Kempen: Helfer im Auftrag des Herrn

Kempen : Helfer im Auftrag des Herrn

Acht Nettetaler Malteser und je zwei Willicher und Viersener Helfer sind im Einsatz beim Papstbesuch: In Freiburg und in Eisfeld versorgt die "päpstliche Sanitätsgarde" Pilger. Die Nettetaler Motorradstaffel wird gebraucht, wo kein Rettungswagen durchkommt.

nettetal/willich Willi Pollmanns erinnert sich genau an den Moment, als er dem Papst fast die Hand reichen konnte. In Polen war das, der Heilige Vater hieß noch Johannes Paul II.. Und als dessen Nachfolger Benedikt XVI. 1996 München besuchte, kam er ihm auch ganz nah. Er war als Sanitäter der Malteser im Einsatz, mitten in der Masse. "Diese Volksgläubigkeit geht nicht spurlos an einem vorüber", sagt der Stadtbeauftragte der Nettetaler Malteser. Und Kevin Rheinfelder schätzt "das besondere Feeling bei solchen Einsätzen. Die Atmosphäre bei Papst-besuchen kann man nicht greifen."

Am Wochenende kann er es zumindest wieder versuchen. Rheinfelder ist der Einsatzleiter der Nettetaler Malteser, die in Freiburg und in Eisfeld (Thüringen) im Einsatz sind. In Freiburg stellen die Nettetaler einen Rettungswagen, zwei Krankenwagen und einen Kommandowagen und bilden gemeinsam mit weiteren Einheiten einen Patiententransportzug.

In Eisfeld aber ist eine ganz besondere Staffel der Nettetaler Malteser im Einsatz: die Kradfahrer. Drei Motorräder der Malteser, von denen es in ganz Nordrhein-Westfalen nur 24 gibt, werden gebraucht, wenn Pilger in dem unwegsamen Gelände versorgt werden müssen. Tausende Katholiken werden erwartet in einem Terrain, das für Autos nur schwer passierbar ist.

Nur Motorräder kommen entlang der verschlungenen Pilgerpfade zügig voran. Immer dann werden die Nettetaler Kradfahrer angefordert, alle von ihnen sind ausgebildete Sanitäter. Auf manchen Motorrädern fahren Notärzte mit. Vor Ort führen sie vor allem lebenserhaltende Maßnahmen durch — falls nötig. "Wir rechnen mit anderen Verletzungsmustern als sonst. Umgeschlagene Füße, Schürfwunden, Erschöpfung oder Unterkühlung — je nach Wetter", sagt Kevin Rheinfelder. "Aber vorbereitet sind wir auf alles."

Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Malteser aus Nettetal bei einem Besuch des Papstes im Einsatz sind. Willi Pollmann war schon etliche Male dabei, auch beim Weltjugendtag 2005 in Köln, wo Papst Benedikt XVI. auf dem Marienfeld eine Messe hielt. Dort nannte er die Malteser die "päpstliche Sanitätsgarde". Denn das ist es, wofür die Malteser ihren Einsatz aufbringen. Alle acht Nettetaler, zwei Willicher und zwei Viersener, die am Wochenende im Einsatz sind, sind Ehrenamtler. Sie helfen den Pilgern freiwillig, ohne Bezahlung, für Gotteslohn. Sie schlafen in Feldlagern mit feldmäßiger Verpflegung. "Aber das nimmt man gerne in Kauf. Wir werden in der Nacht zu Montag zurück sein", sagt Kevin Rheinfelder. "Und am Montag arbeiten wir alle wieder."

Sie sind eben unterwegs im Auftrag des Herrn. Und wenn es sein muss, auch auf Motorrädern.

(RP)
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