Stadt Kempen: Hausfrauen auf Schnäppchenjagd

Stadt Kempen: Hausfrauen auf Schnäppchenjagd

Bei schönstem Wetter war die Altstadt gestern beim Halbfastenmarkt rappelvoll. Es gab wieder jeder Menge Nützliches und eher Nutzloses. Die Kunden freuten sich über zahlreiche Weltneuheiten.

Da ist sie wieder, diese eigentlich unbeschreibliche Geruchsmischung auf Anisbonbons, Grillwürstchen, und Püfferkes, je nach nach Standort mit einem Hauch von geräucherter Forelle versehen. Wenn dann lautstark verkündet, dass in Afrika Muttertag sei, weiß man: In Kempen ist Halbfastenmarkt.

Groß ist der Andrang beim Gemüseschnibbler. Foto: deckers

Zu hunderten sind sie unterwegs, die Hausfrauen aus Kempen und Umgebung. Viele haben ihre Männer im Schlepptau, denen man freilich ansieht, dass sie gerne ganz woanders wären. Der Schnibbler, der uns im Lauf der Jahre sehr ans Herz gewachsen ist, zerlegt wieder Gemüse, als wolle er den Vitaminbedarf einer mittleren Kleinstadt decken. Kurz hinter ihm ein Kollege, der irgendein Gel im Angebot hat. Wofür oder wogegen? Keine Ahnung, aber Testsieger! "Da bleibt nichts hängen, da bleibt nichts stecken", schallt es dem Passanten ins Ohr. Zum Verkauf stehen hier Edelstahlreiben der neuesten Generation, vermutlich eine Weltneuheit.

Hausfrauen informieren sich intensiv und durchaus kritisch über neue Trends bei Geschirrhandtüchern. Foto: Kaiser Wolfgang

Auf der Miedermeile Buttermarkt geht es derweil darum, welche von zwei Damen im besten Alter als erste an der Reihe ist. Das Angebot ist groß, in der Farbe und jeder Größe, unverändert ist Apricot Modefarbe. Gleich in der Nähe finden sich Leggins, auch in Übergrößen - ein klarer Fall für die Geschmackspolizei! Wenn ein Händler Scheibenwischer für alle Fahrzeuge anpreist, klingt das zunächst einmal sehr überzeugend. Ob er auch die Nagelprobe mit einem Fahrrad geschafft hätte? Wir wissen es nicht.

Reichhaltig ist einmal mehr die Auswahl auf der Miedermeile Buttermarkt. Foto: deckers

Gleich am Anfang der Engerstraße präsentiert sich ein sichtlich glücklicher Händler seinem geneigten Publikum. "Ich habe jetzt meinen festen Standort gefunden", sagt es. Danach sollte im Leben jeder trachten, das sorgt für innere Ruhe. Überhaupt herrscht gestern so eine Art Zufriedenheit, muss am Wetter liegen, wie ein Passant trefflich bemerkt: "Wer jetzt nicht vor die Tür geht, ist selber schuld."

Bunte Pfannen in verschiedenen Größen wechseln ihren Besitzer. Foto: Kaiser Wolfgang

Schmucke Liegedecken für Haustiere (natürlich handgemacht) sind ebenso zu erwerben wie Bambuskristalle (härter als Baustahl). Die Frage, ob man das wirklich braucht, darf man an diesem Tag nicht fragen. Zu erwähnen sind unbedingt die Nachthemden. Die Muster und Farben sind jedoch teilweise so bizarr, dass man Käuferinnen unbedingt den Rat mit auf den Weg geben möchte, die Bettdecke immer bis ganz noch oben zu ziehen.

Messer in jeder gewünschten Farbe und Größe sind auf dem Halbfastenmarkt im Angebot. Foto: heiner deckers

Besonderer Anziehungspunkt auf der Judenstraße ist einmal mehr der CD-Händler. Lautstark ertönt ein Plädoyer für dauerhafte Freundschaft: "Ein Tattoo für die Ewigkeit." Die Stimmung ist kurz davor, dass sich Unbekannte um den Hals fallen und inbrünstig zu weinen beginnen.

Während die Hausfrauenwelt sich über Windmühlenmesser (Weltneuheit) informiert, treibt Meter weiter eine Multihobler sein Unwesen und zerfasert alles, was ihm unter die Hände kommt. "Tach, Ihr zwei Schönen", tönt es. Deutlich mehr als zwei drehen sich um. Viele sind enttäuscht, dass offenbar nicht sie gemeint sind. Als Trost erschallt Musik: "Weil ich dich liebe", schmachtet ein Sänger. Schon wieder ein CD-Händler? Nein, nur ein DHL-Wagen, dessen Fahrer offenbar eine Freund gepflegter Schlagermusik ist. Das passt zum Halbfastenmarkt: Jeder ist sofort in das Geschehen integriert.

(RP)