In Kempen fehlt es an sozial gefördertem Mietwohnungsbau.

Sozial geförderter Mietwohnungsbau : Wenig erreicht bei bezahlbarem Wohnraum

Die Stadt Kempen ist als Wohnort nach wie vor sehr beliebt. Versuche, den sozial geförderten Mietwohnungsbau anzukurbeln, sind noch nicht weit gediehen. Es fehlt an konkreten politischen Beschlüssen und an Investoren.

Es wird seit Jahren viel darüber geredet in der Politik. Und alle politischen Parteien sind sich in der Sache einig: Kempen braucht mehr bezahlbaren Wohnraum. Diese Forderung ist immer wieder zu hören, wenn es um die Frage geht, wie Kempen als Wohnort auch für Bürger mit kleinerem Einkommen attraktiv bleiben kann.

In den vergangenen Jahren hat sich die Stadtplanung bei der Ausweisung neuer Baugebiete vor allem auf Einfamilienhaus-Grundstücke fokussiert. Die ließen sich bestens vermarkten. Für die einzelnen Grundstücke gab es häufig mehrere Interessenten. Im Amt für Liegenschaften, das für den Verkauf der städtischen Flächen an Bauträger oder direkt an Häuslebauer zuständig ist, gibt es seit Jahren sogar Wartelisten. Namen von Interessenten, die zunächst nicht zum Zuge gekommen sind, stehen auf diesen Listen. Wer beispielsweise im Neubaugebiet „An der Kreuzkapelle“ im Kempener Süden kein Grundstück ergattern konnte, wird möglicherweise in diesem Jahr ein Grundstück im Baugebiet „Auf dem Zanger/An der Mühle“ in St. Hubert erwerben wollen. Mehr als 300 Interessenten werden auf der Warteliste geführt und nun vom Amt für Liegenschaften kontaktiert. Die Stadt will wissen, ob die Bewerber nach wie vor daran interessiert sind, ihr Eigenheim im Kendeldorf zu bauen.

Auch der Bau von Eigentums- und teuren Mietwohnungen läuft in Kempen seit Jahren gut. Für Eigentumswohnungen werden – nicht nur am Klosterhof – Spitzenpreise erzielt. Das ergibt sich aus dem Grundstücks- und Wohnungsmarktbericht, den der Kreis Viersen für Verkäufe in jedem Jahr herausgibt. Kreisweit kann bekanntlich nur St. Tönis mit der Preisentwicklung in Kempen Schritt halten.

Umso mehr wächst der Druck auf dem Mietwohnungsmarkt. Preiswerte Wohnungen sind hier in Kempen Mangelware. Auch wenn die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft für den Kreis Viersen (GWG) seit geraumer Zeit preiswerte Wohnungen für Singles, Senioren und junge Familien am Heyerdrink baut, reicht dies noch lange nicht aus, um den Bedarf zu decken. Das erste von vier Mehrfamlienhäusern soll im April bezugsfertig sein. Hier entstehen zehn – allerdings nicht sozial geförderte – Wohnungen für Singles.

In dem Mehrfamilienhaus an der Isaac-Kounen-Straße im Kempener Süden sind acht staatlich geförderte Mietwohnungen entstanden. Foto: Norbert Prümen

Wer keine bezahlbare Wohnung findet, zieht nicht nach Kempen. Diese Erfahrung haben auch hier ansässige Unternehmen oder selbst die Stadtverwaltung gemacht, wenn es darum geht, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Bewerber springen ab, weil sie in Kempen keine passende Wohnung finden.

Die Kempener Grünen hatten vor einigen Jahren die Gründung einer eigenen städtischen Wohnungsbaugesellschaft ins Gespräch gebracht. Bei den anderen Fraktionen stieß dies nicht auf einhelligen Beifall. Die Stadt sei mit 35.000 Einwohnern zu klein für eine eigene Wohnungsgesellschaft, meinten auch Branchenkenner. Sie empfehlen, die Kontakte mit der GWG zu intensivieren. Die wäre auch bereit zu bauen, doch die Stadt kann keine eigenen Grundstücke bereitstellen, weil sie keine besitzt.

Versuche, private Investoren dazu zu bewegen, sozial geförderte Mietwohnungen zu bauen, tragen bislang kaum Früchte. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit beweist, dass die Nachfrage groß ist. Der Tönisberger Markus Stahl hat vor wenigen Wochen sein Mietobjekt an der Isaac-Kounen-Straße im Baugebiet „An der Kreuzkapelle“ fertig gestellt. Sämtliche Wohnungen sind bezogen. Für die acht Einheiten gab es 140 Interessenten. Diese Zahlenrelation verdeutlicht sehr gut die Problematik.

Ein weiteres Problem: Etliche Mietwohnungen, die es im Stadtgebiet gibt, fallen bald aus der Sozialbindung. Die Mieter sind in Sorge, dass die Eigentümer dann an der Mietzinsschraube drehen werden, auch wenn es bekanntlich gesetzlich festgelegte Höchstgrenzen gibt. Nicht nur, wer in den Mehrfamilienhäusern auf dem Wartsberg in Tönisberg wohnt, ist da verunsichert.

Für die geplanten neuen Baugebiete soll der Anteil an bezahlbaren Mietwohnungen, die dort gebaut werden, erhöht werden. Darüber besteht bei Politik und Stadtverwaltung Einigkeit. Die Kempener SPD wollte es nicht bei allgemeinen Absichtserklärungen belassen. Bis auf wenige Ausnahmen seien die Mietpreise auch von Normalverdienern kaum noch zu bezahlen. Rentner oder Alleinerziehende hätten da gar keine Möglichkeit, in Kempen wohnen zu bleiben. Die augenblickliche Entwicklung sei nicht mehr zu kontrollieren, wenn die Stadt nicht gegensteuere und alles nur dem freien Markt überlasse, so die SPD.

Doch mit ihrer Forderung, bei der Entwicklung von Bebauungsplänen grundsätzlich eine Quote von 40 Prozent der Flächen festzulegen, auf denen nur Gebäude mit einer Förderung von sozialem Wohnraum gebaut werden sollen, blieben die Sozialdemokraten am Ende allein. Eine Mehrheit erhielten sie für diesen Vorschlag nicht.

Bei der Stadtplanung sieht man eine solche Quote als problematisch an, wenn kleinere Flächen arrondiert werden sollen. Im Rathaus will man dies lieber individuell für die jeweiligen Bebauungspläne festlegen. Die Politik einigte sich schließlich auf einen Vorschlag der CDU, bei der „Schaffung von preisgebundenem und/oder sozial gefördertem Wohnraum“ den Anteil deutlich zu erhöhen. Das gilt nun zunächst vor allem für das Baugebiet „Auf dem Zanger/An der Mühle“ in St. Hubert und für das Zukunftsprojekt „Kempen-West“. Bis Letzteres in die Umsetzung geht, sprich: dort tatsächlich gebaut wird, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen.

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