1. NRW
  2. Städte
  3. Kempen

„Heimatblättsche“: Als in Oedt 1872 die Pockenepidemie grassierte

Heimatverein Oedt : „Heimatblättsche“: Als in Oedt 1872 die Pockenepidemie grassierte

Die neueste Publikation des Heimatvereins Oedt ist wieder ein starkes Stück Heimatgeschichte geworden. Coronabedingt wurde die mittlerweile 16. Ausgabe im kleinsten Kreis vorgestellt.

Der Name „Ödsche Heimatblättsche 2021“ klingt ein wenig verniedlichend: Die neueste Publikation des Heimatvereins Oedt ist mit mehr als 150 Seiten wieder ein starkes Stück Heimatgeschichte geworden. Coronabedingt wurde die mittlerweile 16. Ausgabe im kleinsten Kreis vorgestellt. Mit dabei: Bürgermeister Stefan Schumeckers (CDU) sowie der Vorsitzende des Vereins Karl A. Willmen und der Schatzmeister Godber Werner.

Schon das Titelbild macht die Ausnahmesituation deutlich: „850 Jahre Oedt – Feier verschoben auf den 18. bis 20. Juni 2021“ steht auf dem Transparent, das quer über die Straße gespannt wurde. Wer Seite 44 aufschlägt, erfährt, dass die Menschen in Oedt im Jahre 1872 ebenfalls von einem Virus bedroht worden waren: Dr. Blümlein, Kreis-Wundarzt zu Grefrath, schreibt damals über die Pockenepidemie, die in Oedt grassierte. Am 3. Mai 1872 wurden entsprechende Impfungen durchgeführt. Damals bestand übrigens eine Impfpflicht.

Karl A. Willmen erinnerte sich an die Heimatbuchvorstellung im vergangenen Jahr, die mit der Verleihung des Heimatpreises verbunden war. Trotz der seit März andauernden Corona-Pandemie habe beim Heimatverein die Uhr aber nicht stillgestanden. Was anders ist als in den Jahren zuvor: „Wir haben kein neues Jahresprogramm, sondern werden versuchen, die Veranstaltungen, die eigentlich für dieses Jahr geplant gewesen waren, in 2021 durchzuführen.“

Viele dieser Veranstaltungen seien überbucht gewesen – ein Zeichen dafür, dass der Heimatverein den Oedter Bürgerinnen und Bürgern interessante Angebote macht. Dabei bemüht sich der Verein auch, junge Leute anzusprechen und für die Historie zu begeistern. Ein Beispiel hierfür wird auf Seite 110 vorgestellt: der Touch-Screen-Monitor in Burg Uda. Dort können Besucher in der Zeit nach Corona durch bloßes Berühren des Touchscreens verschiedene interaktive Programme aufrufen. Es geht dabei darum, Kenntnisse über die Burg Uda in einem Quiz unter Beweis zu stellen.

Auf Seite 67 geht es um die Fabrikuhr von Girmes, die ihren Geist schon aufgegeben hatte, bevor das Werk geschlossen wurde. Zu lesen ist jetzt, wie steinig der Weg der Restaurierung war und dass viele neue Teile die alte Uhr wieder gehen ließen.

Geschichtsfreunde werden Artikel wie „Die Besiedlung des Oedter Landes von der Steinzeit bis zum Mittelalter“ ebenso zu schätzen wissen wie den Text über eine heimische Pflanze, den Bärenklau. Die zahlreichen Fotos laden zum Blättern ein.

Info Zu haben ist das Heft für fünf Euro bei Karl A. Willmen unter der Rufnummer 02158 6315 oder 0173 5119501. Die 535 Mitglieder erhalten das Heimatblättsche wieder gratis.