Flüchtlingsunterbringung in Grefrath Bürger beklagen Missstände in Flüchtlingsunterkunft

Grefrath · Die Sitzung des Grefrather Sozialausschusses fand im Gemeinschaftsraum der neuen Flüchtlingsunterkunft am Reinerbach statt. In der Fragestunde kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Bürgern und der Gemeindeverwaltung.

Wilde Diskussionen gab es zwischen Verwaltung und Bürgern im Sozialausschuss in Grefrath. Dieser fand in den Räumen der neuen Flüchtlingsunterkunft am Reinersbach statt.

Wilde Diskussionen gab es zwischen Verwaltung und Bürgern im Sozialausschuss in Grefrath. Dieser fand in den Räumen der neuen Flüchtlingsunterkunft am Reinersbach statt.

Foto: Norbert Prümen

Es kommt nicht allzu oft vor, dass Grefrather Bürgerinnen und Bürger ihr Recht nutzen, im Rahmen der Fragestunde in den Ausschusssitzungen ein Anliegen vorzutragen. Im jüngsten Ausschuss für Jugend, Soziales und Senioren, der dieses Mal in der neuen Flüchtlingsunterkunft am Reinersbach stattfand, kam es jedoch zu einer engagierten Auseinandersetzung zwischen zwei Bürgern und einer Bürgerin auf der einen und der Gemeindeverwaltung auf der anderen Seite. Thema: die von der Gemeinde angemietete Flüchtlingsunterkunft an der Lobbericher Straße, Ecke Am Nordkanal. Dort seien die Verhältnisse, mit denen die Flüchtlingen klar kommen müssen, nicht mit den Mindeststandards vereinbar, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Juli 2023 veröffentlicht hatte.

Die Bürger hatten noch unmittelbar vor der Sitzung die Unterkunft besucht: keine festen Bodenfliesen in der Küche, kein ausreichendes Geschirr für die Bewohner, ein Tisch und vier Stühle für 20 Bewohner, ein freistehender, wackliger Herd, auf dem vier heiße Gerichte zubereitet wurden, dort spielende Kinder, in der Küche kein warmes Wasser – um nur einige Missstände zu nennen. Man sei bereits mehrfach mit der Gemeinde ins Gespräch gekommen, geändert habe sich bislang nichts. Stephan Röttges, Fachbereichsleiter für Soziales, führte an, dass sich neben der Gemeinde auch weitere Einrichtungen und Verbände um die Geflüchteten kümmerten. Während einer Sitzungsunterbrechung suchte Bürgermeister Stefan Schumeckers (CDU) das Gespräch, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren. „Wir müssen im Interesse der Flüchtlinge unbedingt und kurzfristig nach Lösungen suchen“, sagte eine Anwohnerin.

Stand jetzt sei Integration aufgrund der Umstände faktisch nicht möglich. Doch es sei immens wichtig, mit allen Beteiligten ständig zu kommunizieren, auch, um den geflüchteten Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Röttges nannte konkrete Zahlen: Stand 22. Februar lebten in Grefrath 400 geflüchtete Personen (zum 10. Oktober 2023 noch 365). Damit erfülle Grefrath die Quote zur Verteilstatistik zu rund 87 Prozent, 32 weitere geflüchtete Menschen müssten also bis zum 100-prozentigen Soll noch aufgenommen werden. Die meisten Flüchtlinge kommen aktuell aus der Ukraine (142/Oktober 2023: 133), gefolgt von Syrien (92/80), Afghanistan (26/23) und der Türkei (25/22). 66 (58) Geflüchtete aus der Ukraine leben in Privatunterkünften. Insgesamt betrachtet sind von den Geflüchteten 164 (152) weiblich und 236 (213) männlich, 178 (147) sind Alleinstehende, 46 (60) Paare, 48 (49) Alleinerziehende, und 132 (109) besitzen den Status Familie.

Die Ausschussvorsitzende Elisabeth Lehnen (CDU) unterbrach die Sitzung für eine kurze Zeit, um den Ausschussmitgliedern eine Besichtigung der Räumlichkeiten in der neuen Unterkunft am Reinersbach zu ermöglichen. Bürgermeister Schumeckers erklärte, man habe dem Thema Nachhaltigkeit besondere Beachtung geschenkt, was sich beispielsweise in der Holzbauweise zeige.

Im Erdgeschoss befinden sich neben dem Gemeinschaftsraum drei Wohnungen und ein Raum für Sozialarbeit. Mit einem Einzugstermin der etwa 40 Personen werde in etwa acht Wochen gerechnet. Auf eine Gasheizung wurde verzichtet, stattdessen kommt eine Wärmepumpe zum Einsatz. Noch müssen einige Innenarbeiten erledigt werden, die gärtnerische Gestaltung rund um die Unterkunft soll ebenfalls bald erfolgen. Mit dem Konzept „Hilfe zur Selbsthilfe“ will die Gemeinde bei der Pflege der Unterkunft unterstützend anleiten, regelmäßig soll ein Hausmeister vor Ort sein, ebenso das Kommunale Integrationszentrum. „So kann hier in der Unterkunft eine Gemeinschaft entstehen“, erklärte Röttges. Bürgermeister Schumeckers wies darauf hin, dass eine Prognose hinsichtlich der Flüchtlingszahlen unmöglich sei, da man keinerlei Handreichung von Land oder Bund erhalte: „Gar nicht, noch weniger als nichts“, sagte Schumeckers.

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