1. NRW
  2. Städte
  3. Kempen

Stadt Kempen: Integrativer Unterricht: Mitschüler, die ein wenig anders sind

Stadt Kempen : Integrativer Unterricht: Mitschüler, die ein wenig anders sind

In einer der sechsten Klassen der Kempener Erich Kästner Realschule wird integrativ gearbeitet. Fünf der Schüler brauchen besondere Förderung. Das ist kein Problem: Ihre Mitschüler akzeptieren sie so, wie sie sind.

Es ist 9 Uhr, die sechste Klasse der Kempener Erich Kästner Realschule hat schon eine Mathearbeit hinter sich. Es ist keine normale Klasse, fünf der Schüler brauchen gesonderte Förderung. Das Quintett nimmt am ganz normalen Unterricht teil, der in der integrativen Klasse stets von zwei Lehrern erteilt wird. In diesem Falls sind es Fachlehrerin Kornelia Heidemann und Sonderpädagogin Ulrike Broza.

Wird es für die Förderschüler mal zu schwer oder lassen sie in ihrer Konzentration nach, werden sie einfach mal für eine Weile aus dem Unterricht herausgenommen. Da ist es ein riesiger Vorteil, dass die Klasse immer zwei Räume zur Verfügung hat. Die fünf Schüler, die gefördert werden müssen, sind unterschiedlich in ihrem Vermögen, sich zu integrieren. Einige kommen von "normalen" integrativen Grundschulen, andere von der Förderschule in St. Hubert. Die Klassenarbeiten, so sieht es das Programm vor, sind für die Förderschüler ein wenig leichter. Einer der fünf schreibt jedoch die regulären Arbeiten.

Die anderen Schüler haben sich längst daran gewöhnt, dass fünf ihrer Mitschüler ab und zu ein wenig anders sind als sie. Da ist der Junge, der einfach spontan in lautes Lachen ausbricht oder nach Herzenslust vor sich hin jubelt. Soll er doch, denken die Mitschüler. Dass die Förderschüler in den Klassenverbund einbezogen sind, zeigt die Bildung der Gruppen, die nach der anstrengenden Mathearbeit aus Papier Puzzles und Memory-Spiele herstellen. Wie selbstverständlich gehören die Förderschüler dazu. Ein Mädchen arbeitet alleine, aber das hat sie selber so entschieden. Kornelia Heidemann laminiert die fertigen Spiele, dann können die Schüler sie auch benutzen.

Die Produktion der Spiele ist natürlich kein Selbstzweck. Die Mädchen und Jungen lernen dabei eine Menge über die verschiedenen Formen des Winkels. Aber sie lernen nicht nur Mathe: "Von der integrativen Arbeit profitieren auch die Regelschulkinder. Das soziale Lernen steht im Vordergrund", sagt Schulleiter Uwe Hötter.

Da tut es Heidemann schon einmal Leid, wenn die Förderschüler manchmal eine Belohnung bekommen, auf die die anderen verzichten müssen: "Wenn sie eine besonders gute Antwort geben, dürfen sie schon mal zehn Minuten kickern gehen." Die anderen Schüler empfinden das jedoch gar nicht als ungerecht: "Sie erkennen, dass es für die I-Schüler eine ganz besondere Leistung ist, eine Stunde ruhig zu sitzen und aufzupassen", sagt die Mathematik-Lehrerin.

Besonders, wenn es auf den Schulschuss zugehe, lasse die Konzentration regelmäßig nach. Dann müsse man den Unterricht anpassen, zumal auch längst nicht alle Regelschüler in der siebten Stunde noch denselben Pep haben wie morgens zu Schulbeginn.

Um es den Förderschülern leichter zu machen, ist die Realschule im Fall ihrer Klasse von Beginn an, also ab dem fünften Schuljahr, vom Lehrer-Raum-Prinzip abgewichen. Im Normalfall wechseln die Schüler stündlich die Klassenräume. Die Förderklasse hat zwei Räume für sich, die Lehrer kommen zu den Kindern. Nach und nach werden die Förderschüler an die Benutzung von Fachräumen gewöhnt, etwa für Biologie und Musik. Für Sport ohnehin, und hier gibt es auch keinen Unterschied zwischen Schülern: Hier sind sie alle gleich, einige der Förderschüler spielen sogar in einer Schulmannschaft.

(RP)