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Grundschulen Willich, Kempen, Tönisvorst und Grefrath starten Regelbetrieb

Grundschulen in Willich, Kempen, Tönisvorst und Grefrath : Grundschulen bereiten Regelbetrieb vor

Vom 15. Juni an soll in den Grundschulen in NRW nach Wunsch des Schulministeriums wieder der Normalbetrieb herrschen. Schulleiterinnen in Kempen, Grefrath, Tönisvorst und Willich sind skeptisch, wie die Umsetzung gelingen soll.

Innerhalb von Lerngruppen dürfen Grundschüler ab Montag ihren Mitschülern wieder näher als 1,50 Meter kommen, auf den Fluren und in der Pause gilt dagegen weiterhin die Abstandsregel. Wenn am 15. Juni der Unterrichtsbetrieb in nordrhein-westfälischen Grundschulen wieder aufgenommen wird, könnten die Kinder also durchaus durcheinander kommen. In Kempen, Willich, Tönisvorst und Grefrath sorgen die Vorgaben des Schulministeriums für Kopfschütteln.

Nach dem Ende des Corona-Lockdowns durften zunächst die Viertklässler wieder in die Schulen kommen, dann startete auch für die anderen Jahrgänge wieder der Präsenzunterricht. Dafür wurden an der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Vorst die Klassen halbiert und die Unterrichtszeiten so verschoben, dass sich möglichst wenige Schüler auf einmal über den Weg laufen konnten. Statt 213 auf einmal seien so täglich etwa 50 Schüler plus weitere 40 in der Notbetreuung in die Schule gekommen, berichtet Schahla Marandi-Jansen. Jedes Kind habe etwa einmal pro Woche einen Präsenztag gehabt. Die Umsetzung der neuen Regelung nennt die Schulleiterin „schwierig“. Dabei habe die GGS noch den Vorteil, zwei Schulhöfe, eine große Wiese und mehrere Eingänge zu haben, sagt Marandi-Jansen: „Dadurch können wir entzerren.“ Ein weiteres Problem aber sei die Personalstärke. An der GGS sind nur neun von zwölf Lehrern einsatzbereit. Damit der Unterricht von täglich vier Stunden für jedes Kind überhaupt gelingen kann, stocken Teilzeitkräfte ihre Stunden auf, berichtet die Schulleiterin.

Auch an der Gemeinschaftsgrundschule Grefrath hat sich das rollierende System der vergangenen Wochen als gut erwiesen. „Wir haben nicht mehr damit gerechnet, dass es vor den Sommerferien zu einer kompletten Öffnung kommen würde“, sagt Schulleiterin Berrit Liebisch. Nun hat die Grundschule für die beiden Schulstandorte Grefrath und Oedt ein weiteres Konzept nach den neuen Vorgaben erstellen müssen. In den Augen von Sabine Stammen, Leiterin der Kempener Astrid-Lindgren-Schule, ist es schwierig, den Kindern klar zu machen, dass diese Woche in den Klassen noch die strengen Abstandsregeln gelten und ab der kommenden Woche nicht mehr. „Die Kinder kannten die Regeln, haben sich prima daran gehalten. Wir hatten alles hervorragend im Griff. Auch bei den Eltern gibt es Ängste, wenn der Unterricht mit allen Kindern auf engerem Raum wie immer stattfindet“, sagt sie. Unverständlich ist, warum der Aufwand für einen Zeitraum von nur zwei Wochen betrieben werden soll. „Wir fahren den Unterricht quasi wieder ganz normal hoch, obwohl das bestens funktionierende rollierende System noch gut bis zu den Sommerferien hätte laufen können“, sagt Pia Rommerskirchen, Leiterin der Willicher Kolpingschule.

Dem schließt sich Cerstin Pelz, Astrid-Lindgren-Grundschule in Schiefbahn, an: „Es ist nicht nachvollziehbar. Natürlich freuen wir uns auf emotionaler Ebene, dass die Klassengemeinschaften zusammenkommen, aber auf gesundheitlicher Ebene betrachten wir dies sehr kritisch. Zumal Eltern gar nicht mehr wissen, woran sie sind. Ihnen wird für diese kurze Zeit die bestehende Planungssicherheit genommen.“

Die Kinder hätten die Abstandsregeln inzwischen verinnerlicht, heißt es auch aus St. Tönis. Diese Selbstverständlichkeit werde nun von einem auf den anderen Schultag gekippt, sagt Silvia Specker-Mattißen. Die Leiterin der GGS Corneliusstraße fragt, wie man das pädagogisch erklären solle. „Mir wäre es sinniger erschienen, wenn man zunächst einmal das rollierende System ausgebaut hätte. Das heißt, statt einem Jahrgang zwei Jahrgänge in der Schule. Darauf hätte man weiter aufbauen können“, sagt Specker-Mattißen. Auch wenn nun die Abstandsregeln im Klassenverband gekippt sind, laufen der versetzte Unterrichtsbeginn sowie die getrennten Pausen nach wie vor in den Grundschulen weiter.

Etwas undurchsichtiger bleibt es bei der Offenen Ganztagsschule (OGS). In diesem Bereich kann eine Durchmischung der Lerngruppen kaum verhindert werden, da es in den meisten Schulen an Räumlichkeiten und Personal mangelt. Die Einrichtungen sind verunsichert und fühlen sich allein gelassen, denn vom Schulministerium heißt es: „Schulleitung und OGS-Leitung entscheiden gemeinsam, welche Regelungen für die Teilnahme getroffen werden.“ Zur Klärung liefen Anfragen an das Ministerium, berichtet Marandi-Jansen von der GGS Vorst: „Wir hoffen, dass es noch konkrete Vorgaben gibt.“