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Hansgeorg Molitor hat in Band 19 der Reihe „Rheinische Lebensbilder“ Biografie und Wirken des Kurfürsten Maximilian Heinrich aufgezeigt und gewürdigt.

Kreis Viersen : Außenpolitik zugunsten des Sonnenkönigs

Mit der Anlehnung an Frankreich verband sich die Hoffnung, das von den Holländern besetzte Rheinberg zurückzugewinnen. Im Jahr 1672 traf Maximilian Heinrich sogar Ludwig XIV. in Neuss.

Hansgeorg Molitor, der ehemalige Düsseldorfer Ordinarius für rheinische Geschichte, hat in Band 19 der Reihe „Rheinische Lebensbilder“ Biografie und Wirken des Kurfürsten Maximilian Heinrich aufgezeigt und gewürdigt. Er betonte, was auch für die kurkölnischen Orte im heutigen Kreis Viersen wichtig war, die Vielzahl innovativer Regelungen zum Beispiel im Rechts- und Steuerwesen sowie im Wirtschaftsleben. Maximilian Heinrichs Regierungszeit war lang, von 1650 bis 1688. Sie prägte ein wesentliches Stück weit die Entwicklung des Kurstaates zu einem absolutistischen Staat, was auch mit der Orientierung an Frankreich zu tun hatte.

Und damit ist ein wichtiger Bestandteil von Maximilian Heinrichs Regierung angesprochen: seine außenpolitische Hinwendung nach Frankreich, zu König Ludwig XIV. Diese waghalsige Politik des Kölner Kurfürsten hat Molitor prägnant so beschrieben: „Die Anlehnung an Frankreich kann man mit gutem Willen als den Versuch werten, kriegerische Übergriffe des mächtigen französischen Nachbarn zu verhindern, dadurch Land und Leuten Schaden zu ersparen und vielleicht sogar als Bestandteil einer ,Dritten Partei’ eine wenn auch besondere internationale Rolle zu spielen. Ganz konkret war die Hoffnung, mit Frankreichs Hilfe das immer noch von den Holländern besetzte Rheinberg zurück zu gewinnen und die selbstbewusste Reichsstadt Köln zur Raison zu bringen, wenn nicht sogar zu unterwerfen. Doch außer der Befreiung Rheinbergs und ein bisschen Abglanz vom Ruhm des Sonnenkönigs – Ende Mai 1672 traf sich Maximilian Heinrich in Neuss mit Ludwig XIV. – brachte der Holländische Krieg (1672-1674) den rheinischen Teilen von Kurstaat und Erzbistum Köln nur Nachteil und Verluste. Der Angriff der französischen Truppen auf die Generalstaaten 1672 wurde mit Unterstützung kurkölnischer Soldaten vom Kurfürstentum aus vorgetragen, mit der Folge, dass der Gegenstoß des jungen Wilhelm von Oranien und seiner Verbündeten das Kurkölnische empfindlich traf. Nach kurzer Belagerung wurde am 12. November 1673 Bonn besetzt. Das war der Anlass für die Flucht Maximilian Heinrichs aus seiner Residenz in die Kölner Benediktinerabtei St. Pantaleon, wo er über zehn Jahre, bis 1684, Unterschlupf fand.“

Die außenpolitische Anlehnung an den mächtigen Nachbarn im Westen blieb lange bestehen und wurde durch Verträge von 1683 und 1687 bestätigt. Seiner entschiedenen Katholizität ungeachtet stand Maximilian Heinrich der römischen Kurie kritisch gegenüber. Seine Amtszeit als Kölner Kurfürst war prägend für seinen Herrschaftsbereich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Maximilian Heinrich war außerdem Bischof von Hildesheim und Lüttich.

Körperlich geschwächt starb Maximilian Heinrich von Bayern am 3. Juni 1688 in Bonn. Seine letzte Ruhestätte fand er unter der Dreikönigenkapelle im Ostchor des Kölner Doms. In der Domkrypta befinden sich bis heute die Gräber von fünf Kölner Erzbischöfen und Kurfürsten aus dem Hause Bayern: Ernst von Bayern (1583-1612), Ferdinand (1612-1650), Maximilan Heinrich (1650-1688), Joseph Clemens (1688-1723) und Clemens August (1723-1761).