Stadt Kempen: Initiative fährt schweres Geschütz auf

Stadt Kempen : Initiative fährt schweres Geschütz auf

Die neue Gruppierung "Denk mal an Kempen" wirft der Stadtverwaltung vor, der Politik wichtige Informationen über den Denkmalwert des Hauses Peterstraße 20 vorenthalten zu haben. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück.

Die neue Denkmal-Initiative fährt schweres Geschütz auf. Sie teilte jetzt in einer Presseerklärung mit, dass die Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke die Argumente der Initiative zum Erhalt des unter Denkmalschutz stehenden Hauses Peterstraße 20 stützt. Pufke, oberste Denkmalexpertin im Rheinland und Chefin des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, hatten Mitglieder der Initiative in der Sache angeschrieben und sie auf den drohenden Abriss des Baudenkmals hingewiesen (die RP berichtete).

Pufke erklärte nun unter anderem, dass die Stadt Kempen schon seit einem Jahr über die Position ihrer Fachbehörde zum Denkmalwert des Hauses Peterstraße 20 informiert sei. Darauf hin stellt die Initiative die Frage: Wurden bei der öffentlichen Sitzung des Bau- und Denkmalausschusses am 17. März bewusst Fakten verschwiegen? Damals sollte der Ausschuss über die Herausnahme des Hauses aus der städtischen Denkmalliste entscheiden, was die Politik bekanntlich nicht getan hat. Die Stadtverwaltung wollte die Streichung des Denkmals, um einen Abriss und Neubau durch Investor Ralf Schmitz zu ermöglichen.

Nach Angaben der Denkmal-Initiative hat die Landeskonservatorin in ihrem jetzigen Schreiben dargelegt, dass das Rheinische Amt für Denkmalpflege ihre grundsätzlich andere Auffassung als die der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Kempen in mehreren Gesprächen und Stellungnahmen deutlich gemacht habe. Bereits seit Mai vergangenen Jahres habe es einen Austausch in Sachen Peterstraße 20 gegeben. Auch ein Termin mit Experten des Rheinischen Amtes vor Ort habe stattgefunden.

In der Politik stößt das Verfahren indes insgesamt auf Verärgerung. Einen öffentlichen Streit zur Unzeit kann man im Wahlkampf überhaupt nicht gebrauchen. Andererseits: Mehrere Mitglieder des Denkmalausschusses haben der Initiative bestätigt, dass sie weder über Gespräche der Stadt mit dem Rheinischen Denkmalamt und dessen Stellungnahmen noch von einem Ortstermin etwas gewusst hätten.

"Wir halten dieses Vorgehen für skandalös und hoffen auf deutliche Reaktionen der Parteien des Kempener Stadtrats. Wir fragen uns, warum die Bedenken des Amtes für Denkmalpflege ignoriert und den Mitgliedern des Ausschusses vorenthalten wurden. Dies unterstreicht unsere Forderung nach mehr Transparenz bei Entscheidungswegen und Abstimmungen über Bauvorhaben, die das Kempener Stadtbild betreffen", macht Marcel Rau, Initiator von "Denk mal an Kempen", deutlich.

Das Rheinische Amt für Denkmalpflege unterstützt die Forderung der Initiative, dass der Denkmalschutz des Hauses Peterstraße 20 erhalten bleiben soll. Das von der Stadt Kempen in Auftrag gegebene Gutachten von Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schäche, Architekturhistoriker aus Berlin, fügt nach Ansicht der Landeskonservatorin "keine neuen verfahrensrelevanten Erkenntnisse hinzu". Sie führt weiter aus: "Fotos des Objektes aus dem Bestand des Landeskonservators aus dem Jahr 1977 machen deutlich, dass sich die zum Zeitpunkt der Eintragung vorliegenden und im Eintragungstext genannten Tatbestandsmerkmale bis heute nicht verändert haben."

Die Veränderungen im Gebäude-inneren, die von der Stadt Kempen als Argument gegen den Erhalt des Baudenkmals vorgebracht wurden, sind laut Denkmalamt unbedeutend. Der Landeskonservatorin geht es vor allem um den Erhalt der Fassade, die stadtbildprägend für Kempen sei. Die Substanz im Inneren spiele keine entscheidende Rolle. Und noch eins merkt Dr. Andrea Pufke kritisch an: Der geplante Neubau an der Ecke Peterstraße/Donkwall könne den "Umgebungsschutz des Baudenkmals Donkwall 3 verletzen". Daraus ergibt sich für das Rheinische Amt für Denkmalpflege, dass ein Abriss des Hauses Peterstraße 20 nicht in Frage kommt.

Die Kempener Denkmal-Initiative will mit der rheinischen Landeskonservatorin weiterhin im Gespräch bleiben.

(RP)
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