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Hannelore und Michael Vietoris öffnen am Sonntag ihren Garten in Kempen

Gartenoase in Kempen : Ein grünes Paradies für Mensch und Tier

Während die Tage der offenen Gartenpforte corona-bedingt ausfallen, öffnen Hannelore und Michael Vietoris am Sonntag privat ihren Garten für Besucher. Dort haben sie Stauden und Gemüse in einem fröhlichen Mix vereint.

Wer Hannelore Vietoris in ihrem Garten sucht, muss ganz hindurchgehen, über den schmalen, gepflasterten Weg vorbei am kleinen Gewächshaus, vorbei am alten Frühbeet. Hinten im Garten steht ein Pflanztisch – und dort ist die 64-Jährige am liebsten. Insbesondere dann, wenn die Kräuter, die sie in Beeten und Töpfen gepflanzt hat, so üppig wachsen wie jetzt. Dort kann sie Rosmarin und Estragon für die Küche schneiden und hört das Gegacker und Gescharre der drei Hühner, die wenige Schritte entfernt im Stall umherwuseln.

Den Stall hat Michael Vietoris (64) selbst gebaut. Mit der Anschaffung der Hühner hat sich das Paar einen lang gehegten Traum erfüllt. „Wir wollten schon immer Hühner“, erzählt Hannelore Vietoris. Die beiden informierten sich, stießen auf die Sorte Barnefelder, eine alte Haustierrasse, die auf der Roten Liste steht, und waren überzeugt: Die sollen es sein. Seit zwei Jahren lebt das Federvieh bei Familie Vietoris, täglich geben sie ein bis zwei Eier – „statt Blumen bringen wir bei Einladungen schon Eier mit“, sagt Hannelore Vietoris lachend. Die Federn der Hühner changieren schillernd zwischen braun und grün, „das sind Diven“, sagt die Gartenbesitzerin über ihre Hühner: „Sie sind sehr schön, und das wissen sie auch.“

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Der Garten an der St.-Peter-Allee ist ein Paradies für Mensch und Tier. Und daran lassen Hannelore und Michael Vietoris gern andere teilhaben, die nach Inspirationen für den eigenen Garten suchen. Wenn alljährlich im Rheinland Gartenbesitzer ihre Tore im Rahmen der offenen Gartenpforte für Besucher öffnen, ist auch Familie Vietoris dabei. In diesem Jahr wurden die Tage der offenen Gartenpforte im Mai und Juni corona-bedingt abgesagt, noch hoffen die Organisatoren, dass wenigstens der Termin im September stattfinden kann. Hannelore und Michael Vietoris beschlossen daraufhin, ihren Garten am Sonntag, 27. Juni, privat für Besucher zu öffnen. Wer mit den Gartenbesitzern über die Anlage von Beeten, die Pflege von Stauden oder das Ausgeizen von Tomaten fachsimpeln möchte oder einfach Ideen sammeln will, um das eigene Grün vielfältig zu gestalten, ist willkommen.

 Von nicht wucherndem Bambus umrahmt, bildet dieser kleine Sitzplatz einen gemütlichen Rückzugsort.
Von nicht wucherndem Bambus umrahmt, bildet dieser kleine Sitzplatz einen gemütlichen Rückzugsort. Foto: Norbert Prümen

Vor 24 Jahren zog Hannelore Vietoris mit ihrer Familie zurück in ihr Elternhaus. Der Garten ihrer Kindheit war ein Nutzgarten. Nach und nach veränderten sie den Garten, setzten Buchsbaumhecken, um die Beete zu begrenzen. Doch dann kam der Zünsler – und gut 80 Meter Buchsbaumhecke mussten weg. „Wir wollten keine Chemie einsetzen, das soll ein Biogarten sein“, erzählt die Kempenerin. Heute umschließen unterschiedliche Materialien die Beete, die den Garten in Räume unterteilen. Ein halbrundes Beet unterhalb der Terrasse am Haus wird durch große Natursteine begrenzt, ein neues Beet, das das Paar ein Stück weiter anlegte, ist von alten Ziegelsteinen eingefasst. Frauenmantel und Storchschnabel, die in einem schmalen Beet zwischen dem Gartenpfad und dem Nachbarsgarten wachsen, werden von einem niedrigen Flechtzaun aus Weidenruten in Schach gehalten.

Kornelkirsche und Felsenbirne geben mit ihren ausladenden Kronen Schatten und Schutz für die Vögel, die ganzjährig Futter in ausgehöhlten Kokosschalen finden, die Hannelore Vietoris in die Bäume hängt. Davon profitiert auch das Eichhörnchen, das regelmäßig zum Naschen vorbeikommt. Die „Köstliche von Charneux“, eine Birne, liefert süße Früchte – ebenso wie Johannisbeere, Stachelbeere, Jostabeere, Erdbeere. Im alten Frühbeet im hinteren Teil des Gartens, der Nutzgarten geblieben ist, und im Hochbeet wachsen Salat und Frühlingszwiebeln, Mangold, Sellerie, Bohnen, Zucchini und vieles mehr. Gern probiert das Paar Kartoffelsorten aus. Auch Tomaten gehören zu den Leidenschaften der Kempener, die im und um das Gewächshaus Tomatenpflanzen ziehen. Auf dem Kompost streckt der Kürbis bereits seine langen Ranken aus, um den Garten zu erobern. Für fröhliche Farbtupfer sorgen Kapuzinerkresse und Jungfer im Grünen, Heckenrosen machen das Gewächshaus zum verwunschenen Ort.

Auch für Sitzplätze ist gesorgt. Da gibt es eine kleine Sitzecke am Bambus, einen Esstisch für gemütliche Runden mit Freunden, eine „Rentnerbank“, auf der sich im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen genießen lassen. Doch gut stillsitzen kann das Paar nicht: Zwischen Rosen und Hortensien, Phlox und Cosmeen ist genug zu tun. Das sei aber keine Arbeit, betont Hannelore Vietoris: „Für uns ist das ein Hobby. Andere gehen zum Tennis, wir gehen in den Garten.“