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Jazzkonzert mit "Three Wise Men"

„Haltestelle“ in Kempen : Der Swing ist unverändert aktuell

Die Jazzformation „Three Wise Men“ gastierte in der Kempener „Haltestelle“. Die klassisch ausgebildeten Musiker glänzten, am Ende gab es stehende Ovationen.

Der Swing wird 90 Jahre alt: Mit „Georgia Swing“ komponierte der legendäre Jerry Roll Morton 1929 den ersten Swing-Titel der Jazzgeschichte. Dennoch ist der Swing bis heute unverändert aktuell, wenn er so mitreißend serviert wird, wie dies am Donnerstagabend in der Kempener „Haltestelle“ der Fall war: Die eingängigen und vitalen Klänge, der mitreißende Sound, der auch heute noch im Zeitalter der Computerbeats durchaus modern groovt –  das alles geht in die Ohren und in die Beine.

Ausgerechnet „Drei Weise aus dem Morgenland“ oder die „Heiligen Drei Könige“ bewiesen das sehr eindrucksvoll. „Swing 2019“ betiteln die drei Ausnahmemusiker ihr derzeitiges Tourprogramm, das sie mit 25 Konzerten wieder durch Europa führt. „Three Wise Men“ nennt sich das Trio von drei Musikern der Extraklasse, von denen alle eine klassische Ausbildung haben und teils auch heute noch in renommierten Orchestern der klassischen Musik mitwirken. Neben dem Niederländer Frank Roberscheuten, der den Jazzabend  moderierte und das Publikum mit der Geschichte des Swing vertraut machte, und selbst so meisterhaft Saxofon und Klarinette zu spielen versteht, gehören der Formation der in New York lebende Pianist mit italienischen Wurzeln, Rossano Sportiello, und der  Schlagzeuger, Vibraphonist und Perkussionist Martin Breinschmid aus Wien an.

Frank Roberscheuten, der schon mit 15 Jahren seine erste eigene Dixieland-Band gründete, studierte in Tilburg auch einmal klassische Klarinette. Als versierter Jazzmusiker trat er im Laufe der Jahre auf fast allen bekannten europäischen Jazzfestivals auf und wurde für sein Engagement um den traditionellen Jazz im März 2016 von dem Osnabrücker Jazzclub „Park Lane“ mit dem Preis „Keeper of the Flame“ ausgezeichnet.

Rossano Sportiello, der am Konservatorium klassisches Piano studierte, trat bereits mit 16 Jahren in Mailänder Jazzclubs auf. Die Bebop-Legende Barry Harris nannte ihn mal den „Besten Stride-Pianisten der Welt“. Stride Piano ist eine besondere Art Klavier zu spielen, die noch aus der Frühzeit des Jazz stammt und auf den Ragtime zurückgeht. Sportiello, der schon in der berühmten Carnegie Hall in New York spielte, geizte in Kempen nicht mit tollen Soli und hervorstechenden Improvisationen, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden. Seine Eigenkomposition „Why did you say I love you“ interpretierte er auf eigenwillige Art.

Den beiden Solisten zur Seite steht mit dem Österreicher Martin Breinschmid ein Drummer, der in seinem Heimatland eigene Jazzformationen leitete, darunter „The Radio Kings“, mit denen sogar mal der ehemalige US-Präsident Bill Clinton mit seinem Saxofon gemeinsam aufspielte. Auch Breinschmid hat eine klassische Ausbildung. Was für ein großartiger Musiker er über alle Musikstile hinweg ist, beweist schon die Tatsache, dass er als symphonischer Perkussionist unter Dirigenten wie Claudio Abbado, Zubin Mehta und Nikolaus Harnoncourt klassisch aufspielte und in so bekannten Orchestern wie der Wiener Kammerphilharmonie, dem Wiener Johann Strauss Orchester und dem L.A. Philharmonic Orchestra in Los Angeles mitwirkte. Als Jazzdrummer liebt er – ganz im Stile seines großen Vorbildes Gene Krupa –- die kraftvollen Soli. Er spielt dazu auch noch ausgezeichnet Xylophon, ein Instrument, das im Jazz eher selten zum Einsatz kommt.

Und weiß der Drummer mal nicht weiter, dann spielt er gänzlich heiter –  auch mal auf einer Leiter. Tatsächlich spielte er durchaus melodiös auf einer Aufstellleiter, die ihm Frank Roberscheuten hinstellte. Und legte später noch ein Solo auf diversen Flaschen hin. Breinschmid ist für seine humorigen Einlagen bekannt. Bei seinem letzten Gastspiel in Kempen spielte er auf Kochtöpfen und Pfannen.Das Programm, zu dem Roberscheuten alle Arrangements der beliebten Ohrwürmer in zeitgemäßem Rahmen gestaltete, begann mit „Jeepers Creepers“ und endete mit „Dark Eyes“ und „When the saints go marching in“, alles bekannte Titel, die aber in so noch nicht gehörter Form serviert wurden. Auch dabei: „ My gal Sal“ des „King of Swing“ Benny Goodman, die schöne Ballade „Oh Danny Boy“ der Jazzlegende Ben Webster, Louis Armstrongs „Swing that music“ und Titel von Count Basie und Leslie Young. Ein Medley aus George Gershwin-Titeln und der Swing-Standard „Who`s sorry now“ schmückten das Programm. Deshalb völlig zurecht am Ende des Abends: Standing Ovations.