Gemeinde Grefrath: Girmes: Neues Leben in alten Hallen

Gemeinde Grefrath : Girmes: Neues Leben in alten Hallen

Die Krefelder Unternehmensgruppe Jagenberg hat am Freitag in Oedt ihr neues Logistik- und Verarbeitungszentrum eröffnet. Auf dem ehemaligen Girmes-Gelände wurden drei Millionen Euro investiert. Endlich rollen hier wieder Laster.

Die Neueröffnung in Oedt ist Teil einer umfassenden Neustrukturierung der gesamten Unternehmensgruppe. Erklärtes Ziel der Verantwortlichen: Man möchte den Geschäftsbereich Technische Textilien zukunftssicher machen und den Standort Niederrhein stärken. Das geschah mit einem hohen finanziellen Aufwand. Kundenaufträge können nun schneller und flexibler abgewickelt werden.

Die Krefelder Kleinewefers-Beteiligungs GmbH übernahm 2003 die 1878 gegründete Jagenberg-Gruppe. Die wiederum erstand 2007 die insolvente TAG und zwei Jahre später die vor der Insolvenz stehende Verseidag, beides Krefelder Traditionsunternehmen. "Aus diesen Resten haben wir etwas ganz Neues gemacht", sagte am Freitag Jan Kleinewefers, Vorsitzender des Aufsichtsrats. Unter dem Namen Jagtex wurde die Produktion am Standort Industriestraße in Krefeld konzentriert. "Sämtliche Lager- und Versandaktivitäten werden in Oedt gebündelt", betonte Vorstandschef Dr. Erich Bröker bei der offiziellen Eröffnung.

Die Produktpalette ist vielfältig, reicht von textiler Architektur über Großzelte bis hin zu schusssicheren Westen. Sowohl die Dachbespannung des Berliner Olympiastadions als auch des Hotels Burj Al Arab in Dubai stammen von Jagtex. In Oedt stehen 8000 Quadratmeter zur Verfügung, 30 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Rund 850 Sendungen gehen im Monat raus, bei einem Gesamtgewicht von 1000 Tonnen. 2000 Einzellagerplätze stehen zur Verfügung. Der größte Einzelposten ist 5x500 Meter groß und wiegt gut und gern fünf Tonnen. "Die Textilrollen werden auftragsbezogen hergestellt, weil die Größen sehr individuell sind und man nicht alle vorrätig haben kann", erläutert Geschäftsführer Dr. Reinhard Körsmeier. Durch die Konzentration der Abläufe könne man die Kosten für Lagerung und Transport deutlich senken sowie schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren. "Das stellt heute einen wesentlichen Erfolgsfaktor im Wettbewerb dar", sagte Körsmeier weiter. Die gesamte Umstrukturierung der Unternehmensgruppe kostete sechs Millionen Euro, die Hälfte dieser Mittel floss nach Oedt. Durchaus erwünschter Nebeneffekt: Die gesamte Energie kommt aus der Biogasanlage in unmittelbarer Nähe, betrieben von den Gemeindewerken und der Biogas Oedt GmbH

Mit Blick auf das Gesamtprojekt sprach Kleinewefers von einer "komplexen, umfangreichen Logistikleistung". Bröker zeigt sich mit dem Verlauf der Umstrukturierung zufrieden: "Wir schauen heute optimistisch in die Zukunft." Das tut auch Bürgermeister Manfred Lommetz, der in seiner kurzen Ansprache noch einmal auf die Blütezeiten der Girmes-Werke zurückblickte: "Das ist alles den Bach runtergegangen, die Seele von Oedt ging verloren." Jetzt endlich entstehe wieder etwas Neues, es verkehrten wieder Laster auf dem Girmes-Gelände: "Das ist Balsam für die Oedter Seele", meinte der Bürgermeister in Anwesenheit von IHK-Geschäftsführer Rainer Növer und Rudolph Adolphs, dem Geschäftsführer des Wirtschaftsförderung des Kreises Viersen. Als alle Verantwortlichen gemeinsam das rote Band durchschnitten hatten, war es offiziell: "Es herrscht wieder neues Leben in den alten Hallen", freute sich Adolphs.

FRAGE DES TAGES

(RP/ac)
Mehr von RP ONLINE