Stadt Kempen: Jedes Kind erhält eine Betreuung

Stadt Kempen: Jedes Kind erhält eine Betreuung

In einem Kraftakt hat das Kempener Jugendamt für das kommende Kindergartenjahr die Planungen für die Kinderbetreuung auf die Beine gestellt. Ein Problem bereitet der Stadt noch das fehlende Personal. Eine Analyse.

Gestern fand in Düsseldorf ein landesweiter Kongress für Leitungen von Kindertagesstätten statt. Ein zentrales Thema war dort neben der mangelnden Akzeptanz des Berufsbildes der Erzieherinnen und Erzieher die Frage, woher das Personal kommen soll, dass alle Städte und Gemeinden derzeit händeringend für die Kinderbetreuung suchen. Auch in der Stadt Kempen wird zusätzliches Personal benötigt und das schon recht bald. Denn zum neuen Kindergartenjahr, das am 1. August dieses Jahres beginnt, hat es die Stadt zwar geschafft, für alle angemeldeten Kinder einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte oder Kindertagespflegestelle bereit stellen zu können. Aber es fehlt hier und da noch zusätzliches Personal.

Der Stellenmarkt ist wie leer gefegt. In Kempen will man daher neue Wege bei der Personalgewinnung beschreiten. So sollen neben weiteren ausgebildeten Fachkräften zunehmend Erzieherinnen und Erzieher in Ausbildung engagiert werden. Es gibt duale Ausbildungsgänge, bei denen neben der Berufsschule die praktische Ausbildung in einer Einrichtung parallel laufen kann. Auch an der Hochschule Niederrhein wird ein dualer Studiengang angeboten. Jugendamtsleiterin Heike Badberg hat entsprechend Kontakte geknüpft.

Die Politik drängt zudem darauf, Erzieherinnen für den Kita-Bereich vermehrt unbefristete Verträge anzubieten. Diese Empfehlung sprach am Montagabend in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses noch einmal Bettina Ortmann von der CDU-Fraktion aus.

Das Jugendamt plant außerdem für die städtischen Kindertageseinrichtungen ab dem kommenden Kita-Jahr verbundweise so genannte Springerkräfte einzusetzen, um kurz- oder mittelfristige Ausfälle beim Personal einer Einrichtung zumindest teilweise kompensieren zu können. Das bedeutet beispielsweise für die städtische Kita "Schlösschen" in Tönisberg, dass sie dem Verbund der Kindergärten in St. Hubert zugeordnet wird. Weiteres Personal soll über entsprechende Landesprogramme wie "plusKita" oder "zusätzlicher Sprachförderbedarf" gewonnen und finanziert werden. Allerdings sind die Zuschüsse aus diesen beiden Programmen bis zum 31. Juli 2019 befristet. Zusätzlich gibt es ein Bundesprogramm "Sprach-Kitas", das genutzt werden soll. Insgesamt werden zur Betreuung von 1151 Kindern in 59,5 Kita-Gruppen im Stadtgebiet zum neuen Kindergartenjahr fast 20 zusätzliche Fachkraftstellen benötigt.

Weil es in den Einrichtungen zu wenig Plätze für alle Kinder gibt, setzt die Stadt bei der Betreuung der unter Dreijährigen weiterhin auf die so genannte Kindertagespflege. Wie bereits berichtet, soll dieser Bereich zum neuen Kita-Jahr ausgebaut werden. So soll eine zusätzliche Großtagespflege in Räumen des Gemeindezentrums von St. Josef in Kamperlings - in Anbindung an die ausgebaute Kita "Spatzennest" - entstehen. Zwei Großtagespflegestellen werden in leer stehenden Räumen der ehemaligen Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert eingerichtet. Am Wartsberg soll eine Wohnung angemietet werden, um auch dort eine Tagespflegestelle einzurichten. Die Stadt will insgesamt 150 Plätze für die Tagespflege beim Land beantragen. Derzeit sind 90 Tagespflegeplätze vom Land genehmigt.

Auch wenn für den Start ins kommenden Kindergartenjahr am 1. August die Betreuung gesichert ist, muss die Stadt dennoch eine Reserve bilden, denn im Laufe der nächsten Monate könnten durch Zuzüge nach Kempen Eltern weitere Kinder zur Betreuung anmelden. Bei der Betreuung der unter Dreijährigen erfüllt die Stadt zum 1. August eine Quote von rund 50 Prozent, deckt die erforderlichen Plätze weitgehend über die Tagespflege ab. Doch auch hier gibt es Personalprobleme, weil die Stadt noch nicht genug Tagespflegepersonen zur Verfügung hat. In den kommenden Jahren wird die Quote bei den U-3-Betreuungsplätzen vermutlich sukzessive steigen. Bis 2027 rechnet die Stadt mit einer Quote von dann 70 Prozent.

Was auf die Stadt in den nächsten Jahren ebenfalls zukommt, ist die Ausweitung der so genannten Randzeiten-Betreuung. Denn Eltern wünschen verstärkt Betreuungszeiten außerhalb der üblichen Kernzeiten. Das Ausbau der Kindertagesstätten - auch von freien Trägern wie den Kirchen - wird ein Thema sein. Die freien Träger erwarten da eine finanzielle Beteiligung durch die Stadt. Die wohnortnahe Betreuung spielt schon jetzt eine wesentliche Rolle. Das zeigte sich zuletzt bei dem Plan der Stadt, in der ehemaligen Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert einen provisorischen Kindergarten einzurichten. Den sollten auch Kinder aus Kempen besuchen. Dagegen protestierten Eltern. Die Stadt verwarf den Plan und richtet dort stattdessen Tagespflegeplätze für unter dreijährige Kinder ein.

(RP)