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Stadt Kempen: Inklusion als einen Prozess verstehen

Stadt Kempen : Inklusion als einen Prozess verstehen

Die Kempener Grünen haben ihre Parteifreundin und Landtagsabgeordnete Sigrid Beer zu einer Gesprächsrunde ins "Haus Drabben" eingeladen. Es ging um die Teilhabe von behinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben.

"Inklusion ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der gehandicapten Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in allen Bereichen ermöglichen soll", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer. Die 58 Jahre alte studierte Diplom-Pädagogin war auf Einladung der Fraktion und des Ortvereins ihrer Partei nach Kempen gekommen. Ort einer Gesprächsrunde über das Thema "Inklusion" war das "Haus Drabben" an der Aldekerker Straße in St. Hubert. Dort, in zwei Häusern der Lebenshilfe Viersen, wohnen teilweise in eigenen Appartements 46 Menschen mit einer geistigen Behinderung.

Die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung ist in St. Hubert normal geworden. So sollte es auch sein. "Dennoch ist noch einiges zu tun, bis wir sagen können: Es ist normal verschieden zu sein und Kempen wird inklusiv", meinte der Fraktionsvorsitzende der Kempener Grünen, Joachim Straeten. Und seine schul- und sozialpolitische Sprecherin, Monika Schütz-Madré, erhoffte sich von der Paderbornerin Sigrid Beer Tipps und Ratschläge, wie man die immer noch vorhandenen Barrieren abbauen könnte.

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"Man muss den gehandicapten Menschen mehr zutrauen, sie mit ins Zentrum holen, wo man sich gegenseitig begegnen kann", meinte die Landtagsabgeordnete, die im Parlament für die Grünen die Sprecherin für Schulpolitik und Inklusion ist. Es müssten, führte sie fort, auf dem Weg einer besseren Teilhabe Sozial- und Kooperationspartner gefunden werden, die an diesem Prozess arbeiten. Und zu den Kooperationspartner zählte Sigrid Beer auch Unternehmen, die sich bereit erklären, Ausbildungs- und Arbeitsplätze bereit zu stellen.

So gäbe es in ihrer Heimatstadt Paderborn eine enge Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg und unter anderem von Kolping ein Ausbildungs-Hotel, in dem die Gehandicapten je nach Befähigung Service-Leistungen erlernen. Und bei der Stadt Paderborn arbeite sogar einen Inklusions-Beauftragter ("Das hat mit den Aufgaben eines Behinderten-Beauftragten gar nichts zu tun"), der sich kümmere.

"Auch viele der Gehandicapten können rechnen und mit dem Geld umgehen", sagte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Viersen, Michael Behrendt. Er erinnerte daran, dass viele Menschen mit ihren Behinderungen in den Werkstätten oder in einigen barrierefreien Cafés, so im "Käffchen am Steinkreis" in Viersen, arbeiten, außerdem Gartenarbeiten oder Hausmeistertätigkeiten übernehmen. Behrendt wünschte sich, dass diese betreuten Menschen besser bezahlt würden und er sagte: "Auch für die Menschen mit einer Behinderung müsste es einen Mindestlohn geben."

Dies konnte der Leiter von Haus Drabben, Volker Fritz, nur bestätigen. "Vielleicht organisieren wir mal eine so eine Art Ideen-Börse oder einen Workshop, bei der wir Vereine, infrage kommende Schulen und mögliche Arbeitgeber einladen und uns dann über kreative Netzwerke unterhalten", war eine gemeinsame Überlegung von Monika Schütz-Madré und Joachim Straeten. "Denn bei der neuen Wohnform ,Wohnen im Quartier' gehören Menschen mit und ohne Behinderung unbedingt dazu", ergänzte die sozialpolitische Sprecherin der Kempener Grünen.

Die Landtagsabgeordnete empfahl noch das von der Montag-Stiftung Jugend und Gesellschaft herausgegebene Arbeitsbuch "Kommunaler Index für Inklusion", das Merkmale und Strategien hin zu einem inklusiven Denken und Handeln aufzeige.

(wsc)