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Jugendhilfeeinrichtung Scheifeshütte in St. Hubert stellt sich neu auf

Hilfe für Jugendliche : Jugendhilfe auf ehemaligen Bauernhof

Mit einer neuen Nestschaukel und überdachtem Sandkasten geht die Jugendhilfeeinrichtung Scheifeshütte in St. Hubert in den Frühling. Der Träger arbeitet an einem modifizierten Betreuungskonzept.

„Hier wird wertvolle pädagogische Arbeit geleistet, und das wollen wir einfach gerne unterstützen. Ich glaube, das ist uns auch gelungen“, sagt Ute Müller-Eisen, Leiterin NRW-Politik bei der Covestro AG, über der Übergabe der Spende an die Jugendhilfeeinrichtung Scheifeshütte am Ortsrand von St. Hubert. Das Unternehmen aus Krefeld stiftete jetzt eine knallrote Nestschaukel und einen großen Sandkasten unter blauem Sonnensegel für einen neuen Spielplatz auf dem Gelände der ehemaligen Hofanlage, die seit drei Jahren eine Jugendhilfeeinrichtung des Diakoniewerks Duisburg beherbergt. Der Krefelder Werkstoff-Hersteller nahm 10.500 Euro in die Hand, um einen lang gehegten Wunsch der Einrichtung umzusetzen. „Wir haben uns beim Unternehmen Covestro, das sich in verschiedenen Bereichen sozial engagiert, mit unserem Projekt beworben und den Zuschlag erhalten, was uns natürlich sehr freut“, sagt Martina Pietras, die Leiterin des Bereiches Inobhutnahme der Jugendhilfeeinrichtung.

Für Wünsche außerhalb des normalen Alltags steht nur ein kleines Budget zur Verfügung, und das hätte bei Weitem nicht für die aktuelle Umsetzung in Sachen Spielplatz gereicht. In der Scheifeshütte leben Familien in Krisensituationen, die bei der Betreuung und Förderung ihrer Kinder Unterstützung benötigen, sowie Kinder und Jugendliche, die aufgrund der häuslichen Situation aus ihren Familien herausgenommen werden mussten. Die Einrichtung arbeitet mit den Jugendämtern von Kempen und den umliegenden Städten wie unter anderem Düsseldorf, Duisburg, Krefeld oder Neuss zusammen.

Mit drei Gruppen begann im November 2017 die Arbeit der Jugendhilfeeinrichtung Scheifeshütte. Die begleitende Inobhutnahme, die Regelwohngruppe und das Trainingswohnen gehörten seinerzeit zu den Angeboten. Die Struktur hat sich allerdings geändert. „Das Trainingswohnen ist nicht mehr belegt. Wir arbeiten derzeit an einer neuen Konzeption“, sagt Martina Pietras. Die Problematik der drei Plätze im Trainingswohnen, das eine Art Wohngemeinschaft für junge Menschen ab 16 Jahren war und der Verselbstständigung der Bewohner diente: Sie konnten entweder nur an Mädchen oder nur an Jungen vergeben werden. Eine Kombination war nicht möglich. Diese Dreier-Konstellation ging aber einfach zu selten auf. Daher nahm das Diakoniewerk Abstand von diesem Angebot.

Änderungen kommen auch auf die Regelwohngruppe zu. Dort werden Kinder und Jugendliche zwischen sechs und zwölf Jahren betreut. Aktuell finden neun Kinder in der Gruppe einen Platz. Für sie sind fünfeinhalb Betreuer-Stellen vorgesehen. „Es ist ein sehr intensives Angebot, und daher haben wir beschlossen, die Zahl der jungen Bewohner in dieser Gruppe zu senken und den Personalschlüssel zu erhöhen“, erklärt Martina Pietras. Künftig sollen sieben Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 14 Jahren von mehr Mitarbeitern als bisher betreut werden.

Keine Veränderungen erfährt die begleitende Inobhutnahme. Hier stehen sechs Plätze für Kinder im Alter bis zu sechs Jahren samt einem begleitenden Elternteil bereit. „Die Bindung zu einem Elternteil soll erhalten bleiben. Wir arbeiten mit den Kindern sowie den Eltern zusammen. Wir schauen, was können Eltern leisten, wo brauchen sie Unterstützung“, erklärt Martina Pietras. Je nach Fall kann es nach der Zeit in der Einrichtung in eine eigene Wohnung zurückgehen, wobei sozialpädagogische Familienhelfer zur Seite gestellt werden.

Andere Nutzer werden in eine Mutter-Kind-Einrichtung vermittelt oder wechseln in ein betreutes Appartement. Es kann auch vorkommen, dass ein Kind in einer Pflegefamilie untergebracht wird. Pietras spricht von vielen Abstufungen, die möglich sind und ganz individuell angepasst werden. „Wir schauen, was können Elternteile leisten, wo benötigen sie Unterstützung“, sagt sie. Zwölf Mitarbeiter sind hier eingesetzt. Die Nutzer der Inobhutnahme können jeweils ein halbes Jahr in der Einrichtung bleiben. Dies sei ausreichend Zeit, um die Perspektive jedes einzelnen Kindes zu klären.

Schon im ersten Jahr der Jugendhilfeeinrichtung lag die Auslastung bei 96 Prozent. Dies konnte im Folgejahr gesteigert werden. 2019 erreichte die Belegung 98 Prozent.