Gutachter stellt neuen Rettungsbedarfsplan vor.

Kempen/Grefrath/Tönisvorst: Wird Kempens Rettungswache abgespeckt?

Im Beirat für das Rettungswesen in Kempen, Grefrath und Tönisvorst sowie im zuständigen Ordnungsausschuss des Kempener Stadtrats wird heute das Gutachten zum Rettungsdienstbedarfsplan vorgestellt und diskutiert.

Sei diesem Frühjahr wird in den zuständigen Gremien das Thema teilweise kontrovers diskutiert. Als im März der vom Kreis beauftragte Gutachter einen Entwurf des neuen Rettungsdienstbedarfsplanes für das Kreisgebiet vorstellte, gab es in einigen Kommunen einen Aufschrei der Empörung. Vor allem in der Stadt Viersen war die Verärgerung groß. Auch in Willich regte sich Protest an dem Plan. Immerhin sollte die erst kürzlich neu gebaute Rettungswache in Anrath zugunsten eines komplett neuen Standorts in Vorst aufgegeben werden. Seit Anfang Juni liegt der Abschlussbericht des Gutachters vor. Und er birgt weiterhin Zündstoff. In Kempen steht das Thema erst am heutigen Donnerstag auf der Tagesordnung. Kurz vor der Sommerpause kommt heute im Rathaus am Buttermarkt zunächst der Beirat für das Rettungswesen in Kempen, Grefrath und Tönisvorst zusammen, bevor das Thema anschließend ab 18 Uhr auch im zuständigen Ausschuss für Ordnungsangelegenheiten und Feuerschutz des Kempener Stadtrates diskutiert wird. Dort stellt der Gutachter gemeinsam mit dem zuständigen Kreisdezernenten Thomas Heil das Konzept vor.

Ein Knackpunkt sind – wie bereits mehrfach berichtet – die gesetzlichen Hilfsfristen, die bei Rettungseinsätzen einzuhalten sind. Seit Jahren werden die Stadt Tönisvorst und die Gemeinde Grefrath im Verbund von der Rettungswache der Stadt Kempen mit versorgt. Der Gutachter hat ermittelt, dass nur in 82 Prozent der Fälle ein Rettungswagen aus Kempen mit professionellen Ersthelfern in den vorgeschriebenen acht Minuten am Einsatzort in St. Tönis ist. In Tönisvorst wurde das Thema bereits diskutiert. Dort drängt man auf eine eigene Rettungswache. Einen eigenes Notarztwagen – stationiert am St. Töniser Krankenhaus – gibt es schon.

Im Kempener Rathaus verkennt man die Situation keineswegs. Der zuständige Erste Beigeordnete Hans Ferber weiß um die Probleme. Ursprünglich bestand der Plan, einen vierten Rettungswagen in der Wache an der Heinrich-Horten-Straße zu stationieren. Dazu hätte das Gebäude aber ausgebaut werden müssen, weil es dort für den vierten Rettungswagen und das zusätzliche Personal keinen Platz gibt. Diese Überlegungen sind aber seit der Vorlage des Gutachtens hinfällig. Im Gegenteil: Der Gutachter schlägt vor, in der Kempener Wache nur noch zwei Rettungswagen für Einsätze im Kempener Stadtgebiet und in Teilen von Grefrath zu stationieren.

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Gerade in Grefrath wird das kritisch gesehen. Denn das könnte im Falle des Falles für die Niersgemeinde Nachteile haben – dann nämlich wenn bei nur zwei Fahrzeugen diese bei einer Alarmierung in Grefrath möglicherweise gar nicht zur Verfügung stünden, weil sie schon in Kempen im Einsatz sind. Fahrzeuge von anderen Wachen, etwa aus Nettetal oder Viersen, würden dann deutlich später am Einsatzort in der Niersgemeinde eintreffen können.

Der Gutachter hatte zudem festgestellt, dass die rettungsdienstlichen Fahrzeuge in der Kempener Wache häufig nicht besetzt seien. Diesem Vorwurf tritt die Stadt entschieden entgegen. Rettungswagen seien nur ganz selten mal nicht einsatzbereit. In der Tat hatte die Stadt aus Personalmangel zeitweise auch mal einen der in der Rettungswache vorgehaltenen Krankenwagen abgemeldet, um mit dem Personal einen der drei Rettungswagen zu besetzen. Das Personalproblem hat die Stadt nach Angaben des Ersten Beigeordneten Ferber durch Einstellung neuer hauptamtlicher Mitarbeiter inzwischen im Griff. Er geht daher davon aus, dass das im Gutachten angesprochene Thema Ausfallzeiten für die Kempener Rettungswache nun kein Problem mehr darstellt.

Kritisiert hatte der Gutachter auch die in Kempen praktizierte Trennung der Standorte von Notarzt und Notarztfahrzeug. Der Notarzt ist im Krankenhaus, das Fahrzeug in der Wache stationiert. Der Notarzt wird zum Einsatz am Hospital abgeholt. Das System hat sich in Kempen durchaus bewährt. Dennoch soll es noch einmal auf den Prüfstand.