Holocaust-Gedenkveranstaltungen in Kempen

Gedenkveranstaltungen : Kempener gedenken der Opfer des Holocausts

Im Kulturforum Franziskanerkloster und am Rathaus wurde an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Seit 1996 wird in Deutschland mit dem „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus” am 27. Januar der Opfer des Holocaust gedacht. An diesem Tag befreiten 1945 russische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau. Auf vielfältige Weise haben in den vergangenen Jahren die Kreisvolkshochschule gemeinsam mit der Stadt Kempen an diesen Tag erinnert.

Am Sonntagabend betraten sie damit Neuland. Denn anstatt – wie gewohnt – zu einem historischen Vortrag einzuladen, wurde dieses Mal als Mittel das allgegenwärtige soziale Netzwerk im Internet vor allem junger Leute genutzt. Das sei ein neuer Weg, so die stellvertretende Landrätin Luise Fruhen in ihrer Begrüßung. Denn die Zahl der Zeitzeugen, die man noch befragen könne, wird zwangsläufig immer kleiner. Sollten sich die Veranstalter gedacht haben, damit mehr junge Leute zu diesem Abend zu locken, muss man bedauern, dass dies nicht funktioniert hat. Vielleicht gab es zu wenig Werbung in den Schulen, oder es trifft auch im Kreis und in der Stadt zu, was am Wochenende als Meldung durch die Medien ging. 40 Prozent der Jugendlichen können mit dem Begriff „Auschwitz” nichts mehr anfangen.

In Israel sieht dies ganz anders aus. Vom Kindergartenalter bis zum Schulabschluss bleibt die Aufarbeitung des Holocaust Thema. Alljährlich treten Tausende junger Schüler die „Reise nach Polen”, nach Auschwitz, an. Und erleben eine eigenartige Mischung zwischen unbeschwerter Klassenfahrt und Erschütterung oder auch Suche nach eigenen Wurzeln. Der Dokumentarfilm „Uploading Holocaust“ der israelischen Regisseure Sagi Bornstein und Udi Nir nimmt dies auf. Der Film besteht komplett aus authentischen YouTube-Videos, die junge Israelis in dieser Zeit gedreht haben. Der Film beeindruckte vor allem durch diese ungefilterte Nähe, mit der die Besucher an den Erlebnissen der Schüler teilnehmen durften. Geschmälert wurde dies allerdings durch den schlecht gewählten Veranstaltungsort. Denn die Untertitel des Films waren allenfalls im vorderen Teil des Rokokosaals im Kempener Kulturforum Franziskanerkloster zu lesen.

Vor dieser Veranstaltung trafen sich rund 60 Kempener Bürger an der Stele zum Gedenken an die ermordeten und verschleppten Mitbürger am Rathaus. Bürgermeister Volker Rübo mahnte eindringlich, gerade in den heutigen Zeiten couragiert dem Vergessen und Verdrängen der Geschichte entgegenzuwirken. Das beginne am Stammtisch und gehe bis in die Politik hinein, so Rübo. Wie eine Bestätigung wirkte eine Truppe lärmender Kneipenbesucher auf dem Buttermarkt, die sich von der Stille am Mahnmal nicht beeindrucken ließen. Nicht die anwesende Polizei, sondern Torsten Schröder vom Tiefbauamt ging schließlich hin und bat um Rücksicht auf die Veranstaltung.

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