Stadt Kempen: Hier blühen Demenzkranke auf

Stadt Kempen: Hier blühen Demenzkranke auf

Ein Demenz- und Sinnesgarten entsteht am Kempener Von-Broichhausen-Stift. Auf dem 1500 Quadratmeter großen Gelände sollen sich Demenzkranke, Angehörige, Pflegende wohl fühlen, Erinnerungen angeregt werden.

Im Mai, zur schönsten Blütezeit, soll der Sinnesgarten an der Pflegeeinrichtung am Heyerdrink fertig sein. Das gut überschaubare, barrierefreie Gelände erstreckt sich vom rückwärtigen Haus Thomas bis zur Kapelle an der Mülhauser Straße. Es ist zur Sicherheit der Demenzkranken eingefriedet und bietet ihnen an einem Rundweg eine Fülle von Anregungen, die ihr gestörtes oder verlorenes Gedächtnis beleben sollen. Landschaftsarchitektin Patricia Schürmann unternahm gestern anhand ihrer Pläne einen ersten Rundgang.

Pflanzen zum Begreifen

Die Bewohner des Von-Broichhausen-Stifts können ohne fremde Hilfe vom Haus Thomas aus oder durch einen Verbindungsgang die Terrasse betreten. Sie ist so groß, dass dort auch bettlägrige Patienten die Sonne und den Garten genießen können. Der einheitlich gepflasterte Rundweg ist in Form einer Acht angelegt, so dass die Demenzkranken klar durch die Anlage geführt werden und sich nicht verlaufen können. Bänke laden zum Verweilen und Schauen ein. Im Zentrum ist ein 25 Quadratmeter großer Sitzbereich angeordnet, ideal für gärtnerische Arbeiten an den mobilen, unterfahrbaren Pflanztischen. Auch dadurch sollen die sozialen Kontakte gefördert werden.

Die Pflanzen sind bewusst zum Abpflücken, zum Begreifen, zum Betrachten, zum Beschnuppern gedacht. Ihre teilweise regionale Herkunft und ihr hoher Wiedererkennungswert kann die Demenzkranken an ihre eigene, aktive Gartenzeit erinnern, ihr verschüttetes Langzeitgedächtnis hervor holen.

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An einem Quellstein können sie Wasser erleben. Es versickert in einem Kiesbett, so dass keine Gefahren entstehen. Das Hören reizt ein Klangspiel aus Holz. Schließlich ist sogar eine Bushaltestelle aufgebaut für demente Menschen, die, wie früher gewohnt, zu ihrer Arbeit oder zum Einkaufen fahren wollen.

Kosten betragen 150 000 Euro

Viele Kräfte haben sich zu diesem Gartenprojekt gebündelt. Die Idee hatte das Mitglied des Rotary Clubs und engagierter Helfer im Stift, Hans-Heinrich Dehning, zusammen mit Elisabeth Greiffendorf, die dort die Ehrenamtlichen leitet. Die Leiterin der Pflegeeinrichtung, Christa Mauermann, arbeitete ein Konzept aus. Planung und Gestaltung hat Patricia Schürmann vom städtischen Grünflächenamt übernommen. Erich Schützendorf, Experte für Fragen des Älterwerdens, hat prüfend über den Entwurf geschaut. Der Garten soll alle Sinne ansprechen, auf diesem Wege die Erinnerung der Demenzkranken wecken, ihre Fähigkeiten reaktivieren sowie die sozialen Kontakte zwischen Kranken, Pflegenden und Angehörigen fördern.

Die Anlage kostet 150 000 Euro, die Summe kam, koordiniert von Ex-Bürgermeister Karl Hensel, zugleich Präsident des Rotary Clubs Kempen-Krefeld, aus mehreren Quellen zusammen. Frage des Tages

(RP)