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Stadt Kempen: Hospital kämpft um Genesung

Stadt Kempen : Hospital kämpft um Genesung

Das Kempener Krankenhaus muss 80 bis 100 Beschäftigte entlassen, um aus seiner wirtschaftlichen Schieflage zu kommen. Die Suche nach einem Kooperationspartner als Träger geht weiter, der medizinische Betrieb läuft gut.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Heilig-Geist-Hospitals war am Mittwoch den Verantwortlichen eine Botschaft wichtig für die Bürger: Die medizinische Versorgung der Patienten läuft vollkommen normal und wie stets auf hohem Qualitätsniveau, betonten Dr. Hermann Thielen, Oberarzt und Stellvertretender Vorsitzender der Mitarbeitervertretung (MAV), und Geschäftsführer Ralf Barian. Der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Hensel war "nicht ohne Zuversicht, eine nachhaltige Lösung mit einem neuen Träger zu finden". Er hoffte, bis Monatsende eine Perspektive, zum Beispiel mit Kooperationspartnern in der Region, zeigen zu können. Aber auch die Gespräche mit der Franziskus-Stiftung würden nur ruhen, seien aber nicht zu Ende. Schließlich sei das Haus fast schuldenfrei und intakt, so Hensel.

 Sie kämpfen um eine dauerhafte Lösung für das Hospital (v.l.): Geschäftsführer Ralf Barian, Stellvertretender Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, Dr. Hermann Thielen, und Aufsichtsratschef Karl Hensel.
Sie kämpfen um eine dauerhafte Lösung für das Hospital (v.l.): Geschäftsführer Ralf Barian, Stellvertretender Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, Dr. Hermann Thielen, und Aufsichtsratschef Karl Hensel. Foto: ACHIM Hüskes

Bis ein notwendiger neuer Träger für das Hospital gefunden ist, wollten die Beschäftigten mitziehen und Einschnitte ertragen. Sie waren bereit, finanzielle Einbußen hinzunehmen, obwohl das gerade untere Lohngruppen besonders getroffen hätte: Die ausstehende Einmalzahlung aus 2010 und das Urlaubsgeld 2011 sollten verteilt auf November und Dezember 2011 gezahlt werden; das diesjährige Weihnachtsgeld sollte gestundet und erst 2012 in gleichen Raten über zwölf Monate überwiesen werden, um die Liquidität schnell zu verbessern. Diesem wichtigen Ziel sollte auch eine für alle geltende Gehaltssenkung um 15 Prozent bei entsprechender Arbeitszeitkürzung dienen.

Doch die sechsköpfige Arbeitsrechtliche Kommission des Caritasverbands Aachen, paritätisch mit Dienstgebern und -nehmern besetzt, spielte nicht mit. Sie lehnte am Dienstag den von der Geschäftsführung gestellten und von der MAV unterstützten Antrag ohne Begründung ab. Von diesem Rückschlag erfuhr die Belegschaft gestern per Hospital-Intranet.

Barian und Hensel sehen nun keinen anderen Weg mehr, als dass sich das Hospital kurzfristig von Mitarbeitern aus allen Bereichen gemäß einem Sozialplan trennt. Konkret ist die Rede von 50 bis 75 Vollkräften; das können tatsächlich 80 bis 100 Personen in Teil- und Vollzeitbeschäftigung sein. Das Hospital hat aktuell 353 Vollstellen, aufgeteilt auf 540 Personen. Auf mittlere Sicht soll sich die Beschäftigung auf 400 Köpfe bei einer Bettenzahl von 180 bis 200 einpendeln, erklärte Barian. Zur Zeit seien durchschnittlich nur 140 bis 150, mal 180 von 279 Betten belegt. "Vergleichbare konfessionelle Häuser kommen da mit zehn Prozent weniger Personal aus", sagte Hensel.

Bei diesem Punkt kamen er und Barian auf die Fehler der vergangenen Jahre zu sprechen: Der gekündigte Geschäftsführer Friedhelm Sicking habe zu viel Personal auf geplante Zuwächse hin eingestellt, die aber nicht eingetreten seien. Im Gegenteil, die Patientenzahlen gingen zurück und damit auch die Liquidität. Statt die zu hohe Kostenstruktur und die zu breite Personaldecke den Einnahmen aus den Fallpauschalen anzupassen, habe sich Sicking bei der 600 Jahre alten Träger-Stiftung Hospital zum Heiligen Geist bedient und laut Hensel mehrere Millionen Euro ans Krankenhaus überwiesen, um es liquide zu halten. "Das ist geschehen, ohne die Aufsichtsgremien einzuschalten und ohne Beanstandung durch die Wirtschaftsprüfer", kritisierte Hensel. Er hofft, dass ein neuer Träger Geld mitbringen wird, denn diese Millionen fehlen nun den beiden, ebenfalls von der Stiftung getragenen Altenheimen St. Peter- und Von-Broichhausen-Stift. Letzteres muss als Pflegeheim modernisiert, Doppel- zu Einzelzimmern umgebaut werden. Zudem ist ein drittes Altenheim notwendig.

Vor diesem Hintergrund hatte der Grüne Martin Debener jetzt im Rat die Forderung nach "größerer Trägervielfalt bei sozialen Einrichtungen" wiederholt. Frage des Tages

(RP)