In unmittelbarer Nähe zur Wackertapp-Mühle in St. Hubert will die Stadt Ende des Jahres mit der Vermarktung der Grundstücke beginnen.

Neues Kraftwerk : Baugebiet mit völlig neuer Technik

In unmittelbarer Nähe zur Wackertapp-Mühle in St. Hubert will die Stadt Ende des Jahres mit der Vermarktung der Grundstücke beginnen. Beim Energieverbrauch wollen die Stadtwerke für die Häuser neue Maßstäbe setzen.

Nachdem kürzlich die Politik grünes Licht für das Wohngebiet in unmittelbarer Nähe der Wackertapp-Mühle in St. Hubert gegeben hat, wird es wahrscheinlich Ende 2018 mit der Vermarktung losgehen. Etwa 50 Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften und mehr als 50 Mietwohnungen sind im Gebiet „Auf dem Zanger/An der Mühle“ geplant. In den Startlöchern stehen bereits die Stadtwerke Kempen, die sich gemeinsam bei der Unterstützung von Hochschule Düsseldorf und dem Zentrum für Innovative Energiesysteme bei der Heizung und beim Strom eine besondere Technik ausgedacht haben.

Projektleiter bei den Stadtwerken ist Rüdiger Leibauer. Geschäftsführer Siegfried Ferling gerät beinahe ins Schwärmen, als er diese neue umweltfreundliche und nachhaltige Konzeption vorstellt. In den Plänen ist schräg gegenüber der St. Huberter Mühle ein verklinkertes zweigeschossiges von einer Hecke umgebenes Bauernhaus mit einem großen Schornstein zu erkennen. Drinnen wie draußen soll dort eine effektive Energiezentrale entstehen. Neben der Fernwärme wird dort mit vielerlei Technik durch ein kleines Kraftwerk Strom und Warmwasser erzeugt. Dafür sorgen unter anderem eine Wärmepumpe mit 17 Erdsonden, Photovoltaik-Module auf dem Dach und Solarthermiefelder, die draußen auf dem Erdboden platziert werden. Alle Wärmeerzeuger speisen einen im Gebäude untergebrachten und 50 Kubikmeter umfassenden Wärmespeicher.

„Diese Anlage, die etwa ein Jahr lang entwickelt worden ist, ist mit einem herkömmlichen Blockheizkraftwerk überhaupt nicht zu vergleichen, dies ist nur ein Aspekt“, sagt Ferling und macht weiter deutlich, dass man jetzt mehrere ökologische und innovative Energien miteinander kombiniert habe. Ein kompliziertes Verfahren sorgt in einem weiteren Schritt dafür, dass die verschiedenen Technologien optimal angepasst und auf die Kunden zugeschnitten würden. Neben seinen Mitarbeitern werden Professoren und Studenten der Hochschule Düsseldorf dieses Versuchsprojekt weiter begleiten und bei Bedarf mit seinem Team die Regelungstechnik optimieren.

Siegfried Ferling ist sich sicher: „All diese Faktoren werden sich sehr positiv auf den geplanten Hausbau auswirken. Denn in der Energieeinsparverordnung (EnEV), die die bautechnische Energieeffizienz von Neubauten definiert, werden Gebäudephysik und die eingesetzte Energieversorgung zusammen bewertet. Weist die Energieversorgung – wie bei der Versorgung „An der Mühle“ – bereits einen sehr guten Primärenergiefaktor aus, braucht zum Beispiel die Isolierung des Hauses nicht so aufwendig auszufallen.

Bereits seit 1964 wird die Kraft-Wärme-Kopplung durch die Stadtwerke Kempen mit dem Fernwärmenetz und den kleinen Heizkraftwerken in den verschiedensten Bereichen, Siedlungen und Einrichtungen, vom Krankenhaus bis zum Schwimmbad, vorangetrieben. Dies fing damals mit dem Neubaugebiet „Neue Stadt“ (Hagelkreuz) an.

Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Ferling ist von der Effizienz des geplanten Anlage für das Neubaugebiet in St. Hubert überzeugt. Foto: Prümen, Norbert (nop)

Und der Stadtwerke-Geschäftsführer kann sich durchaus vorstellen, dass dieses neue Versorgungskonzept auch später einmal in den neuen Wohngebieten im Kempener Westen Anwendung findet. Ferling fasst die Vorteile der gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung für die Häuslebauer zusammen: Förderfähigkeit als „KfW-Effizienzhaus 70“, Wegfall von Ersatzmaßnahmen nach dem EEWärmeG, geringe Investitionskosten, kein Brenner, kein Öltank, kein Schornstein, keine oder nur sehr geringe Wartungskosten, hohe Versorgungssicherheit durch geringe Störanfälligkeit, 24-Stunden-Service durch die Stadtwerke Kempen.