In St. Hubert gibt es die erste Sonntagsmesse ohne Priester

St. Hubert : Priestermangel auch sonntags spürbar

Auch ohne Priester soll es sonntags verlässlich einen Gottesdienst für die Gläubigen geben. Wie das funktionieren kann, wollen Mitglieder der katholischen Gemeinde St. Hubertus am kommenden Sonntag, 24. Februar, zeigen.

Es klingt dramatisch: „Zum ersten Mal seit der Pfarrgründung im Jahr 1790“, heißt es im aktuellen Pfarrbrief der katholischen Gemeinde St. Hubertus, werde der Pfarre am 24. Februar, einem Sonntag, kein Priester zur Verfügung stehen. „Es ist uns aber sehr wichtig, sonntags miteinander Eucharistie zu feiern“, heißt es weiter im Pfarrbrief, „deshalb müssen wir als Gläubige in der Gemeinschaft zusammenhalten und andere Möglichkeiten der Begegnung mit Gott suchen.“

Wie diese Begegnung aussehen kann, das werden die Besucher, die am 24. Februar in die Kirche kommen, erleben. „Wir werden den Sonntagsgottesdienst auf andere Weise feiern“, sagt Sonja Borsch. Gemeinsam mit weiteren engagierten Christen hat sie im vorigen Jahr eine Ausbildung zur Wortgottesdienstleiterin absolviert. Die Ehrenamtler sind befähigt, Gottesdienste zu halten und dürfen auch die Kommunion austeilen. „Das möchten wir aber an dem Sonntag bewusst nicht machen“, sagt die St. Huberterin. Es solle deutlich werden, dass es sich nicht um eine „normale“ Sonntagsmesse handle. „Wir legen Wert darauf, den Unterschied zu zeigen.“

Aber es sei eben auch wichtig, dass die Möglichkeit, sonntags in die Kirche zu gehen, den Christen auch geboten werde, wenn mal kein Pfarrer zur Verfügung stehe, sonst falle die Gemeinschaft auseinander. „Gemeinsam beten können wir auch ohne Priester“, sagt die Wortgottesdienstleiterin. Für Sonja Borsch beinhaltet die Tatsache, dass aufgrund des allgemeinen Priestermangels in der katholischen Kirche nicht mehr für jede Pfarre ein eigener Priester zur Verfügung steht, auch Chancen, aber die Christin ist zwiegespalten: „Die Bedeutung des Gottesdienstes ist eine andere, wenn der Pfarrer fehlt.“

Während einige Christen noch damit hadern, dass das Pfarrhaus im Ort verwaist ist, bleibt Pfarrer Thomas Eicker, Leiter der katholischen Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Kempen-Tönisvorst, zu der St. Hubertus gehört, gelassen: „Seit Jahren werden in St. Hubert Wortgottesdienste gefeiert, die als Leitung keinen Priester haben“, erklärt Eicker, „und seit letztem Jahr gibt es einmal im Monat am Samstagabend den Abendgottesdienst als Wort-Gottes-Feier.“ Dann teilen die Wortgottesdienstleiter auch die Kommunion aus.

Natürlich sei es das Ziel, dass zu jeder Messe ein Pfarrer vor Ort ist, aber bei vier Gemeinden und zwei Pfarrern sei das auch mit der Unterstützung der Subsidiare, also der pensionierten Pfarrer, mitunter schwierig. „Parallel zu dem Familiengottesdienst in St. Hubertus sind am 24. Februar Gottesdienste in Kempen und in Vorst“, erklärt Pfarrer Eicker. Und weil ein Priester im Urlaub sei und ein Subsidiar auf Missionsreise, habe sich keine andere Möglichkeit gefunden, als die „qualifizierten und berufenen Gemeindemitglieder“ zu bitten, den Gottesdienst zu übernehmen. Das habe es auch in anderen Pfarren der GdG schon gegeben.

So oder so wird der Gottesdienst am 24. Februar, 9.30 Uhr, in St. Hubertus ein besonderer: Weil Karneval vor der Türe steht und es sich um eine Familienmesse handelt, dürfen die Kinder im Kostüm kommen. Außerdem sollen die Kirchenlieder zu Volksliedmelodien gesungen werden.

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