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Stadt Kempen: Hol- und Bringzonen ein falscher Anreiz

Stadt Kempen : Hol- und Bringzonen ein falscher Anreiz

Die Überlegungen der Kempener Sozialdemokraten sind vom Tisch, vor Schulen spezielle Haltebereiche einzurichten, in denen "Eltern-Taxis" morgens ihre Kinder absetzen oder nach Schulschluss dort abholen.

Eltern, die ihre Kinder morgens mit dem Auto zur Schule bringen oder mittags nach Unterrichtsende dort wieder abholen, sind auch in Kempen seit Jahren ein Problem, für das es keine Lösung gibt. Die Kempener Sozialdemokraten hatten einen durchaus gut gemeinten Vorstoß unternommen, nämlich zu versuchen, das Problem mit so genannten Hol- und Bringzonen in den Griff zu bekommen. Ein ähnliches Phänomen stellt sich regelmäßig vor Kindergärten ein. Auch dort halten Eltern mit ihren Autos, um die Kleinen in der Kita abzuliefern oder wieder abzuholen. Obwohl sowohl die Stadtverwaltung als auch die P olitik die Problematik kennt und dem Vorschlag der SPD-Fraktion durchaus etwas Positives abgewinnen kann, wird es solche Haltezonen im Bereich von Schulen und Kindergärten in Kempen wohl nicht geben.

Auch wenn sich der Jugendhilfeausschuss mit dem SPD-Antrag erst in seiner heutigen öffentlichen Sitzung (18 Uhr im Rathaus am Buttermarkt) befasst, steht aus Sicht des Schulausschusses - der tagte zu dem Thema am vergangenen Donnerstag - schon fest, dass solche Zonen ein falscher A nreiz wären. Denn wenn sie eigens eingerichtet wären, würden noch mehr "Eltern-Taxis" dort vorfahren. Da ist den Verantwortlichen lieber, dass Kinder und Jugendliche vermehrt mit dem Fahrrad zur Schule kommen.

Die Stadtverwaltung hatte den beiden Fachausschüssen eine detaillierte Analyse zu deren Sitzungen vorgelegt. Darin wurden die Situationen vor Ort beleuchtet, auch die Schulleitungen waren zum Thema befragt worden. Besonders problematisch ist danach die Lage im Bereich der weiterführenden Schulen im Schulzentrum Kempen mit den beiden Gymmnasien, der Gesamtschule sowie der Real- und der Hauptschule. Der Lehrerparkplatz am Luise-von-Duesberg-Gymnasium an der Berliner Allee wird von Eltern zeitweise als "Transitzone" missbraucht, was vor allem morgens das Lehrpersonal ärgert, wenn es dort keine Parkplätze gibt. Die Straßen "Am Gymnasium", Ludwig-Jahn-Straße und Wachtendonker Straße sind morgens kurz vor 8 Uhr und in der Mittagszeit fest in den Hand von Rad fahrenden Schülern. Allerdings stellt nach Angaben der Stadt das individuelle Verhaltung vieler Autofahrer ein besonderes Problem dar.

Auch bei einigen Grundschulen gibt es Problemzonen, etwa in Tönisberg. Dort ist ein Gefahrenpunkt die Fußgängerampel an der Bergstraße sowie auf dem Helmeskamp. Keine Probleme werden von der Grundschule in St. Hubert gemeldet. Auch für die Astrid-Lindgren-Schule im Hagelkreuz sieht die Stadt keinen Handlungsbedarf. Probleme gäbe es nur, wenn die Kinder von ihren Eltern mit dem Auto unmittelbar bis vor den Eingang zum Schulhof gefahren würden. An der Regenbogenschule und der Katholischen Grundschule Wiesenstraße im Kempener Süden stellt sich die Lage ähnlich wie am LvD dar: Auch hier werden Lehrerparkplätze zeitweise durch "Eltern-Taxis" blockiert.

Ein Vertreter der Stadtschülervertretung im Schulausschuss bezeichnete so genannte Hol- und Bringzonen als völlig falsches Signal. Dann würden möglicherweise noch mehr Schüler mit dem Auto gebracht oder geholt, statt das Fahrrad zu nutzen oder zu Fuß zu gehen. Dem pflichteten im Schulausschuss alle politischen Parteien zu. Die Stadt solle stattdessen stärker vor den Schulen kontrollieren. Dazu solle das Ordnungsamt auch die Polizei mit ins Boot nehmen.

Gudrun de la Motte von der Stadtschulpflegschaft versprach, dass man über die Pflegschaften in den Schulen nochmals an alle Eltern appellieren werden, ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen, oder - sollte das nicht anders möglich - sie zumindest nicht unmittelbar am Zugang zur Schule abzusetzen. Für die Abholung könne ja ein Treffpunkt vereinbart werden.

(RP)