„Güllealarm“ von A.E. Eiselo löste Shitstorm in sozialen Netzwerken aus

Grefrath : Eine Autorin fürchtet um ihren Ruf

A.E. Eiselo hat das Buch „Güllealarm“ veröffentlicht. In den sozialen Netzwerken wirft man ihr vor, die Landwirtschaft verunglimpft zu haben. Vollkommen zu Unrecht. Aber Fakten zählen nicht, wenn ein Shitstorm losgeht.

Eigentlich wollte A.E. Eiserlo nur eine Fantasy-Geschichte für Kinder schreiben. Es war die Absicht der Grefrather Autorin, den Nachwuchs für die Erde zu sensibilisieren und Empathie zu wecken für Pflanzen und Tiere. Mit dem, was in der Folge geschah, hätte sie niemals gerechnet. Es entwickelte sich ein ganz übler Shitstorm in den sozialen Netzwerken. Sie wurde persönlich bedroht und sogar als „Nazischlampe“ verunglimpft. Es ging so weit, dass sich in der virtuellen Welt anonym fühlende Zeitgenossen drohten, ihren Kindern etwas anzutun.

Der Fall zeigt exemplarisch, wie Oberflächlichkeit, Vorurteile und fast grenzenloser Hass jemand völlig aus der Bahn werfen können. Das Buch heißt „Güllealarm“ und erzählt die Geschichte von drei Kobolden. Sie wollen den Menschen einen üblen Streich spielen, der beinahe zu einer Naturkatastrophe führt. Man muss dazusagen, dass diese kleinen Wichte auch in der Tierwelt nicht besonders gut gelitten sind. Sie planen einen „Wir-ärgern-den-Bauer-Spaß“ und wollen Gülle auslaufen lassen, um dadurch und durch andere böswillige Aktionen den Bauern vertreiben zu wollen – was von anderen Fantasy-Figuren sehr kritisch kommentiert wird.

So sieht es aus, das Cover des Buches „Güllealarm“. Foto: eiserlo

Die Gülle ergießt sich über den Hof, fließt in Richtung Niers und verseucht das Gewässer. Im Tierreich herrscht Großalarm. Die Kobolde erkennen, was sie angerichtet haben. Die hinzugerufene Försterin erklärt, was Gülle eigentlich genau ist. Ein Gespräch mit dem Bauern, doch künftig etwas weniger Gülle zu verwenden, scheitert an dessen Unsicherheit. Man muss Bauer Jonas zugute halten, dass es ihm an Erfahrung fehlt, dass er mit der Situation vollkommen überfordert ist. Gleichzeitig möchte die Autorin darauf hinweisen, wie schwer es Bauern heutzutage haben, besonders wenn sie etwas verändern wollen. Das scheitert oft am Geld, den Gesetzen und den Verordnungen. Der gute Wille, so A.E. Eiserlo, pralle gegen die Bürokratie und hohe Gebühren. Das Zauberpulver von Onkel Tadäus sorgt dafür, dass die Naturkatastrophe in letzter Sekunde verhindert wird. Kein wirklich realistisches Ende, aber es ist schließlich ein Fantasybuch

Wie jemand in diesem knapp hundert Seiten starken Buch einen Angriff auf die Landwirtschaft entdecken kann, ist absolut rätselhaft. Ein paar Tage nach Erscheinen von „Güllealarm“ erschien eine Frau in der „Grefrather Buchhandlung“ von Karl Groß. Sie wollte ein Buch für ein neunjähriges Mädchen, die Angestellte empfahl „Güllealarm“. Als die Frau das Cover gesehen und den Klappentext gelesen hatte, brach sie in hysterisches Geschrei aus und wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Sie war Landwirtin und sah es als erwiesen an, dass die Autorin eine üble Kampagne gegen die Landwirtschaft reite.

Kurz danach begann dann auch schon der Shitstorm gegen A.E. Eiserlo, der sie völlig unvermittelt traf. War ich zu unbedarft?, fragt sie sich heute. Aber wer kann bei der Lektüre eines spannenden und lehrreichen Kinderbuchs darauf kommen, dass sie danach trachten würde, die Landwirte zu vertreiben?

Die Beleidigungsflut nahm ihren Lauf, bis A.E. Eiserlo ihre Webseite sperrte. Auch Buchhändler Groß war betroffen. Er wurde gefragt, warum er solchen Schund verkaufe. Ihm wurde sogar angedroht, seine Schaufensterscheibe einzuwerfen. Es gab Kunden, die ankündigten, ihre Bücher künftig woanders zu kaufen. Damit etwas Ruhe in die Sache kommt, verkauft er das Buch zurzeit nicht – um die Autorin zu schützen und sie aus der Schusslinie zu bringen.

Das Problem und irgendwie Typische: Die meisten Menschen, die diese infamen Beiträge verbreiten, haben das Buch mit Sicherheit nie in der Hand gehabt, geschweige es gelesen. Die Autorin versteht die (virtuelle) Kampagne nach wie vor nicht und sieht jetzt, wie sie in ihr (reales) Leben hinüberschwappt. Einmal in der Woche macht sie in der Grundschule Projekte mit Kindern. Es gibt Bestrebungen, ihr diesen Job zu nehmen – mit der Begründung, eine Autorin, die solche Lügen verbreite, dürfe man auf keinen Fall mit Kindern arbeiten lassen. Die Schule steht hinter ihr, aber inzwischen beschäftigt sich auch der Kreis mit „Güllealarm“.

„Viele haben das Buch vor dem Erscheinen gelesen, Erwachsene Schüler, Lehrer“, sagt Eiserlo, „niemand hatte etwas zu beanstanden.“ Vielleicht habe sie nicht genau herausgearbeitet, dass es um einen Koboldstreich geht, der beinahe böse endet. In der zweiten Auflage möchte sie ein paar Passagen umschreiben, um das noch deutlicher zu machen. „Da wurde wohl unterschätzt, was Fantasy am Niederrhein bewirken kann“, meint Groß. Es gehe jetzt darum, den honorigen Ruf der Autorin zu erhalten.

Eigentlich ging es ihr nur darum, den Schülern Mut zu machen, alles für die Rettung der Welt zu tun: „Dazu müssen sie sich zunächst einmal Wissen aneignen, und das möchte ich ihnen geben.“ Zu diesem Zweck gibt es ein zusätzliches Arbeitsheft zu dem Buch, das viele Themen vertieft und im Unterricht eine wertvolle Hilfe ist. Darunter gibt es auch viele Informationen über Gülle, von deren Wahrheitsgehalt man sich überall überzeugen kann.

Die Autorin Eiserlo hat es nie im Sinn gehabt, die Landwirte zu verunglimpfen. Das weiß jeder, der das Buch gelesen hat. Aber es ist ja inzwischen leider längst an der Tagesordnung, sich über Dinge zu äußern, ohne sich vorher darüber zu informieren. Es ist ja auch einfacher und bequemer, seine Beleidigungen aus der Anonymität des Internets auszustoßen.

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