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Handwerkermarkt des Kempener Werberings

Handwerkermarkt in Kempen : Großes Interesse an altem Handwerk

In der Kempener Altstadt bekamen die Besucher am Wochenende allerlei geboten. Besonders interessant waren die Diskussionen über die aktuellen Trend auf dem Senfmarkt

Wieder einmal war der Wettergott dem Kempener Werbering am Wochenende beim Handwerkermarkt hold. Schon am Samstagnachmittag war die Stadt mit Besuchern gut gefüllt. Gemeinsam mit der Firma Xdreams war es der Händlergemeinschaft gelungen, in allen Straßen der Altstadt und auf dem Buttermarkt ein gutes Angebot zu präsentieren. Ausreißer gab es nur wenige, aber das lässt sich nun einmal nicht ganz vermeiden. Sehr gut gefiel vielen Besuchern, dass einige Stände sehr schön herbstlich geschmückt waren. Da lag Herbstgemüse auf Strohballen, Kürbisse leuchteten um die Wette.

Wieder einmal war die Handwerkergilde „Den Oude Tied” aus Holland dabei. Ihre Stände auf dem Buttermarkt sind immer wieder Anziehungspunkt vor allem für Familien. In holländischen Trachten und Arbeitskleidung wurden hier alte Handwerke gezeigt. Beim Binsenflechter konnte man zusehen, wie mit viel Sorgfalt die Sitzflächen für Stühle hergestellt werden. Oder zusehen, wie ein Bienenkorb geflochten wird. Gleich daneben lagen glänzende Hörner aus Holz am Stand. Diese dienten früher als Nebelhörner für die Schifffahrt, erläuterten die Handwerker. Und wenn sie dann in ihre langen Hörner hinein pusteten, wusste am auch warum.

Ein Seiler ließ die Besucher selbst tätig werden. Man musste ein großes Rad drehen, damit sich einzelne Leinen zu einem festen Tau verbinden. Gerade die Kinder waren davon fasziniert und drehten fleißig am Rad. Etwas filigraner ging es bei der Spitzenklöpplerin zu. Sie zeigte, wie zarte Deckchen entstehen, aber auch schöne Kragen für Kleider. Das ist eine Geduldsarbeit, die wiederum die Kinder sehr bewunderten. Viel Sorgfalt erforderte auch das Spinnen von Wolle. Die daraus entstandenen Kleidungsstücke konnte man auch bewundern. Die Kerzenzieherin brauchte viel Geduld bei ihrer Arbeit. 

Umlagert war auch der Stand des Scherenschleifers. Mit seinem alten Scherenschleiferwagen, der schon etliche Jahre auf dem Buckel hat, zog er die Blicke sofort auf sich. Wenn er dann zeigte, wie er Messer und Scheren wieder auf die richtige Schärfe bringt, hatte er sofort eine Menschentraube um sich herum stehen. So ging es auch beim Drechsler. Auch das war ein Handwerker, der ganze Familien anzog. Wie, Möbel kommen auch woanders her als aus dem blau-gelben Möbelhaus?

Anziehungspunkte auf dem Markt waren auf jeden Fall die vielen Stände mit Senf und Honig. „Oh, da ist ja unser Lieblingslieferant“ sagte ein paar und steuerte den Stand auf dem Buttermarkt an. Und wurde dort als Stammgast direkt freudig begrüßt. Na, dann erst einmal ein Gläschen Met zur Begrüßung und dann wurden Erfahrungen aus getauscht. Wie das Bienenjahr war, welche Sorte in diesem Jahr besonders wohlschmeckend ist. Die Besucher wiederum erzählten ganz stolz, dass sie nun eine besonders bienenfreundliche Ecke im Garten haben. Und dass ihr Insektenhotel bereits im ersten Jahr gut gebucht wurde. Ähnliche Fachsimpeleien gab es bei den Senfmühlen. Senf, das ist lange nicht mehr scharf oder grobkörnig. Da gibt es viele besondere Mischungen mit Früchten wie Feigen oder mit unterschiedlichen Kräutern. Auch hier wurden bereitwillig Proben gereicht. Gut kam auch bei vielen Besuchern einmal mehr die Saftpresse der Landjugend an. Wann kann man schon sonst frisch gemachten Apfelsaft trinken. Einfach nur Apfel, ohne jeden Zusatz.

Vielfach besucht waren auch die Stände mit schönen Sachen für den Garten. Es sieht so aus, als ob die Kempener in diesen Jahr mit möglichst viel silbernen Glimmer oder bunten Ziertieren dem Grau Trotz bieten wollen. Mancher deckte sich auch schon einmal mit Pflanzen für den Herbstgarten ein. Auch hier wurde wieder viel Wissen ausgetauscht. Das ist wahrscheinlich das, was die Besucher zum Handwerkermarkt zieht. Er hat einfach in jedem Jahr eine gemütliche Atmosphäre.