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Kempen: Hensel erbost über Kollegen

Kempen : Hensel erbost über Kollegen

Eiszeit zwischen zwei Bürgermeistern: Der Kempener Karl Hensel ist "maßlos enttäuscht" von seinem Nettetaler Kollegen Christian Wagner, dass der ihn nicht über den Wechsel seiner Technischen Beigeordneten informiert hat.

Stadt kempen Persönlich wollte Hensel gestern nicht kommentieren, dass die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche nach sechs Jahren in der Kempener Verwaltungsspitze in die Nachbarstadt Nettetal wechseln will. Erst am Montagabend hatte er von der 45-Jährigen selbst von dieser Absicht erfahren. "Ich habe das zur Kenntnis genommen", ließ Hensel über Stadtpressesprecher Christoph Dellmans auf RP-Anfrage ausrichten. Er sei maßlos enttäuscht über seinen Nettetaler Amtskollegen und CDU-Parteifreund Wagner, "dass der nicht vorher mit ihm gesprochen hat und ihn nicht mindestens nach dem Vorstellungsgespräch am Mittwoch angerufen und über das Ergebnis informiert hat". Nun warte Hensel in Ruhe ab, wie es weiterläuft.

Zeitpunkt des Wechsels offen

Eine Findungskommission mit Vertretern aller Nettetaler Ratsfraktionen hatte sich am Mittwochabend deutlich für Frau Fritzsche aufgrund ihrer Sachkunde und Persönlichkeit entschieden. Der dortige Stadtrat dürfte sie am nächsten Dienstag mit hoher Sicherheit zur neuen Technischen Beigeordneten wählen. Der Zeitpunkt des Wechsels ist allerdings unklar. Ob die Stadt Nettetal mit ihrem Wunschtermin 1. April oder wenig später auf Gegenliebe bei den Nachbarn stößt, ist offen. Die Kempener Ratsfraktionen wollen zunächst mal in Ruhe über die Nachfolge im Technischen Dezernat nachdenken.

Alle vier Fraktionsvorsitzenden hat der Schritt von Frau Fritzsche überrascht, von dem sie gestern aus dem RP-Exklusivbericht erfuhren. "Ich bedauere ihre Entscheidung, aber respektiere sie", sagte Wilfried Bogedain (CDU). Er sieht keine Eile geboten. Die CDU will in Ruhe überlegen, wie zukünftig das Dezernat gestaltet werden soll, bevor die Stelle ausgeschrieben wird. "Gerade jetzt bei unseren Sparüberlegungen überprüfen wir nicht nur den Zuschnitt der Ämter, sondern selbstverständlich auch eines Dezernats, bevor es besetzt wird."

Auch die SPD will "keinen blinden Aktionismus", betonte ihr Fraktionschef Udo Schiefner: "Wir werden nichts übers Knie brechen. Wir wollen das bei den Haushaltsberatungen bewährte Modell der konstruktiven Zusammenarbeit fortsetzen und eine breite Ratsmehrheit für eine Lösung finden."

Seine Kollegin bei den Grünen, Alexa Bernards-Niermann, bedauerte, dass sich Susanne Fritzsche nicht so wohl gefühlt habe, dass sie in Kempen bleibt: "Vielleicht hätte Hensel pfleglicher mit ihr umgehen müssen." Auch sie hält es für wichtig, grundsätzlich und wegen der Finanznot über Verwaltungsstrukturen zu sprechen und in einer öffentlichen Ausschreibung einen guten Mann oder eine gute Frau für die Nachfolge zu finden.

Ganz ähnlich denkt Udo Kadagies (FDP) über das weitere Verfahren. Er lobte die faire und offene Zusammenarbeit mit Frau Fritzsche: "Sie hat in Kempen einen guten Job in arbeitsreichen Zeiten gemacht." Die Stadt solle sich mit Nettetal "vernünftig über einen Übergang einigen". MEINUNG

(RP)