Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ in Christ-König Kempen

Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ in Christ-König : Klanggewaltige Bilder zur Schöpfung

Am Sonntag führt der Chor „Laudate“ Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ in Christ-König auf. Dafür wurden auch zahlreiche Projektsänger angeworben. Begleitet wird der Chor vom Rheinischen Oratorienorchester.

„Kriegen wir das hin?“, fragt Chorleiter Christian Gössel seinen Chor „Laudate“ während der Probe im Pfarrheim von Christ-König. Und gibt sofort mit einem „Yes!“ die temperamentvolle Antwort. Es ist nicht mehr lange hin bis zum großen Ereignis, auf das die 80 Sängerinnen und Sänger seit mehr als einem halben Jahr hinarbeiten. Am Sonntag, 19. Mai, wird der Kirchenchor von St. Mariä Geburt, der sich vor einiger Zeit in „Laudate“ umbenannte, das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn in der Kirche Christ-König aufführen.

Dafür hat der Chor zahlreiche Projektsänger aus der Umgebung angeworben und ist auf die doppelte Stimmenanzahl angewachsen. Von 14 bis 80 plus reicht die Altersspanne bei den Sängern. Donnerstags abends ist Probe im Pfarrheim. Christian Gössel beginnt das Einsingen mit Lockerungs- und Aufwärmübungen. Die Arme werden ausgeschüttelt, die Sänger streichen mit den Händen über die Wangen, um die Kiefermuskulatur zu entspannen. Es folgen Zisch- und Lippenlaute. Dann kommen die Vokale hinzu. Christian Gössel gibt am Flügel eine Melodie hinzu und dann wird „mumumemima“ allmählich höher und höher geführt. „Seid ganz verliebt in den Klang“, sagt Christian Gössel.

Mit leichter Hand und jungenhaftem Charme führt der erst 32-jährige Kantor den Chor, den er seit dreieinhalb Jahren leitet. Er arbeitet sorgfältig, aber ohne Druck auszuüben. Immer wieder lobt er die Sänger oder macht humorvolle Bemerkungen. Die Stimmung ist gut, und das wirkt sich auch auf die Musik aus. Die Schöpfung von Haydn thematisiert in klanggewaltigen Bildern die Erschaffung der Welt anhand des Buches Genesis. Das Werk entstand zwischen Oktober 1796 und April 1798. Haydn, damals bereits über 60, arbeitete bis zur Erschöpfung. Die öffentliche Uraufführung fand 1799 im alten Burgtheater in Wien statt, die englische Erstaufführung ein Jahr später in London. Seitdem gehört es weltweit zum klassischen Chorrepertoire.

Der Kempener Chor probt zunächst ein Stück, in dem es um die Erschaffung der Himmelskörper geht. „Wir begeistern uns für alles, was bis dahin am Firmament schon geschaffen ist“, motiviert Christian Gössel die Sänger. Die Worte im Text wiederholen sich. „Wir brauchen Kondition im Nichtnachgeben“, sagt der Chorleiter. Und: „Der Halbton ist mir zu normal, der muss strahlen.“ Stück um Stück wird so beackert und verbessert. Am nächsten Samstag ist Probentag. Dann geht es in den Endspurt. Nach der Aufführung von Mozarts Requiem im Jahr 2017 ist dies das zweite große Projekt, das der Chor neben der „normalen“ Gestaltung des Kirchenjahres in Gottesdiensten stemmt. Und es ist mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden. Begleitet wird der Chor vom Rheinischen Oratorienorchester mit rund 30 Musikern. Zudem wirken die Gesangssolisten Katharina Borsch (Sopran), Robert Reichinek (Tenor) und Thomas Demmler (Bass) mit.

Ein besonderes Bonbon gibt es zudem am frühen Nachmittag des Konzerttags. Um 15 Uhr erfolgt eine einstündige Einführung in das Oratorium für Kinder, die sich „Raphaels Auftrag“ nennt. Dabei werden Chor, Orchester und Solisten unter der Leitung von Christian Gössel Auszüge aus dem Werk spielen, die in eine kindgerechte Moderation eingebunden werden. Nach einer Pause erfolgt dann um 17.30 Uhr die Aufführung selbst. „Das wird schon ein Kraftakt für alle Beteiligten werden“, sagt Christian Gössel, „aber eben auch ein Highlight.“ Auf das er sich freut.

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