Stadt Kempen: Heimatverein zieht aus "Haus Baaken" aus

Stadt Kempen: Heimatverein zieht aus "Haus Baaken" aus

Für die Tönisberger Sammlung ist noch keine neue Bleibe gefunden. Die Ausstellungsstücke werden provisorisch untergestellt. Der Webstuhl wird bei den Heimatfreunden in St. Hubert gelagert.

Wie geht es weiter mit "Haus Baaken", das zum Verkauf steht (die RP berichtete), was wird aus dem ältesten Haus in Tönisberg, das in der Vergangenheit auch als Gaststätte überall am Niederrhein bekannt war? So kehrten auch am 31\. Mai 1932 Krefelder Wanderer in das 1550 gebaute Fachwerkhaus ein, um sich mit einem Wacholder zu stärken. Dies ist nachzulesen in einem Wanderbuch. Zuletzt beherbergte das alte Haus, das der Stolz vieler Bergdörfler ist, das Pottbäckermuseum und die Heimatstube des Heimatvereins. Nun sind die Kisten gepackt, die Sammlung der Irdenwaren geht nach Bonn ins Landesmuseum, das Haus muss verkauft werden.

Zum Leidwesen der örtlichen Heimatkundler hat sich noch kein Käufer gefunden, kein Tönisberger, der am Kauf interessiert wäre und den Heimatfreunden hier Heimat mit ihren Sammelstücken geben könnte. Auch eine andere Bleibe ist trotz intensiver Suche nicht in Sicht. Ausführlich hatte der Heimatverein darüber nachgedacht, das Haus selbst zu erwerben. Einige Sponsoren aus den Reihen der Mitglieder hatten schon finanzielle Hilfe zugesagt. Jedoch musste der Gedanke aufgegeben werden. Zu groß sind die Kosten für Unterhalt und Verwaltung. Wie sehen nun die weiteren Pläne des Heimatvereins aus? Der Vorsitzende Peter Raulf und Aloys Schlütter berichten: Der Webstuhl aus dem Jahre 1780, der an Tönisbergs Vergangenheit als Weberdorf erinnert und erst vor einigen Jahren von der ehemaligen Seidenweberei Lethen & von Zech gekauft und in der Heimatstube zusammengebaut wurde, wird auseinandergenommen und kann bei den Heimatfreunden in St. Hubert eingelagert werden.

Vorbei sind dann die Vorführungen der alten Technik, die in Tönisberg zumindest Jupp Peters als gelernter Weber noch beherrscht. Die mehr als zwei Meter große Glasmalerei, die die heilige Barbara, die Patronin des Bergbaus, zeigt und die nach einem Entwurf von Ernst Hoff vom Glasmaler Pitt van Treek ausgeführt wurde, findet ein neues Zuhause im ohnehin schon engen Büro des Heimatvereins am Helmeskamp. Sie hat schon eine wechselvolle Odyssee hinter sich, stand sie doch einst im Haupteingang der Zeche Schacht IV in Tönisberg, später dann in der Lohnhalle der Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort. Auch andere Exponate müssen gezwungenermaßen im Büro untergebracht werden.

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Malermeister Peter Thissen hat zugesagt, einiges Mobiliar bei sich im Keller aufzunehmen. Die Tönisberger Heimatfreunde sind sehr enttäuscht über die fehlende Resonanz auf ihre Bemühungen. Auch die Stadtverwaltung sieht sich auf Nachfrage nicht in der Lage zu helfen. Bürgermeister Volker Rübo bedauerte sehr, in diesem besonderen Fall nicht helfen zu können. Aber die Stadt Kempen möchte keinen Präzedenzfall schaffen. Sie könne sich nicht finanziell engagieren, so der Bürgermeister im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Tönisberger Heimatvereins, Peter Raulf. Die Stadt müsste dies ansonsten im Sinne der Gleichbehandlung auch bei allen anderen Vereinen tun.

Bekanntlich stirbt aber die Hoffnung zuletzt. Vielleicht findet sich ja doch noch eine neue Bleibe für den Tönisberger Heimatverein und seine Sammlung.

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(VM01)
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