Kempen: Ingolf Lück: Ein Mann wie ein Wasserfall

Kempen : Ingolf Lück: Ein Mann wie ein Wasserfall

Ingolf Lück brachte am Montag und Dienstagabend im St. Huberter Forum mit "Lück im Glück" eine witzige, streckenweise skurrile Analyse modernen Familienlebens. Lücks Glück liegt offensichtlich in seiner neuen Rolle als Familienvater.

Jedenfalls meistens. Denn als moderner Familienvater ist er natürlich im Familienleben engagiert. Frühstückmachen, Kindergeburtstag — alles macht er mit. Montags hat er Kinderdienst, weil seine Frau da Yoga macht. Schwänzt er, hat das vier Wochen Kinderdienst zur Folge. Und ausgerechnet dann rufen seine Kumpels an und wollen ihn zum Zug durch die Kneipen auffordern. Ein echter Gewissenskonflikt für den Vater.

Weitere Herausforderung sind Elternabende in Kindergarten und Schule. Viele Stunden auf unbequemen Kinderstühlchen sitzen. Dazu die Zwangsgemeinschaft mit Eltern, die man sich selbst nie zu Freunden wählen würde. Und deren Kinder sind natürlich alle hochbegabt. Spielen schon Geige, bevor sie richtig sprechen können. Halt die "Alete-Elite".

Andererseits kokettiert er heftig damit, dass er mittlerweile 50 Jahre alt ist. Extra deswegen habe Bürgermeister Volker Rübo ihm einen Stuhl hingestellt, arbeitsrechtliche Vorschrift. Mit einer Discoeinlage beweist er sofort, dass er nicht zum alten Eisen gehört.

Das Programm hat ein unheimliches Tempo. Dieser Mann redet wie ein Wasserfall, ist ständig in Bewegung. Dadurch wird es manchmal anstrengend zu folgen. Außerdem ist er für den kleinen Raum des Forums einfach zu laut. Das mag daran liegen, dass er sonst in größeren Sälen spielt, wie er ehrlich zugibt. Dann wäre es allerdings Aufgabe des Tontechnikers gewesen, die Lautstärke etwas besser den Gegebenheiten anzupassen. Das bemängelten in der Pause auch viele Besucher. Und es kamen schon einmal Kommentare wie "Das ist mir zu wild." Denn manchmal glitt das Geschehen auf der Bühne ziemlich in Klamauk ab. Einigen Besuchern war das zu viel, so dass nach der Pause einige Stühle leer blieben.

Lück ist so etwas offensichtlich gewohnt und begrüßte die übrig gebliebenen Besucher mit "Schön, dass sie geblieben sind." Etwas genervt war er aber wohl, das merkte man ihm im zweiten Teil deutlich an. Und dann wurde noch nicht mal eine Zugabe gefordert. Die gab er dann ohne großes Bitten. Und diese Geschichte eines gemeinsamen Urlaubs mit einer befreundeten Familie war das tatsächliche Highlight des Abends. Witzig, gut erzählt, ohne Zappelei auf der Bühne.

(sr)
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