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Initiativen und Vereine wollen das Radfahren in Kempen attraktiver machen.

Bündnis von Initiativen und Vereinen : Traumziel Fahrradstadt Kempen

Verschiedene Initiativen und Vereine wollen das Radfahren in Kempen attraktiver machen. Die Gesundheit der Kinder ist wichtiger als der Autoverkehr. Der Zustand der Radwege ist alles andere als gut.

Ein Bündnis verschiedener Initiativen und Vereine will in Kempen die Verkehrswende schaffen und das Radfahren attraktiver machen. Gisela Ditzen, Mitglied im ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) und VCD (Verkehrsclub Deutschland) fordert: „Unsere Straßen müssen so umgebaut werden, dass sie Kinder zum Radfahren einladen. Die Gesundheit unserer Kinder muss uns wichtiger sein als der Autoverkehr.“

Ein Beispiel, wie es nicht funktionieren kann: Nach Straßenverkehrsordnung muss ein Autofahrer 1,50 Meter Abstand zu einem Fahrradfahrer halten. Was in der Praxis absolut nicht funktioniert, in vielen kleinen Gassen der Kempener Altstand auch gar nicht funktionieren kann. Gisela Ditzen erinnert sich an eine Probefahrt mit so genannten Poolnudeln, die exakt 1,50 Länge hatten und vom Gepäckträger in die Fahrbahn ragten. „Einige Autofahrer sind sogar dagegen gefahren, das kann und darf nicht sein“, sagt Gisela Ditzen. Mit der Rücksicht der Autofahrer sei es oft nicht weit her. Auf der Hauptstraße in St. Hubert fahre sie mit dem Rad immer mittig, um Autofahrer erst gar nicht in Versuchung zu bringen, sie zu überholen.

Die Stadt sei der Meinung, dass Schaffung neuen Wohnraums wichtiger sei als die Sicherheit: „Hier widersprechen wir sehr“, sagt Ditzen im Namen der Vereine, die sich für das Wohl der Radfahrer einsetzen. Neuer Wohnraum dürfe nie zu Lasten der Sicherheit und Gesundheit der Bürger gehen, zumal dies mit zukunftsorientierten Planungen nicht notwendig wäre.

Auf der Thomasstraße müssen Radler da fahren, wo sie wirklich nicht hingehören. Foto: ja/adfc

Mit der Forderung nach einer „Fahrradstadt Kempen“ bekämen die Verbände großen Zuspruch aus vielen Bereichen, die ein identisches Ziel haben – mehr Lebensqualität. Vielfach hätten die Leute die Befürchtung, man wolle ihnen das Auto wegnehmen. Dem tritt Ditzen energisch entgegen: „Das haben wir auf keinen Fall im Sinn.“ Man wolle nur für Gesundheit und Sicherheit sorgen. Absurd sei die Situation beispielsweise auf der Thomasstraße. Dort seien die separaten Streifen für Radfahrer direkt neben dem Parkstreifen, so das es eigentlich ständig zu gefährlichen Situationen kommt. „Der Fahrradstreifen ist genau da, wo Räder nicht hingehören. Das ist ein Unding“, sagt Gisela Ditzen.

Man müsse sich immer wieder vor Augen führen, dass der kleinste Fehler von Autofahrern fatale Folgen haben könne. Viele Städte hätten es geschafft, die Risiken zu minimieren. In den Innenstädten müsse man Durchgangsverkehr verringern, Zielverkehr sei nicht das Problem. Für Kempen mahnte sie an, dass das bereits vor der Eröffnung von Amazon geregelt werden müsse, „denn ansonsten bekommen die Bürger an der Hülser Straße, St. Huberter Straße, St. Töniser Straße und Vorster Straße noch mehr Verkehr“.

Regelmäßig gibt es in Kempen Radtouren unter dem Motto Critical Mass, um auf Schwachstellen für Fahrradfahrer hinzuweisen. Foto: Wolfgang Kaiser

Nach Schulschluss ist es vielfach so, dass man den Bereich der beiden Gymnasien und der Gesamt­schule als Fußgänger besser meidet, weil sich ein Schwall Fahrräder nach dem anderen auf die Straße und oft auch auf die Bürgersteige ergießt. Das könne durchaus zu gefährlichen Situationen führen, sei aber nicht ausschließlich Schuld der radelnden Schüler: „Die brauchen ihren Raum.“ Die Radverbände bringen erneut ins Gespräch, eine Spur des Rings für den Radverkehr zu öffnen und auf der anderen Tempo 30 einzuführen.

Auf den Zustand der Radwege ist man auch nicht gut zu sprechen. Viele seien zu schadhaft oder zu klein, so dass besonders größere Räder Probleme hätten und auf die Fahrbahn ausweichen müssten. Man habe daher auch bereits einen Antrag gestellt, die Benutzerpflicht aufzuheben. Außerdem müsse es heißen: „Weg von Tempo 50!“

Neben der Sicherheit geht es den Radverbänden auch um das Thema Gesundheit. Auf der Berliner Allee sei der Verkehr morgens zwischen 7.30 und 8 Uhr am größten, und die Kinder müssten neben einer Abgaswolke fahren. Wer selbst kurze Strecken mit dem Auto zurücklege, dem fehle die Bewegung.

Das gelte auch für all die Kinder, die morgens mit dem Auto zur Schule gebracht und am Mittag wieder abgeholt werden. „Kinder, die zu Fuß gehen, lernen besser und schneller“, sagt Gisela Ditzen. aber es sei leider so, dass viele Eltern ihren Kindern zu wenig zutrauen.

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