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Stadt Kempen: Geschichten, die das Leben schrieb

Stadt Kempen : Geschichten, die das Leben schrieb

Seit eineinhalb Jahren treffen sich zehn Autobiografen in der Kempener Burg. Bei einer Lesung in den Räumen der VHS stellten einige Autoren Auszüge aus ihrer Lebensgeschichte vor. Die Seminarteilnehmer sind gute Freunde geworden.

"Mama, das musst du alles mal abschreiben", sagten die Kinder, wenn Brunhilde Baum-Melchers Geschichten von früher erzählte. Als die heute 66-Jährige dann eines Tages im Programm der Kreisvolkshochschule (VHS) las, dass die Bildungseinrichtung des Kreises Viersen gemeinsam mit dem Studieninstitut Niederrhein einen Kursus mit dem Titel "Schreiben Sie Ihre Biografie" anbot, meldete sich die Willicherin spontan an.

Eineinhalb Jahre ist das her. Der Kursus, der ursprünglich nur auf ein Semester angelegt war, wurde zum Selbstläufer. "Wir treffen uns alle zwei Wochen - seit September 2013", sagt Kursleiterin Christiane Willsch. Aus dem anfänglichen Interessentenkreis sei ein fester Freundeskreis geworden. Nun, zum Ende des vierten gemeinsamen Semesters, luden die Freunde zur öffentlichen Lesung ein. Sieben der zehn Teilnehmer trugen ein Kapitel aus ihrer Lebensgeschichte vor.

Bei Brunhilde Baum-Melchers, die Kursleiterin Christiane Willsch als die Frohnatur der Runde vorstellte, ging es lustig zu. Die gebürtige Düsseldorferin erzählte von den Anfängen ihrer Freundschaft mit Wilhelm, dessen Unterhose über dem Hosenbund herausschaute und der die zu langen Hosenträger stets quer trug. Später wurde Wilhelm Lehrer und machte einen Doktor in Philosophie. Die beiden Kinder von damals sind noch heute, 60 Jahre später, eng verbunden und schreiben sich regelmäßig Briefe.

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Um Freundschaft ging es auch in der Geschichte, die Dr. Egbert Buchbender aus Krefeld aufgeschrieben hat. Der heute 84-Jährige lernte im Oktober 1944 in einem Lazarett in Kleve, das sein Onkel als Arzt leitete, einen amerikanischen Soldaten kennen, der mit seinem B 17-Bomber abgeschossen worden war.

Ein Bauer, der den Nationalsozialisten nicht besonders nahe stand, brachte den verletzten Amerikaner ins Lazarett. Egbert Buchbender, damals 14 Jahre alt, hatte in der Schule Englisch gelernt und freundete sich mit dem 32-jährigen Amerikaner an, der sechs Wochen im Lazarett blieb, bevor er ins Gefangenlager musste.

Ende 1945 dann die Überraschung: "Ich erhielt vom Hauptpostamt Köln die Mitteilung, für mich läge ein Care-Paket aus den USA zur Abholung bereit." Zwei Jahre lang kam jeden Monat ein Paket und half der Familie über die Hungersnot nach dem Krieg. Die beiden Männer blieben ein Leben lang in engem Kontakt. "Diese Freundschaft zeigt, dass Menschen, auch wenn ihre Nationen gegeneinander einen hasserfüllten, ideologisch aufgeheizten Vernichtungskrieg führen, doch menschlich miteinander umgehen können", schloss der Krefelder.

Die Motivation, aus der heraus die Teilnehmer des Seminars schreiben, ist ganz unterschiedlich. Bei Hermann Thees, Alt-Bauer aus Clörath an der Stadtgrenze von Willich zu Tönisvorst, geht es darum, Familienanekdoten und die Historie des Hofs niederzuschreiben und so für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Katharina Geuchen-Genenger und Margot Erens aus Kempen erinnern sich einfach gerne an ihre schönsten oder lehrreichsten Kindheitserlebnisse und haben Spaß am Erzählen.

Ob aus all den Geschichten tatsächlich mal eine gebundene Autobiografie wird, wissen die Kursteilnehmer noch nicht. "Auf jeden Fall macht es Spaß, sich alle zwei Wochen zu treffen, Geschichten zu hören und die eigenen Geschichten vorzulesen", sagt Brunhilde Baum-Melchers, in deren Terminplanung die Treffen der Biografen einen festen Platz haben.

(WS03)