Stadt Kempen: Heimatgefühl in Szene gesetzt

Stadt Kempen : Heimatgefühl in Szene gesetzt

Schüler der Theater-AG des Kempener Gymnasiums Thomaeum wagten sich an ein Experiment. Sie beschäftigten sich mit dem Heimatbegriff und erarbeiteten Szenen für eine Aufführung. Das Publikum war begeistert.

Eine im wahren Sinne des Wortes berührende Vorstellung zeigten jetzt die Schüler der Theater-AG des Kempener Gymnasiums Thomaeum. "Home", also Heimat, war in Eigenarbeit der Schüler entstanden. Sie hatten sich dafür ausführlich mit den vielen Seiten der Heimat beschäftigt.

Das kann zum einen ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt. Wo man Freunde und Familie hat. Aber es kann auch eine Umgebung sein, die schwierig ist, manchmal sogar zum Fürchten. Die Schüler stellen dies in verschiedenen Szenen dar. Dafür hatten sie einen Rahmen geschaffen. Eine Großmutter, die ihrer Enkelin von ihrem Leben erzählt - und dem ihrer Schulfreunde. Diese trafen sich noch lange nach dem Schulabschluss regelmäßig zu einem Stammtisch.

Aus den Geschichten, die dort erzählt wurden, entwickeln sich die Geschichten für die Theateraufführung. Da gibt es Kerstin (Kira Kittner) und Andreas (Simon Kleeberger). Durch ihr Leben geistert die verstorbene Tochter Lena (Johanna Meyer). Lena taucht immer wieder neben ihren Eltern, vor allem bei Andreas auf. Denn er hat einen Anruf von ihr verschlafen und sie ist dadurch einem Raubmord zum Opfer gefallen. Diese drei Darsteller sind in ihren Rollen nicht nur unheimlich stark, sowohl was Ausdruckskraft als auch Einsatz ihrer Stimmen betrifft, sondern haben auch noch Regie geführt. Ein höchst beachtenswerte Leistung.

Ein ganz anderes Beziehungsthema gibt es bei zwei anderen Paaren. Eine der Stammtischteilnehmerinnen entdeckt, dass sie homosexuell ist, zwei andere aus der Runde sind eigentlich schon seit Jahren ineinander verliebt, aber schaffen es nicht, dies auszudrücken. Sie alle mühen sich mit ihren ganz persönlichen Themen redlich ab.

Hier nutzen die Regisseure wieder einen guten Trick. Denn immer wieder verlassen die Akteure den Stammtisch und wechseln zu ihrem Ort des Handelns. Gleichzeitig wird damit die Zeitebene eine andere, denn alle Geschichten sind Erinnerungen.

Das ganze Stück ist durch und durch stimmig. Es ist schon erstaunlich, wie intensiv sich die Schüler des Themas angenommen haben. Man erlebt geradezu ein Kaleidoskop der Welt junger Leute. Auch sprachlich beeindruckt das Stück. Es gibt erstaunlich kluge Sätze wie "Heimat ist mehr als ein Gebäude" oder Zuhause sei da, wo die Geschichten beginnen. Lehrer David Nethen, der die Theater-AG leitet, ist zu Recht stolz auf diese Leistung seiner Schüler.

Der Grundkursus Kunst der Einführungsphase erarbeitete unter Leitung von Petra Wacker das Bühnenbild. Raffiniert ist die Idee, mit Hilfe von Umzugskartons ein variables Wandelement zu schaffen. Ansonsten sind die Schauplätze der Einzelschicksale über die Bühne oder auch am Rand stehende Sitzgruppen verteilt. Der Technik, die auch von Schülern betreut wird, ist es zu verdanken, dass diese immer genau richtig ins Licht gesetzt werden.

Nach Ende des Stückes applaudierte nicht nur das Publikum lange und herzlich, sondern es gab auch viel Lob von Schulleiterin Agnes Regh. Dabei ließ die Direktorin nicht unerwähnt, dass es nun glücklicherweise wieder eine funktionierende Bühnenbeleuchtung in der Aula gibt, diese aber noch lange nicht komplett finanziert ist. Ein eindeutiger Appell an die vielen Besucher in der Aula, sich doch einmal mit einer Spende zu beteiligen.

(sr)
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