Grefrath: Prozess um toten Säugling - "Ich wusste nichts von der Schwangerschaft"

Prozess um toten Grefrather Säugling : "Ich wusste nichts von der Schwangerschaft"

In Krefeld steht eine Mutter vor Gericht, die ihren Säugling in Grefrath getötet haben soll. Nun hat der Vater des Kindes als Zeuge ausgesagt.

Vor dem Krefelder Landgericht wurde am Mittwoch die Verhandlung gegen eine junge Frau aus Grefrath fortgesetzt. Der 24-Jährigen, die sich zurzeit in U-Haft befindet, wird Totschlag vorgeworfen. Konkret soll die Beschuldigte am 12. Oktober vergangenen Jahres in ihrem Zimmer in der elterlichen Wohnung in Grefrath gegen Nachmittag einen lebenden Jungen geboren haben. Anschließend habe sie dem Neugeborenen, so die Anklage, ein T-Shirt um den Hals gewickelt, dieses zusammengezogen und das Baby unter ihrem Bett versteckt. Dort sei der kleine Junge wenig später erstickt.

Beziehung ging schnell zu Ende

Am vergangenen Prozesstag hatte die Beschuldigte ausgesagt, sich weder an die Geburt noch an die Tötung des Säuglings erinnern zu können. Sie wisse nur noch, dass sie irgendwann im Krankenhaus aufgewacht sei. Am Mittwoch war der 21-jährige Ex-Freund der Angeklagten, der Vater des Babys, als Zeuge geladen. Er habe die junge Frau im Dezember 2016 in einer Mönchengladbacher Kneipe kennengelernt. Dort sei es zum Austausch der Telefonnummern sowie zur Verabredung für ein zweites Treffen gekommen. Nachdem sie ein Paar geworden waren, hätten sie sich regelmäßig gesehen, und seien außerdem gemeinsam nach Amsterdam und Hamburg gereist.

Was Verhütung angehe, so habe sie ihm versichert, die Pille zu nehmen - "und das glaubte ich ihr auch". Der junge Mann betonte zudem, dass sie ein "sehr liebes Mädchen" sei. Etwa im Februar 2017 habe er sich trotzdem entschlossen, mit ihr Schluss zu machen, weil es damals in seinem familiären Umfeld Probleme gab, die er klären wollte. Deswegen habe er sich in der Lage gefühlt, eine Beziehung zu führen. "Später versuchte ich, wieder mit ihr zusammen zu kommen, aber sie wollte nicht mehr", ergänzte der Zeuge.

Unbemerkte Schwangerschaft

Von ihrer Schwangerschaft habe er nichts gewusst. Als ihm schließlich mitgeteilt worden sei, dass seine ehemalige Freundin ein Kind zur Welt gebracht und es anschließend getötet habe, sei er schockiert gewesen. Das habe ihn tief betroffen gemacht und er denke viel darüber nach.

Im Verlauf der Verhandlung am Mittwoch traten außerdem noch ehemalige Arbeitskolleginnen und -kollegen sowie eine Freundin der Beschuldigten in den Zeugenstand. Alle gaben an, nichts von der Schwangerschaft gewusst und diese auch nicht bemerkt zu haben.

Der Prozess wird am 24. Mai, 9.15 Uhr, fortgesetzt.

(sste)
Mehr von RP ONLINE