Jiddische Lieder mit dem Trio Bernshteyn in Kempen

Kempen : Jiddische Lieder mit dem Trio Bernshteyn

Das Trio tritt am 26. Oktober in Oedt auf.

Am Samstag, 26. Oktober, um 18 Uhr tritt das Trio Bernshteyn in der Evangelischen Versöhnungskirche in Oedt, Bergweg 2, mit dem hier beschriebenen Programm auf. Es heißt „Ermutigung“ und kennzeichnet damit die Programmatik der Gruppe. Der Eintritt ist frei.

Der Gong tönt. Achim Lüdecke legt die linke Hand auf den Hals seiner Western-Gitarre. Er schaut ins Publikum, 100 Augenpaare schauen zurück. „Jetzt kommt`s drauf an“, denkt Lüdecke. „Ob ich den D-0-Akkord hinkriege?“ Er wirft einen Seitenblick auf seine Frau Ute Bernstein. Die hat die Geige in der Hand, beugt sich zum Mikrophon, will zu den Zuhörern sprechen.

 Es ist ein Konzert der Grefrather Gruppe Bernshteyn, das hier über die Bühne geht. Ute, Achim und Peter: Seit fünf Jahren ist das Trio zusammen, lässt in Verbindung mit Lyrik Klezmer-Musik erklingen – die Musik der deutschstämmigen Juden in Osteuropa. In ihr ergänzen sich Lachen und Weinen wie die zwei Seiten einer Medaille. Das Leben dieser Menschen war von großer Armut geprägt. Trotzdem haben sie es genossen und viel gelacht; auch, wenn es oft genug Grund zum Weinen gab. „Das ist uns fremd geworden, denn heute stehen wir unter Lachzwang“, sagt Ute. Und Achim ergänzt: „Vieles an uns ist nicht mehr authentisch. Mit unserer Mischung aus Text und Musik wollen wir den Menschen eine Echtheit des Gefühls ermöglichen.“ Womit wir wieder beim Eröffnungszitat ihres Konzerts sind: anfangen beim Bau der Persönlichkeit.

 Was sind das für Lieder, was sind das für Texte, durch die die Menschen zu sich selbst finden sollen? Die meisten Stücke sind jiddisch, so, wie sie im polnischen oder russischen Shtetl gesungen wurden – in dem Städtchen, in dem die Juden ihr Leben führten, abgesondert vom Gros der Gesellschaft. Mit ihrer eigenen Sprache.

„Shpil zhe mir a lidele in ydish – a lidele mit harts un mit gefil“ – so heißt das jiddische Lied, mit dem die drei ihr Konzert beginnen: „Spiel mir ein kleines Lied auf Jiddisch, ein kleines Lied, das mein Herz erreicht.“ Darin liegt eine Aufforderung, Herz und Kopf zu öffnen für die folgenden Darbietungen. Und was folgt? Zitate von Bertolt Brecht wie das kleine Gedicht von den Vergnügungen: „Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen, … begeisterte Gesichter…“ Dann schließt sich ein jiddisches Musikstück an, das verdeutlicht: Es sind die kleinen Freuden, die das Herz springen lassen.

Sätze von Robert Gernhardt folgen: „Schön ist es, Champagner bis zum Anschlag zu trinken, dabei den süßen Mädels zuzuwinken.“ „S’iz nito keyn nekhtn“, heißt das Lied, das jetzt den Gernhardt-Slogan unterstreicht: „Gestern ist vorbei, wirf noch keinen Blick auf morgen, belaste dein Herz nicht mit Sorgen.“ Und: „Khapt arayn a shnepsl.“ – „Gönnt euch noch ein Schnäpschen – wer weiß, ob’s das im Jenseits noch gibt.“ Freude und Leid, Hoffnungen und Ängste, Zweifel und Gewissheit – es sind diese allzu menschlichen Gegensätze, die hier in den Liedern des jüdischen Volkes und in den Texten zum Ausdruck kommen. Da klingt eine Sehnsucht nach wirklich gelebtem Leben auf. Der Wunsch, das Dasein, so lange es einem geschenkt wird, auszukosten: „Das sollte uns eine Ermutigung sein, das Leben wert zu schätzen, so lange das möglich ist“, meint zum Schluss Peter Hohlweger.