Heimatverein St. Hubert bald ohne Bovenschen

St. Hubert: Ein „Hüpperscher Jong“ mit viel Heimatsinn

Werner Bovenschen zieht sich aus dem Vorstand des Heimatvereins St. Hubert zurück.

„Schick mal einen deiner Jungs vorbei, ich hab’ da was“, sagte eher beiläufig im Jahr 1968 Gertrud Schmitz. Sie war die Cousine von Fritz Bovenschen, der seinen jüngsten Sohn Werner, damals 25 Jahre alt, zu ihr schickte. Werner Bovenschen, mittlerweile 75 Jahre alt, kehrte mit einem großen Karton voller Totenzettel und alten Fotos zurück.

Werner Bovenschen hatte sich von heute auf morgen „infiziert“, machte ab diesem Zeitpunkt als Ahnen-, Geschichts- und Heimatforscher von sich reden, arbeitet unter anderem seit 42 Jahren engagiert im Heimatverein St. Hubert mit. Jetzt will er sich etwas zurückziehen und bei der Generalversammlung am 29. März nicht mehr für das Amt des 2. Vorsitzenden kandidieren.

„Irgendwann muss es mal gut sein. Ich möchte nicht darauf warten, bis andere mich vor die Tür setzen und ich fremdbestimmt werde, zumal ich jetzt ein entsprechendes Alter erreicht habe“, sagt schmunzelnd Bovenschen, der ein echter „Hüpperscher Jong“ ist. Aus St. Hubert kommt auch seine Ehefrau Rita (eine geborene Becker), mit der er seit dem 2. Dezember 1967 verheiratet ist. „Ich kann meiner Ehefrau gar nicht genug danken, dass sie immer so tolerant war und mir die Zeit für mein Hobby erlaubte.“

Wenn man sein Eigenheim und vor allem sein Arbeitszimmer an der Hubertusstraße betritt, ist man mitten in einem Archiv. Im Wohnzimmer hängen Bilder seiner Vorfahren. Allein elf Ordner stark ist seine familiäre Ahnenforschung über sieben Generationen hinweg. Der Bovenschen-Hof, der einst in Rumeln in der Grafschaft Moers stand, wurde erstmals 1386 urkundlich erwähnt. Sein Familienname wurde einst aus dem plattdeutschen „Doa boave“ (da oben) abgeleitet, weiter ging es mit „dar boven“, „ten boven“ bis zu „Bovenschen“. So nebenbei kümmerte er sich auch um den Stammbaum seines Schwiegersohnes, Hans-Josef Beyss. Auch für seine beiden Enkelkinder, Lena (21) und Pia (16), hat er eine umfangreiche Chronik mit besonderen Ereignissen ihres bisherigen Lebens erstellt.

Viele Archive in der näheren wie weiteren Umgebung hat der ehemalige Handformer, der bis zu seinem Ruhestand 2001 zuletzt viele Jahre als Verkaufsleiter die Marke „Jacobs Kaffee“ mit bundesweit bekannt machte, aufgesucht, in unzähligen Kirchenbüchern geblättert und dabei auch mit Unterstützung der Bevölkerung über den familiären Tellerrand geschaut. So beschäftigte sich Bovenschen seit 2003 wissenschaftlich mit der Geschichte der St. Huberter Bauernhöfe. Mittlerweile sind etwa 50 umfangreiche Chroniken zusammengekommen, darunter ist beispielsweise der Lörs-, Königs- und Harteshof. Derzeit recherchiert er über den Hüskeshof in Escheln und über die Geschichte des Wohn- und Geschäftshauses an der Königstraße 7, in dem einst ein Tante-Emma-Laden, ein Milchgeschäft, eine Sattlerei und eine Schusterei war. „Dort wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg das erste Speiseeis in St. Hubert verkauft“, erzählt der Heimatforscher.

„Ich bin demütig und dankbar, dass ich das alles erleben durfte“, ergänzt der St. Huberter. Was macht für ihn den Begriff Heimat aus? Seine spontane Antwort: „Da, wo man meine Sprache spricht, wo ich zu Hause und integriert bin und da, wo ich mich selbst einbringen kann.“ Natürlich hat er beim Heimatverein viele Impulse gesetzt, war unter anderem als „Hilfsarbeiter“ bei der Instandsetzung des Weberhauses beteiligt, macht seit 2004 Führungen durch dieses denkmalgeschützte Gebäude oder durch den Berfes, brachte und bringt dabei unzähligen Grundschulkindern die besondere Heimatkunde näher.

Impulse setzt das langjährige CDU-Mitglied weiter bei zahlreichen Vereinigungen, so im Pfarrgemeinderat. Oder früher beim St. Martinskomitee. Werner Bovenschen war 1978 einer der Herolde und 1983 selbst der St. Martin. Mit dabei ist er nach wie vor bei der Mai-Gesellschaft in St. Hubert. So ganz aufhören kann Bovenschen aber doch nicht. So will er weiter an den Hof-Chroniken arbeiten und auch den St. Hubertern seine Erfahrungen anbieten, wenn diese selbst eine Ahnenforschung erarbeiten möchten. Sein Grundsatz: „Gäbe es die Vergangenheit nicht, hätten wir auch keine Zukunft.“

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