In Kempen wird derzeit viel gebaut - überwiegend Einfamilienhäuser, aber auch Mietwohnungen

Immobilienmarkt : Schöner Wohnen in Kempen

In der Thomasstadt wird derzeit viel gebaut. Überwiegend entstehen Einfamilienhäuser. Aber auch Mietwohnungen werden errichtet. Für Grundstücke im Baugebiet „Auf dem Zanger“ in St. Hubert gibt es mehr als 300 Interessenten.

Der im vergangenen Jahr gestorbene ehemalige CDU-Politiker Fritz Meies aus Viersen blickte schon vor zwei Jahrzehnten neidvoll nach Kempen. Denn dort erblickte er das, was in seiner Heimatstadt damals seiner Meinung nach zu wenig zu sehen war. Meies forderte bei der Diskussion um die Viersener Stadtplanung: „Ich will mehr Baukräne sehen.“ Die konnte er dann auch zahlreich in der Kreisstadt sehen. Aber die frühere Kreisstadt Kempen lief in puncto Neubautätigkeit der heutigen Kreisstadt Viersen damals glatt den Rang ab. Schon vor 20 Jahren war die Thomasstadt ein äußerst beliebtes Fleckchen Erde, auf dem man gerne sein Eigenheim bauen wollte.

Die Nachfrage nach Baugrund war seinerzeit so groß, dass die Politik beschloss, das so genannte Blumenviertel über die Vorster Straße in Richtung St. Töniser Straße auszuweiten. 2019 ist es nun 20 Jahre her, dass an der Vorster Straße gegenüber dem Blumenviertel die ersten Häuser gebaut wurden. Und wenn alles nach Plan verläuft, werden im letzten Bauabschnitt an der Kreuzkapelle (Isaac-Kounen-Straße) Ende 2019 die letzten Grundstücke bebaut. Damit wird das Baugebiet im Kempener Süden weitgehend komplett sein.

Eins der beiden Mehrfamilienhäuser, die gegenüber der GWG-Wohnanlage am Heyerdrink entstehen, soll im Herbst 2019 bezugsfertig sein. Foto: Norbert Prümen

Die Formulierung „weitgehend“ ist insofern wichtig, weil es schließlich noch Flächen zwischen dem Blumenviertel und dem Kempener Außenring im Bereich zwischen Oedter- und Vorster Straße gibt, die bislang nicht bebaut sind. Dieses Areal brachten die Freien Wähler im Oktober 2018 ins Gespräch. Der Grünstreifen, der das Blumenviertel von der Bundesstraße 509 trennt, eigne sich hervorragend für eine Wohnbebauung, meinte die Wählervereinigung. Ein Lärmschutzwall zur B 509 ist bereits vorhanden – er müsste wohl verbessert werden, eine Erschließung sowohl von der Oedter- als auch von der Vorster Straße aus ist möglich. Die Freien Wähler argumentierten zudem, dass die Flächen bereits der Stadt gehörten. Die Stadt widersprach: Nur etwa 15 Prozent der Grundstücke seien in städtischem Besitz. Was die Stadt damals verschwieg: Fast alle Flächen haben nach Informationen unserer Zeitung tatsächlich mal der Stadt gehört. Einige Grundstücke hat die Stadt aber im Laufe der Jahre wieder verkauft, weil die Stadtplanung hier nicht ernsthaft an eine Wohnbebauung dachte. Schade eigentlich: Die Flächen ließen sich gut vermarkten, Interessenten gäbe es sicherlich genug.

Die beiden Wohnhäuser mit Büros im Erdgeschoss und Mietwohnungen in den oberen Etagen am Kempener Donkring sind größtenteils bezogen. Foto: Norbert Prümen

Denn die Nachfrage nach Baugrund in Kempen ist ungebrochen groß. Mehr als 300 Kaufinteressenten hat das städtische Amt für Liegenschaften auf einer Liste für das Neubaugebiet „Auf dem Zanger“ in St. Hubert. Nicht alle werden dort zum Zuge kommen, weil dort nur knapp 80 Einfamilienhäuser geplant sind.

Das erste von vier Häusern, die die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft des Kreises Viersen am Heyerdrink in Kempen baut, ist bald bezugsfertig. Foto: Norbert Prümen (nop)

Doch nicht nur Baugrund fürs Einfamilienhaus ist gefragt. Auch Mietwohnungen sind in allen Preislagen in Kempen interessant. Auch hier ist der Bedarf groß. Am Heyerdrink baut bekanntlich die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft des Kreises Viersen (GWG) insgesamt vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 59 Wohnungen, davon sind 28 Einheiten frei finanziert und 31 Wohnungen öffentlich gefördert. Gegenüber der GWG-Wohnanlage entstehen zwei Wohnhäuser eines privaten Investors aus Kempen. Das derzeit im Bau befindliche Mehrfamilienhaus hat acht Mietwohnungen mit Größen von 65 bis 105 Quadratmeter. Im Herbst 2019 könnte es bezugsfertig sein. Das zweite, ebenfalls frei finanzierte Haus ist für drei Mietparteien gedacht. Baubeginn wird hier erst 2020 sein, da der Grundstückseigentümer erst seinen dortigen Handwerksbetrieb verlagern muss. Die Wohnungen werden zwischen 80 und 110 Quadratmeter groß sein. Alle Häuser am Heyerdrink, die von der GWG und die vom Privatinvestor, hat das Kempener Architekturbüro Udo Thelen geplant.

Im Baugebiet „Auf dem Zanger“ in St. Hubert, aufgenommen vom Wirtschaftsweg „An der Mühle“ aus, läuft derzeit die Erschließung. Foto: Norbert Prümen

Fertiggestellt und weitgehend bezogen sind mittlerweile die beiden Wohnhäuser, die schräg gegenüber dem Peterturm am Donkring von der Familie Thelen gebaut wurden. An der Wachtendonker Straße wurde erst küzlich Richtfest für ein Mehrfamlienhaus gefeiert, das der Grefrather Immobilienentwickler Fabri & Reuter errichtet. Er will auch das Areal der ehemaligen Firma Kleinebrecht an der Ecke St. Huberter Straße/Am Bahnhof neu bebauen. Zurückgestellt hat das Unternehmen, das eine Niederlassung an der Burgstraße in Kempen hat, seine Pläne für ein neues Wohn- und Geschäftshaus auf dem heutigen Postgelände an der Ecke Thomasstraße/Moorenring. Der Mietvertrag mit der Post läuft noch. Auf dem Gelände an der Bahn (Dr.-Luft-Straße) entsteht derzeit ein weiteres Gebäude für Wohnnutzung.

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