hier ist auch der Standort eines Unternehmens, das für Kunden in ganz Deutschland arbeitet und das international vernetzt ist. Cornillie Consulting heißt  Unternehmen. Es ist spezialisiert auf Übersetzungen aus der deutschen in die englische Sprache. Der Begriff „Consulting“, also „Beratung“ weist aber bereits darauf hin, dass hier mehr als reine Übersetzungen geliefert werden. „Making Global Business Personal“ lautet der Slogan des Unternehmens. „Wir begleiten unsere Kunden zum Teil schon seit vielen Jahren, sehen die Entwicklungen und entwickeln uns selbst mit“, erklärt Cornillie. So ist eine einheitliche Handschrift in allen schriftlichen Produkten garantiert.

Und ein Blick, der über den Tellerrand hinausgeht. „Wir beraten unsere Kunden so, dass sie sich global präsentieren können.“ Einen Slogan etwa könne man meist nicht direkt übersetzen. „Das kann ganz schön schiefgehen“, sagt Cornillie. Und: „Wichtig ist dabei das Zielpublikum.“ Ob ein Text etwa auf dem internationalen Markt verwendet wird. „Dann benutzen wir ein klares, einfaches Englisch, das auch Kunden in Spanien oder China verstehen.“ Ein Text für den amerikanischen Markt wird dagegen schon wieder eine andere Nuancierung erhalten. Vor allem mittelständische deutsche Unternehmen, Zulieferer aus der Automobilindustrie, Softwareentwickler, Rechtsanwälte und Steuerberater sind ihre Kunden. Übersetzt werden Schriftstücke aller Art, aber auch Broschüren, Handbücher, Kataloge, Businesspläne oder Websites. Zugute kommen Cornillie dabei ihre Kenntnisse aus dem IT-Bereich und ihr Interesse für Technik. Die gebürtige Amerikanerin mit englischen und belgischen Wurzeln kam nach ihrem Studium in Miami 1998 nach Deutschland und arbeitete zunächst bei einem IT-Unternehmen für Sicherheit und Netzwerkprodukte in Willich. Als 15-Jährige hatte sie ein halbes Jahr in Bayern gelebt und wollte seitdem unbedingt zurückkommen.

Während der Arbeitsphase in Willich hatte sie nebenbei immer schon Übersetzungen gemacht. „Nach sieben Jahren hatte ich eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis und habe den Sprung in die Selbständigkeit gewagt.“ Mit Erfolg darf man sagen. Sie beschäftigt zwei Mitarbeiter, die alle von zu Hause aus arbeiten. Mary aus Grefrath ist für die Buchhaltung zuständig.  David, ebenfalls gebürtiger Amerikaner, lebte mit seiner Familie zunächst in Bayreuth, ist aber mittlerweile wieder in den USA. Er und Cornillie leisten die Übersetzungsarbeiten und lesen gegenseitig Korrektur. „Da muss man immer an die Zeitverschiebung denken“, sagt sie. Ohne modernste Kommunikationstechnik ist das alles nicht denkbar. „Sicherheit ist dabei ein großes Thema. Wir benutzen ein VPN, also ein virtuelles privates Netzwerk“, sagt Julie. „Bei uns läuft fast alles über Mail“, erzählt sie und dass der Zeitdruck hoch sei. Oft müssen die Übersetzungen innerhalb weniger Stunden geliefert werden. In Julies Büro steht der große Bildschirm, an dem sie arbeitet. Im Bücherregal stehen Wörterbücher. „Doch die werden heute nicht mehr benutzt“, sagt Julie, „da gibt es längst Softwareprogramme.“ Die Branche insgesamt sei infolge der Digitalisierung stark im Umbruch. „Die Entwicklung der maschinellen Übersetzung ist rasant“, sagt Cornillie, die jedoch überzeugt ist, mit ihrem personalisierten Service eine Nische auszufüllen. Und sie erzählt davon, wie schön es sei, in Kaufhäusern in New York oder Berlin Produkte ihrer Kunden zu entdecken.

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