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Joseph Moog begeisterte mit seinem Klavierabend im Kempener Kulturforum.

Klavierabend : Zwei verschiedene Kulturräume gegenübergestellt

Joseph Moog begeisterte mit seinem Klavierabend im Kempener Kulturforum. Es gab Werke der französischen Romantik und der Donaumonarchie.

Zwei verschiedene Kulturräume, erläuterte Joseph Moog sein Programm, wollte er in seinem Klavierabend gegenüberstellen. Zum einen ging es ihm um die mit dem ersten Weltkrieg untergegangene Donaumonarchie Österreich-Ungarn, zum anderen um die französische Romantik und ihre Weiterentwicklung in den Impressionismus. Dazu gab er einige nützliche Hinweise zum differenzierteren Hören der vorgestellten Werke.

Schuberts selten zu hörendes, posthum veröffentlichtes Adagio und Rondo E-Dur führte zunächst einmal ins wienerisch Gemütliche. Dass das auch seine trügerischen Seiten hat, ist ein anderes Kapitel. Man konnte es in dem Werk, zumal im Rondo, durchaus wiederfinden. Normalerweise geht es in einem Rondo durchweg fröhlich zu. Von dieser Regel wich der Komponist hier aber deutlich ab. Er gab auch dem Dramatischen seinen Raum. Moog ließ beide Seiten zu ihrem Recht kommen, machte die Gegensätze musikalisch deutlich.

Mal davon abgesehen, dass die 1867 mit dem ungarisch-österreichischen Ausgleich gegründete Donaumonarchie zu Schuberts Zeiten noch gar nicht existierte, steht Schuberts Musik natürlich genau so fürs Wienerische wie die von Liszt fürs Ungarische. Moog stellte sehr klar die Gegensätze in Liszts h-moll-Sonate heraus. Wie er vorweg darlegte, sind es genau die Gegensätze, die Liszts Leben charakterisieren. Sie spiegeln sich in seinem Werk wider. Moog ließ den weltoffenen jungen Salonlöwen und Frauenhelden Liszt ebenso zur Geltung kommen wie den späteren, in sich gekehrten Kleriker mit den niederen Weihen. Und der vitale ungarische Virtuose kam sowieso nicht zu kurz.

„Fast eine Chanson-Qualität“, erläuterte Moog, steckt in Gabriel Faurés Barcarolles, von denen er die erste (in a-moll) und die dritte (in Ges-Dur) sehr empfindsam vortrug. Wurden damit die idyllischen Seiten einer nächtlichen Gondelfahrt charakterisiert, so geht es Maurice Ravel, einem Schüler Faurés, in „Gaspard de la nuit“ eher um die Gefahren und das Beängstigende der Nacht. Angeregt von Gedichten Aloysius Bertrands, geht es in den drei Sätzen um Grauen und Spuk. „Ondine“ handelt von gefährlicher Verführung, „Le Gibet“ von Galgen und Totenglocke, „Scarbo“ von Spuk und Skurrilität. Moog beeindruckte mit einer technisch und musikalisch fabelhaften Wiedergabe dieses pianistisch sehr anspruchsvollen Werks.

 Für den begeisterten Beifall bedankte sich der 1987 in Ludwigshafen geborene Pianist mit zwei Zugaben, mit einem ruhigen Scarlatti und einem temperamentvollen Csárdás von Liszt.