Initiative scheitert mit Plan, das 50-Meter-Sportbecken zu retten

Kempen : Aqua Sol: Es bleibt bei der Umbauplanung

Nach einer teilweise sehr hitzigen Diskussion im Stadtrat blieben die Fraktionen einstimmig bei dem geplanten Neubau des Hallenbades im 50-Meter-Außenbecken. Fast 150 Bürger waren erschienen, viele meldeten sich zu Wort.

Es geht um die Zukunftssicherung des Kempener Badezentrums „Aqua Sol“. In dieser Einschätzung waren sich am Dienstagabend die Geschäftsführung der Stadtwerke Kempen als Badbetreiber und alle im Stadtrat vertretenen Parteien einig. „Der Bad-Umbau in der geplanten Form ist ohne Alternative“ lautete die Botschaft an die fast 150 Bürger, die zur Ratssitzung in die „Alte Scheune“ nach Tönisberg gekommen waren.

Die Einwohnerfragestunde entwickelte sich zu einer teilweise sehr hitzigen Diskussion, bei der Vertreter der Bürgerinitiative zum Erhalt des 50-Meter-Außenbeckens, von Stadtsportverband, Schwimmvereinen, Schulen sowie Freizeitschwimmer eine geänderte Planung forderten. Ihr Ziel: Erhalt des Sportbeckens und veränderte Pläne fürs Hallenbad, damit dort Wettkämpfe, Schulschwimmen und Schwimmausbildung weiterhin im gewohnten Umfang möglich sind. Am Ende stand der flammende Appell einer Kempenerin, die das Freibad häufig nutzt, die Politik möge in Ruhe noch einmal über die Umbau-Planung nachdenken und dann entscheiden.

Der Appell verhallte im großen Saal der ehemaligen Scheune, weil sich die Stadtratsfraktionen bereits vor Monaten über ihre Vertreter in den Aufsichtsgremien der Stadtwerke festgelegt hatten. Lediglich der Tönisberger CDU-Ratsherr Bernd Fröchtenich folgte dem Bürgerantrag des Kempener Jürgen Allermann, das 50-Meter-Sportbecken nicht aufzugeben und die Planung noch einmal zu überdenken. Das Badezentrum, das seit Jahren – wie bundesweit viele Schwimmbäder – mit rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen hat, muss saniert und modernisiert werden. Wie die beiden Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Ferling und Norbert Sandmann erläuterten, muss ein neues Hallenbad gebaut werden, weil die Sanierung des alten zu aufwendig wäre. Aus Kostengründen haben Experten den Stadtwerken den Neubau im 50-Meter-Außenbecken empfohlen. Die Stadtwerkechefs führten zudem die hohen Verluste als Argument für die Umstrukturierung ins Feld. 2016 habe das „Aqua Sol“ ein Minus von rund zwei Millionen Euro eingefahren. Derzeit werde jeder Eintritt eines Badbesuchers mit sieben Euro bezuschusst. Das Bad werde zudem aus den Einnahmen, die die Stadtwerke aus ihrem Geschäft mit der Gas-, Wasser- und Fernwärmeversorgung in Kempen machen, subventioniert.

Fast 150 Besucher verfolgten die Diskussion um den Umbau des „Aqua Sols“ in der Ratssitzung am Dienstagabend in Tönisberg. Viele Bürger meldeten sich dabei zu Wort. Foto: Wolfgang Kaiser

Bürgermeister Volker Rübo – selbst ein begeisterter Schwimmer, der das „Aqua Sol“ häufig nutzt – verteidigte als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke die Planungen für Um- und Neubau. Die Aufgabe des Sportbeckens sei „ein Opfer“, das gebracht werden müsse, um das Badezentrum, das als größtes seiner Art in NordrheinWestfalen gilt, zukunftssicher zu gestalten. Rübo betonte, es werde kein reines Spaßbad entstehen, auch die Schwimmausbildung und das sportliche Schwimmen seien im „Aqua Sol“ künftig möglich. In der Planung sei das Nebeneinander „hervorragend“ gelöst, betonte er. Im Übrigen wären viele Bäder in der Region umstrukturiert worden, unter anderem mit Aufgabe von 50-Meter-Becken. Rübo nannte als Beispiele Willich, Kamp-Lintfort und Kleve.

Was nach der zweistündigen Diskussion und dem Votum des Stadtrats blieb, war der Eindruck, dass die überwiegende Zahl der Besucher sich auch künftig den Argumenten von Stadtwerken und Politik nicht anschließen kann. Was von den politischen Fraktionen kritisch angemerkt wurde, war die zuweilen unzulängliche Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke. Sie hätten die betroffenen Schwimmvereine und Schulen früher über die geplante Umgestaltung informieren müssen. CDU-Fraktionsvorsitzender Wilfried Bogedain brachte es auf den Punkt: „Ein anderer Informationsfluss in der Sache wäre besser gewesen“, meinte er. Ähnlich sah es Grünen-Fraktionssprecher Joachim Straeten: Die Stadtwerke hätten Vereine und Schulen im Vorfeld mitnehmen müssen, dann wäre die jetzige Aufregung vermutlich nicht entstanden. SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Gareißen meinte selbstkritisch: Die Fraktionen hätten mit den Bürgern anders umgehen müssen. Für FDP-Fraktionssprecherin Irene Wistuba stand am Ende fest: Die Öffentlichkeit hätte viel früher an dem Prozess der Badsanierung beteiligt werden müssen. Linken-Fraktionschef Günter Solecki nahm die Geschäftsleitung der Stadtwerke in Schutz: Sie hätte aus rechtlichen Gründen gar nicht öffentlich über die Pläne und Investitionen informieren dürfen.