Hadyns Schöpfung in Kempen aufgeführt

Kempen : Den lyrischen Grundton intensiv ausgeleuchtet

Joseph Haydns „Schöpfung“ erklang in der Christ-König-Kirche im Kempener Hagelkreuz. Am Ende gab es Riesenapplaus.

Seit September 2018 erarbeitete Kirchenmusiker Christian Gössel sein zweites erweitertes Chorprojekt – „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Neben dem gemischten Kirchenchor „Laudate“, in dem Sänger der Innenstadtgemeinden Kempens sowie anderer Konfessionen mitwirken, gesellten sich auch diesmal Projektsänger dazu, sodass etwa 80 Choristen im Alter von 17 bis 89 Jahren den weiten Altarraum der Christkönigkirche füllten. Die intensive Einstudierungsarbeit des Kantors trug beste Früchte: Die Chorgemeinschaft zeichnete sich durch Transparenz, Intonationsreinheit, klare Diktion, und engagierte Wiedergabe aus. Kleine Wackler wusste Gössel, der sehr genau, aber eher emotionsarm leitete und nie aus der Ruhe zu bringen war, äußerst geschickt aufzufangen. Glanzlichter waren die festlichen Chorsätze „Stimmt an die Saiten“ und „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“. Ein guter Ruf geht dem „Rheinischen Oratorienorchester“ voraus, das 2004 von Konzertmeisterin Gabi Ziebell gegründet wurde. Im Besonderen der geistlichen Musik verpflichtet, ist dieses Ensemble ein gern gesehener Gast bei Oratorienaufführungen. Auch in Kempen wussten die Musiker mit fein auf die vokalen Gegebenheiten abgestimmtem Wohlklang zu überzeugen – hervorgehoben seien Flöte, Klarinette und Cello. Diverse Unstimmigkeiten bei den Secco= nur vom Continuo begleiteten Rezitativen waren schnell wieder vergessen.

Drei Solisten haben in Haydns „Schöpfung“ wichtige Parts – eine Sopranistin, die den Engel Gabriel und im dritten Teil die Eva verkörpert, ein Bass – er ist der Engel Raphael sowie (ebenfalls in Teil drei) der Adam –und der Engel Uriel, der einem Tenor anvertraut ist. Diesen gestaltete in Christkönig der an der Kölner Musikhochschule ausgebildete Robert Reichinek, der einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ. Der bereits in wichtigen konzertanten Betätigungsfeldern eingesetzte Sänger überzeugte mit seinem lyrisch timbrierten und dennoch kraftvollen Tenor und unaufdringlicher Ausdrucksintensität. Das Rezitativ „In vollem Glanze“ und die makellos gestaltete Arie „Mit Würd‘ und Hoheit angetan“ waren Höhepunkte des Konzertes. - Auch der Bass Thomas Demmler sang vorbildlich ausgeglichen und souverän, hatte weder Höhen-noch Tiefenprobleme. Doch die Ausstrahlung seines Kollegen fehlte ihm leider. Die vermisste man vor allem im dritten Teil des Oratoriums, der maßgeblich von Duetten zwischen Adam und Eva bestimmt ist. Seine „Holde Gattin“ würdigte Demmler keines Blickes, ein wenig Lebendigkeit wäre hier vonnöten gewesen. Dabei sang „Eva“, die Sopranistin Katharina Borsch, silbrig und brillant, mit treffsicherer, nur selten etwas harter Höhe und schmiegsamer, farbenreicher Mittellage. Das konnte sie vor allem in ihrer Arie „Nun beut die Flur das frische Grün“ nachdrücklich demonstrieren.

Das Publikum in der voll besetzten Kirche feierte die bemerkenswerte Aufführung lautstark mit anhaltendem Jubel.

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