Kempen: Gespannte StilleEine Ehrung als Mahnung

Kempen: Gespannte StilleEine Ehrung als Mahnung

Bundestagspräsident Dr.Norbert Lammert hat gestern in Kempen als Erster die Thomas a Kempis-Stele erhalten. Der vom Neersener CDU-Abgeordneten Uwe Schummer gestiftete Preis würdigt Menschen in der „Nachfolge Christi“.

Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert hat gestern in Kempen als Erster die Thomas a Kempis-Stele erhalten. Der vom Neersener CDU-Abgeordneten Uwe Schummer gestiftete Preis würdigt Menschen in der „Nachfolge Christi“.

Zum 50. Geburtstag machte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer selbst und anderen ein Geschenk. Er stiftete einen Preis, der Menschen auszeichnet, die ihr Leben und Wirken in den Geist der „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen (1379- 1471) stellen. Gestern wurde die „Thomas a Kempis-Stele“ erstmals verliehen. Schummer übergab die Glas-Skulptur an Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert. Rund 250 Gäste waren zu dem Festakt in die Paterskirche gekommen, darunter Landrat Peter Ottmann, die früheren Bundestagsabgeordneten Walter Schöler und Dr. Hugo Hamanns sowie der ehemalige Kempener Propst Dr. Josef Reuter.

Schummer verwies in seiner Laudatio auf die Aktualität der „Nachfolge Christi“. Ganz im Sinne des Mystikers und Kirchenlehrers Thomas von Kempen sprach er sich für eine von Ethik, Meinungsfreiheit, demokratischem Miteinander sowie Verantwortung und Achtung für die Gesellschaft als auch für den Einzelnen geprägte Lebensweise aus: „Eine Gesinnung ohne Verantwortung ist nicht ethisch.“

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Lammert hatte ein persönliches Erinnerungsstück mitgebracht. Ein Exemplar der Nachfolge Christi, das seinem im Krieg gefallenen Onkel gehörte. Nie wäre er darauf gekommen, einmal ein Preisträger im Namen von Thomas von Kempen zu werden: „Das wäre mir kühn vorgekommen!“, sagte der 59-Jährige. Fast könne man die Nachfolge Christi als „Orientierungshinweise für Politiker“ begreifen, meinte er augenzwinkernd. So heiße sein Lieblingskapitel „Von der Vermeidung überflüssiger Reden“.

„Glaube handelt von Wahrheiten, die Politik von Interessen“, sagte Lammert. Die Wahrheit jedoch sei „nicht abstimmungsfähig“, die „Interessen könnten jedoch nicht absolute Wahrheit sein.“ Er zitierte Augustinus und den verstorbenen Aachener Bischof Dr. Klaus Hemmerle als Menschen, die wie Thomas von Kempen eine „Orientierung aus Glaubenserfahrung“ weitergaben. Gerade deshalb verspüre er „tiefe Irritation über Äußerungen von Kirchenvertretern“ zu jüngst gefassten Parteitagsbeschlüssen der CDU. Die Ernsthaftigkeit der Urteilsbildung dürfe weder bei der Bundeskanzlerin noch den Kardinälen in Zweifel gezogen werden. „Wir müssen die ethische Würde des Kompromisses entdecken“, mahnte Lammert. Den Preis verstehe er nicht als Ehrung, sondern als „Hinweis und Mahnung auf Ansprüche diesseits und jenseits politischer Ämter.“ Er empfinde es als Auszeichnung, „dass Sie mich dafür für empfänglich halten“, dankte er.

Damit schloss der Geehrte den Bogen zu den Eingangsworten von Propst Dr. Thomas Eicker und dem evangelischen Pfarrer Michael Gallach, die dem Preisträger weiterhin die Bereitschaft und den Mut zu einer christlich geprägten Politik wünschten. Bürgermeister Karl Hensel appellierte in seinen Grußworten, „dass wir einen Grundkonsens bekommen, wo wir herkommen und wo wir hinwollen.“ Er wünsche sich noch mehr dieser „mutigen Politiker“.

(RP)