Kommentar: Initiative nutzt den Wahlkampf

Kommentar : Initiative nutzt den Wahlkampf

Die neue Initiative "Denk mal an Kempen" macht in der Hochphase des Kommunalwahlkampfes Druck auf die Politik, mischt sich mit einer Fragebogenaktion und Info-Ständen in der Fußgängerzone ein. Die Gruppierung hat betont, sich vor keinen parteipolitischen Karren spannen lassen zu wollen. Das kann man ihr durchaus abnehmen. Umgekehrt nutzt die Initiative die Vorwahlzeit geschickt für ihre Zwecke aus und versucht, die politischen Parteien vor ihren eigenen Karren zu spannen.

Die Politik in Kempen muss auf der Hut sein, dass eben das nicht geschieht. Sie muss sich ihre Unabhängigkeit erhalten, sonst verliert sie irgendwann ihre Glaubwürdigkeit. Auch bei dem von der Initiative geforderten Denkmalbeirat muss die Politik aufpassen, sich von einem solchen Gremium am Ende nicht vorschreiben zu lassen, wie politische Entscheidungen in Sachen Denkmalschutz in Kempen künftig zu treffen sind.

Die Motive der Initiatoren von "Denk mal an Kempen" sind - außer Frage - aller Ehren wert, das Engagement der Gruppe ist bemerkenswert. Eins stört den Betrachter aber: Die Initiative scheint ihren Fokus allzu stark auf den Denkmalschutz in der Kempener Altstadt zu legen. Klar, hier hat es im Laufe der zurückliegenden Jahre und Jahrzehnte schon den einen oder anderen unwiederbringlichen Verlust an historischer Bausubstanz gegeben. Da muss man im Falle Peterstraße 20 aktiv werden. Denn immer noch ist die "historische Altstadt" ein Markenzeichen, mit dem Kempen gerne und erfolgreich wirbt.

Doch Denkmalschutz in Kempen muss über die Altstadt hinausgehen, muss auch die anderen Stadtteile einbeziehen. Da war doch was? Richtig. Die Diskussion um den Denkmalwert der ehemaligen Schachtanlage in Tönisberg. Auch dazu hat bekanntlich das Rheinische Amt für Denkmalpflege klar Stellung bezogen. Und in diese Diskussion hat sich die neue Denkmal-Initiative bislang erstaunlicherweise überhaupt nicht eingemischt. Schade. Das wäre für den Zechen-Förderverein, der allein um den Erhalt des Fördergerüstes und der Nebengebäude auf dem Wartsberg kämpft, sicherlich hilfreich.

ANDREAS REINERS

(RP)
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