Grefrather Jugendtheater führt Mary Poppins auf

Oedt: Mary Poppins fliegt über die Bühne

Wahre Beifallstürme erntete das Grefrather Jugendtheater mit seiner Aufführung des bekannten Musicals.

Langsam schiebt sich der Vorhang der Bühne in der Oedter Albert-Mooren-Halle zur Seite und gibt den Blick auf eine abendliche Stadtsilhouette frei. Der Halbmond steht riesengroß über dem Szenario und die Menschen, die völlig regungslos auf der Bühne stehen, sehen im ersten Moment wie ein Scherenschnitt aus. Dann aber kommt Leben in sie. Die erste Figur löst sich aus der Gruppe. „Der Wind dreht nach Osten. Nebel kommt auf“, ist die Stimme von Moritz Delschen zu hören, der den Schornsteinfeger Bert verkörpert. Mit diesem bekannten Musicalsong – live gesungen – beginnt die Geschichte des wohl berühmtesten Kindermädchens der Welt: Mary Poppins. Die Story ist bekannt, doch so dynamisch und voller Schwung wie sie das Grefrather Jugendtheater jetzt aufführte, präsentiert sich Mary Poppins wohl selten. Vom ersten Moment an begeistert das Jugendtheater mit seiner Darstellung und dem Live-Gesang.

Dass sich auf der Bühne 27 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen elf und 23 Jahren befinden, ist schnell vergessen. Die Professionalität, mit der jedes Mitglied des Grefrather Jugendtheaters spielt, ist nahezu unfassbar. Was unter der Regie von Magdalena Bartkowiak und ihrem Co-Regisseur Julian Göbel in monatelanger Arbeit entstanden ist, beeindruckt die Zuschauer schon sehr.

Fantastische Kostüme sind zu sehen und ein Bühnenbild, das modernste Technik nutzt. Dank LED-Wand wechseln die Hintergründe des Bühnenbildes blitzschnell. Eben ist es noch die Außenansicht vom Haus der Familie Banks am Kirschbaumweg 17, Sekunden später findet sich der Besucher im Wohnzimmer vor dem knisternden Kamin und der großen Bücherwand wieder. Unterstützt von Requisiten wie einem Sessel und einem Schreibtisch samt Stuhl oder einer begehbaren Treppe ins Obergeschoss ist die Wohnzimmer-Illusion perfekt.

Niedliche Szenen gibt es im Kinderzimmer von Jane (Caroline van de Sandt) und Michael (Moritz Maier), die voller Erstaunen beobachten, wie Mary Poppins aus ihrer kleinen Taschen Dinge wie einen großen Hutständer, Pflanzen und das berühmte Maßband herauszieht, mit dem sie weniger die äußere Größe der Kinder misst, als vielmehr deren Charaktereigenschaften. Dann gibt es einen Mr. Banks (Julian Göbel), der voll und ganz den Banker spielt. Er hat wenig mit dem Haushalt der eigenen Familie am Hut. Ihm geht es vielmehr darum, dass alles präzise wie ein Uhrwerk läuft. Ihm gegenüber steht eine Mrs. Banks (Elisa Schwirtz), die einlenkt, aber ansonsten auch etwas konfus ist. Zauberhafte Parkszenen und herrliche Momente, als Mr. Banks für seinen Arbeitseinsatz ausstaffiert wird, wobei er aus Versehen den weißen Rüschenschirm seiner Frau unter den Arm geklemmt bekommt und das Kehrblech in seiner Hand gegen die Aktentasche ausgetauscht wird.

Songs wie „Chim Chim Cheree“ oder „Supercalifragilisticexpialigetisch“ nehmen die Besucher mit in eine Welt voller Magie und Fantasie. Einer der Höhepunkte der Aufführung ist die Szene, als Mary Poppins – hervorragend dargestellt von Jasmin Dryen – über die Londoner Dächer fliegt. Das Publikum staunt sehr, als sich die zauberhafte Nanny fliegend über die Bühne der Albert-Mooren-Halle bewegt. Ein ebenfalls unvergesslicher Moment ist die Stepp-Einlage auf der Bühne. Wirbelnde Beine, das Knallen der Schuhe auf dem Boden – es ist ein Rhythmus, der in die Beine fährt.

Alles in allem übertrafen die jungen Darsteller alle Erwartungen des Publikums. Sie waren nur eins und zwar „Supercalifragilisticexpialigetisch“ gut. Schon jetzt kann man gespannt sein, was das Grefrather Jugendtheater im kommenden Jahr auf die Bühne bringen wird.

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