Stadt Kempen: Im Gespräch mit jungen Zuhörern

Stadt Kempen: Im Gespräch mit jungen Zuhörern

Nach seinem Konzert am Vorabend besuchte das Flex-Ensemble das Luise-von-Duesberg-Gymnasium. Die vier Musiker kamen mit Schülern der neunten Klassen und der Oberstufe ins Gespräch.

Unterricht der ganz besonderen Art erhielten Schüler der neunten Klassen sowie der Oberstufen-Musikkurse vom Thomaeum und vom Luise-von-Duesberg-Gymnasium am Freitagmorgen. Denn das Flex-Ensemble, welches am Vorabend auf Einladung von Kempen Klassik in der Paterskirche gastierte, besuchte die Schüler.

Die vier Musiker Kana Sugimura (Violine), Anna Szulc-Kapala (Viola), Martha Bijlsma (Violoncello) und Endri Nini (Klavier) sind so flexibel, wie es der Name ihres Ensembles schon andeutet. Denn sie bemühen sich um den schwierigen Spagat zwischen klassischer Kammermusik und Kompositionen, die sie selbst bei zeitgenössischen Komponisten in Auftrag geben. Zudem ist ihnen die Arbeit mit Schülern wichtig, wodurch der Morgen in der Schule zustande kam.

Zwar begann die Unterrichtsstunde mit einer knappen halben Stunde Verspätung, aber mit Hilfe eines ruhigen Stückes von Felix Mendelssohn-Bartholdy war schnell gespannte Ruhe bei den etwa 45 Schülern eingekehrt. Danach ging es um ein neues Projekt der Künstler. Ob denn den Jugendlichen Chansons bekannt seien, fragte Bijlsma. Achselzucken war die Antwort. Klar, das ist Musik, die man nicht unbedingt in diesem Alter hört. Jacques Brel oder Edith Piaf ist nicht im Repertoire auf dem Smartphone.

Also gab es erst einmal ein Musikbeispiel: Das wohl bekannteste Chanson des belgischen Sängers Brel "Ne me quitte pas". Chansons haben in Frankreich eine lange Tradition, so Bijlsma. Diese war zwar im vergangenen Jahrhundert sehr ausgeprägt, geht aber schon bis zu den Troubadouren des Mittelalters zurück. Das Flex Ensemble war nun auf eine neue Idee für die klassischen Chansons gekommen. Sie haben fünf Komponisten gebeten, eigene Arrangements in einem modernen Klassikstil zu erarbeiten. Für die Schüler war das eine sehr ungewohnte Musik. Denn die Instrumente, die sie aus dem Unterricht kannten, bekamen eine ganz neue Klangfarbe. Da wird mit dem Bogen schon einmal über das Holz des Streichinstruments gespielt. Oder ein weiches Tuch auf die Saiten des Klaviers gelegt. "Der arme Flügel", entfuhr es einer Schülerin spontan. Aber das Klavier konnte sich auch durch Zupfen komplett anders anhören. Dazwischen spielte Lehrer David Nethen vom Thomaeum immer wieder Stücke der Originale an, damit die Schüler die Veränderung merken konnten. "Hört Ihr, die Musik ist auf einmal wie hinter einem Vorhang" erläuterte Bijlsma bei einem Stück. "Richtig, das Thema bleibt im Hintergrund" merkte eine Jugendliche.

Bereitwillig beantworteten die Musiker Fragen. Sie haben sich im Studium kennengelernt, berichtete Nini, und dann festgestellt, dass sie harmonieren. Nur Kammermusik zu machen oder in einem großen Orchester zu spielen, das wollten sie alle nicht. Sie hatten und haben Lust am Experimentieren. Dazu holen sie sich immer wieder Gäste, erzählten sie. Das müssen nicht unbedingt Musiker sein, sie haben auch schon zusammen mit Schauspielern gearbeitet. Interessant auch die Frage aus dem Publikum, was denn so eine Auftragsarbeit koste und wie lange das dauere. Zwischen tausend und 5 000 Euro kann so etwas kosten, im Falle des Chansonprojektes dauerte es etwa ein Jahr, bis alle fertig waren. Dabei blieb man ständig im Kontakt miteinander, bis alle zufrieden waren.

Im letzten Kulturausschuss war es Thema, dass man junge Leute an Klassik heranführen sollte. Dieser Morgen war mit Sicherheit ein wichtiger Schritt dort hin, ebenso wie die Zusammenarbeit der beiden Gymnasien bei diesem Projekt.

(RP)