Stadt Kempen: Giftmörderin im Fernsehen

Stadt Kempen: Giftmörderin im Fernsehen

Zwischen 1963 und 1982 hat die Kempenerin Maria Velten sechs Menschen getötet. Die Mordserie des "Blaubeer-Mariechens" ist am Montag Thema der letzten Folge der ARD-Dokumentation "Wenn Frauen morden".

Blaubeer-Pudding war Maria Veltens Spezialität. Ihr pflegebedürftiger Vater, ihre bettlägerige Tante, zwei ihrer Ehemänner und ein Liebhaber — sie alle mochten das süße Dessert. Sie alle starben daran. Denn Maria Velten fügte ihrem Rezept eine ganz besondere Zutat hinzu: das Pflanzenschutzmittel E 605, ein sehr starkes Gift. Die damals 67-jährige Kempenerin wurde Mitte der 80er Jahre deutschlandweit als "Blaubeer-Mariechen" bekannt. Die Journalisten Ute Bönnen und Gerald Endres haben den Fall fürs Fernsehen rekonstruiert.

Am kommenden Montag, 26. Januar, 21 Uhr, zeigt die ARD den 45-minütigen Film der beiden. Für die Dokumentation drehten Bönnen und Endres vor rund einem Jahr viele Sequenzen am Originalschauplatz der Verbrechen, in Kempen. Der Markt, die Wiesen-, Hülser- und Marienburgstraße, die Kirche — all diese Orte spielten in Maria Veltens Leben eine wichtige Rolle.

Hemmschwelle sank

Bönnen und Endres gelingt es, teilweise mit historischen Aufnahmen, dieses Leben nachzuzeichnen und ein Bild einer typischen Giftmörderin zu schaffen. "Frauen morden aus anderen Gründen als Männer", sagt Bönnen. Ihr Motiv sei häufig, sich, ihre Kinder oder ihren Lebensplan zu schützen. So war es auch bei Maria Velten, die sich zunächst von ihrem kranken Vater bedrängt fühlte. Und nach einem gelungenen, unentdeckten Mord sinke bei Frauen die Hemmschwelle, so Bönnen. Der Griff zum Giftfläschchen falle immer leichter.

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Der Film über Maria Velten zählt nicht nur plump die sechs Taten auf, er sucht nach den Ursachen, zeigt die Auswirkungen. Angehörige der Opfer kommen ebenso zu Wort wie der Kempener Rechtsanwalt Eckhard Wagner, in dessen Kanzlei die Mordserie letztlich ans Licht kam, als eine verängstigte Schwiegertochter von Maria Velten bei ihm Rat suchte. Die damals ermittelnden Polizeibeamten berichten von ihren Eindrücken während der Verhöre, Nachbarn erinnern sich an den Tag, als Maria Velten ihr letztes Opfer umgebracht hat. Außerdem versucht eine Psychologin, die Beweggründe der Serienmörderin zu erklären. Sie spricht von einer späten Rache für die negative Beziehung Veltens zu ihrem Vater.

Der "Gifthexe vom Niederrhein", wie damals viele Zeitungen titelten, wurden drei Morde nachgewiesen, die anderen Taten lagen zu weit zurück. Sie wurde 1984 zu dreimal lebenslänglich plus noch einmal 15 Jahre Haft verurteilt. Die 92-Jährige, die wegen Krankheit vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, leidet heute unter schwerer Demenz.

Info "Das Blaubeer-Mariechen", aus der Reihe "Wenn Frauen morden", Montag, 26. Januar, 21 Uhr, ARD.

Hier geht es zur Bilderstrecke: ARD-Doku: Wenn Frauen morden

(RP)
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