Vortrag zum Thomastag im Rokokosaal in Kempen Gottesbeziehung über dem menschlichen Wohl

Kempen · Der Arzt und Psychotherapeut Joachim Schnürle referierte über die Seelsorge von Thomas von Kempen. Dabei transferierte Thomas‘ Texte eben nicht ins Zeitgenössische.

 Zum Thomastag hielt Internist und Psychotherapeut Joachim Schnürle einen Vortrag im Kempener Rokokosaal.

Zum Thomastag hielt Internist und Psychotherapeut Joachim Schnürle einen Vortrag im Kempener Rokokosaal.

Foto: Norbert Prümen

Das Thema des Vortrags anlässlich des diesjährigen Thomas-Tags erschien spannend und lockte so manchen am späten Sonntagvormittag in die gute Stube Kempens. Im Rokokosaal sprach der Arzt Joachim Schnürle über „Seelsorge bei Thomas von Kempen“. „War unser Thomas auch ein Medicus?“, fragte denn auch Angela Janssen vom ausrichtenden Thomas-Verein in ihren einleitenden Worten.

Neugierig machte dabei besonders die Person des Vortragenden: Joachim Schnürle (Jahrgang 1970) ist Internist und ärztlicher Psychotherapeut. Er ist tätig in einer Klinik im mittelfränkischen Gunzenhausen, befasst sich dort mit der Rehabilitation von psychosomatischen und onkologischen Patienten, also Menschen in schweren Lebenskrisen. Leider jedoch wurde die Chance, einen neuen Blick auf Thomas aus medizinischer Sicht zu gewinnen, vertan.

Schnürle verblieb, wenn auch sehr kenntnisreich und sehr engagiert, auf der literarischen und theologischen Ebene der Textauslegung. Er transferierte die für den heutigen säkularen Menschen oftmals schwer verständlichen Texte gerade nicht in ein zeitgenössisches Lebensumfeld – und in die Nöte, die im Alltag des Klinikarztes täglich an ihn herangetragen werden dürften.

Stattdessen stellte der Referent ausführlich die historische Person des Thomas von Kempen, seine Vita und seine Werke vor. Dabei betonte Schnürle die seelsorgerischen Qualitäten des Thomas als Novizenmeister des Klosters St. Agnetenberg in Zwolle, in dem er viele Jahrzehnte lebte. Seine Ratschläge für die jungen, ihm anvertrauten Männer, sind in lebendiger, persönlicher Sprache verfasst und enthalten so viele allgemeingültige wertvolle Denkanstöße und Weisheiten, dass sein Buch von der „Nachfolge Christi“ über Jahrhunderte hinweg von vielen Menschen als praktischer Lebensratgeber und spiritueller Begleiter geschätzt wurde.

Doch Dreh- und Angelpunkt für Thomas ist seine persönliche Gottesbeziehung, aus ihm speist sich, wie es Schnürle im Vortrag auch immer wieder betont, der Blick auch auf die dunklen Lebenssituationen. Schnürle spricht über die Kraft des Gebets, über Demut und Dankbarkeit und verbleibt dabei im theologischen Weltbild, das ohne Zweifel eine Kraftquelle ist – für den gläubigen Menschen. „Die Gottesbeziehung steht über dem menschlichen Wohlergehen“, sagt Schnürle über Thomas. Oder: „Sei im Alltag Gott gegenüber dankbar, nicht nur für das Schöne, sondern auch für das Schmerzhafte.“

Das sind hehre Worte, die leider einem schwer kranken Patienten ohne religiöse Bindungen nicht ohne weiteres zu vermitteln sind. Man hätte gern mehr darüber erfahren, wie Schnürle seine spirituellen Erkenntnisse im Klinikalltag fruchtbringend umsetzt. Schade.

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