Im Niederrheinischen Freilichtmuseum Grefrath wird auch die Welt des Spielens gezeigt.

Spielzeugmuseum Grefrath : Mit allen Sinnen in die Kindheit eintauchen

Im Niederrheinischen Freilichtmuseum Grefrath wird auch die Welt des Spielens gezeigt. 750 Exponate sind zu sehen.

„Spielzeugmuseum“ ist in roten Metallbuchstaben neben dem Rundbogen mit der gläsernen Eingangstür zu lesen. Ansonsten deutet nichts darauf hin, was sich hinter den Wänden aus alten Feldbrandklinkern verbirgt. Kein Fenster, durch das man neugierig hineinschauen könnte, ist vorhanden. Lediglich die Glastür gewährt einen Blick auf eine Vitrine und eine weitere gläserne Tür. Wer einmal mit allen Sinnen in die Kindheit eintauchen möchte, der muss nur die Tür öffnen und steht schon fast mitten in der Welt des Spielzeugs.

„Wir begrüßen die Besucher mit der Lieblingsstücke-Vitrine, in der wir die Exponate regelmäßig wechseln und so immer für ein neues Bild sorgen. Es sind dabei verschiedene Zeitepochen samt den dazugehörigen Informationen vertreten“, sagt Anke Petrat. Ein kurzer Blick auf die Vitrine, dann drückt die Leiterin des Niederrheinischen Freilichtmuseums Grefrath die nächste Glastür auf und öffnet damit den Gang in eine andere Welt.

Dass man sich in einer alten Scheunenanlage aus dem 17. Jahrhundert befindet, ist kaum vorstellbar. Moderner grauer Boden, farbgleich gestaltete Informationstafeln, große Glasfronten, die bis an die Decke reichen. Nostalgisch geht es nur hinter den Glasscheiben zu. Wobei es keine chronologische Ordnung gibt, die an die Jahrzehnte gebunden ist. Vielmehr geht es um das Spielen an sich. Die 750 Exponate, die über zwei Etagen auf einer Fläche von 300 Quadratmeter zu sehen sind, sind nach Spielarten geordnet.

Am Spielen an sich hat sich über die Jahrhunderte nicht viel geändert. Nur das Material hat sich verändert. Die Spielarten als solche sind gleich geblieben. Eine Tatsache, die das Spielzeugmuseum eindrucksvoll verdeutlicht. Da steht der Tante-Emma-Laden aus den 50er-Jahren neben der Playmobil-Variante aus dem Jahr 2000. Zwei auf den ersten Blick völlig verschiedene Gegenstände, aber es geht um das Gleiche: Die Kinder spielen Einkaufen. Beim Baukasten handelt es sich um dasselbe Phänomen. Ob die Variante aus Holz, Steinfaser, Metall oder Plastik in Form von Lego – mit allem wurde und wird gebaut. In den großen Glasvitrinen kann der Besucher diese Zeitreise bei den einzelnen Spielbereichen wie Rollen-, Glücks- und Wettkampfspielen immer wieder erleben. Altes steht neben Modernem und verdeutlicht eine Entwicklung.

Der Klassiker: ein Kaufladen. Foto: Norbert Prümen (nop)

Das Spielen an sich steht im Museum im Mittelpunkt. Es gibt keine Sortierung der Exponate nach Epochen und Material, sondern das Konzept beschäftigt sich mit dem „Warum“ und „Wie man spielt“. Den Themenbereich Spielzeug und Propaganda stellt das Museum ebenso vor wie den Bereich Computerspiele. Der alte Tretroller ruft genauso Erinnerungen wach wie die Porzellanpuppe oder das Angelspiel aus Pappe.

Spielzeug ist unabdingbar mit Emotionen und Nostalgie verknüpft. Ein jeder findet etwas, das ihn besonders berührt. Der Faszination Spielzeug kann sich keiner entziehen. Sich selbst wieder als Kind fühlen und Hinkekästchen auf den Asphalt malen, ist im Spielzeugmuseum auch möglich. Es gibt einen eigens eingerichteten Bereich dafür. Einmal sein ganz persönliches Wunsch-Kinderzimmer gestalten – im Spielzeugmuseum wird es Realität. Spielen ist natürlich ebenfalls möglich. Ein Spieltisch mit jeder Menge Lego lädt zum Bauen ein.

Kinder haben besonderen Spaß an der Geheimschrift, die nur mit der roten Folienkarte gelesen werden kann. „Jedes Kind erhält eine solche Karte an der Kasse. Die Texte für die Kinder sind mit roten Punkten überdeckt. Legt man die Folie darüber, verschwinden die Punkte, und der Text wird lesbar. Wobei die Infotafeln für die Kinder zusätzliche Infos zu denen der Erwachsenen aufweisen“, sagt Petrat.

Ein Highlight ist der Modellaufbau einer ganzen Zirkusstadt. Das im Lichterglanz liegende Zelt, die Zirkuswagen, die Stallungen, die Menschen und die Tiere – der Betrachter erhält das Gefühl, ein Beobachter aus der Vogelperspektive zu sein. Wer an der Zirkuswelt vorbeigeht und um die Ecke biegt, kann noch eine weitere Treppe höher hinaufsteigen. Unterm Dach erwartet die Besucher eine Eisenbahnmodellwelt. Hier schlägt nicht nur das Herz von Modellbahnfreunden höher.

Ein Highlight ist das Modell einer ganzen Zirkusstadt mit den im Lichterglanz liegenden Zelt, den Zirkuswagen, Stallungen, Menschen und Tieren. Foto: Norbert Prümen (nop)

Auf 50 Quadratmeter Fläche sind rund 300 Meter Schienen im Spurformat H0 verlegt. Es geht durch Dörfer und Städte in die Berge, wo kleine Gondeln zwischen den Bergen hinauf- und hinunterschaukeln. Eine Welt im Miniaturformat, die begeistert und in der die Besucher immer wieder Neues entdecken können. Neben der großen Anlage sind es weitere kleine Anlagen, die hinter den Vitrinen in der Dachschräge die Blicke auf sich ziehen. Selbst die Dorenburg steht als Gebäude in der aufgebauten Kulisse. Dazu kommen Einzelexponate von Zügen. Auch der Zug, der einst auf der ersten Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth schnaufte, ist in Miniatur zu sehen.

Wie es ist, wenn die Züge durch die aufgebauten Landschaften fahren können die Besucher jeden Tag um 11.30 Uhr, 14.30 Uhr und 15.30 Uhr erleben. Dann werden die Trafos nämlich aufgedreht. Die ältesten Stücke im Museum stammen übrigens aus den Jahren 1880 und 1899. Es handelt sich um ein Papiertheater und Automatenpuppen.

Spielzeug ist ein Spiegel der Zeit. Und in genau diesen Spiegel kann der Besucher im Spielzeugmuseum in aller Ruhe blicken.

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