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Grefrath: Textilbetrieb produziert jetzt Corona-Schutzmasken

Grefrather Firma : Spezialstoff für Schutzmasken entwickelt

Die Firma Gorilla Protect aus Grefrath hat antivirale und gleichzeitig antibakterielle Corona-Schutzmasken auf den Markt gebracht. Ein einziger Mund-Nasen-Schutz soll 100 Einwegmasken ersetzen.

Es sieht aus wie in einem Atelier: Auf dem Tisch steht eine Nähmaschine, viele Stoffmuster, Prototypen liegen drumherum. Der spezielle Stoff für die Maske wird in Grefrath beschichtet, die so genannte Cactus Face MP – eine sich selbst desinfizierende Maske – im europäischen Ausland dann fertig gestellt. Die Mitarbeiter haben zusammen mit Geschäftsführer Rainer Hurtz getüftelt. Jetzt ist das Endprodukt in verschiedenen Größen endlich fertig: „Die Idee war, eine intelligente und nachhaltige Mund-Nasenschutz-Maske herzustellen“, sagt Rainer Hurtz. Unter dem Dach der Nova Textil-Beschichtung in Grefrath wird ab sofort ein neues Produkt hergestellt. „Dafür habe ich eine neue Firma gegründet, die Gorilla Protect für den Vertrieb“, so Hurtz.

Eigentlich produziert das Grefrather Unternehmen technische Textilien wie beispielsweise Arbeitsschutzbekleidung für Stahlarbeiter, Ausrüstung für die Bundeswehr mit Vektorenschutz oder auch Polyestervlies. Die Menschen, die hier tätig sind, arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb. Normalerweise. Doch die Corona-Krise zwang Rainer Hurtz, wie viele andere Firmen auch, in die Knie. „Plötzlich brachen uns 75 bis 80 Prozent der Einnahmen weg, wir haben für die Kunden noch fertig produziert, aber es kamen keine Folgeaufträge“, sagt der 59 Jahre alte Geschäftsführer.

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Der Lieferant hat das Produkt, Hurtz und sein Team haben die Maschinen. Sie probierten einiges aus. Schließlich kam auf den Baumwollstoff eine mikroporösige Beschichtung (MP). Drei Lagen sind miteinander vernäht. „Wir haben sie im Bekanntenkreis verteilt, auch an ein Restaurant gegeben zum Testen“, erklärt der studierte Textilveredler. Immer wieder wurden Änderungen vorgenommen, bis sie allen Normen entsprach, auf verschiedene Viren und Bakterien getestet. „Sie hat einen doppelten Effekt, ist antiviral und antibakteriell zugleich“, erklärt Rainer Hurtz.

Die Mitarbeiter haben errechnet, dass dieser Mund-Nasen-Schutz mindestens 100 Einwegmasken ersetzen kann. „Überall fliegen diese Einwegmasken herum, das finde ich schlimm für die Umweltbelastung“, so der Geschäftsführer, der seit 1999 in Grefrath tätig ist. Die neu entwickelte Maske kann bis zu zwanzigmal gewaschen werden, ohne dass die Beschichtung verloren geht. Hurtz ist davon überzeugt, dass der Mund-Nasen-Schutz auch künftig weltweit eine große Rolle spielen wird. Darauf ist das Unternehmen vorbereitet. „Wir können jederzeit unsere Kapazitäten hochfahren“, sagt er.

Der Verkaufspreis wird bei 13 Euro pro Stück liegen. Der Vertrieb für die Masken ist angelaufen. „Ich möchte niemanden entlassen, deshalb haben wir ein Produkt entwickelt, das uns durch eine schwere Zeit helfen soll und hoffentlich sich auch beim breiten Volk durchsetzt“, hofft der Grefrather Unternehmer.