Geschichte von Haus Erprath in Tönisberg

Tönisberg : Haus Erprath: Alter Adelssitz herausgeputzt

Tönisberg hat einen ehemaligen Rittersitz zu bieten. Auf dem benachbarten Wirtschaftshof finden Veranstaltungen statt.

Leider kann Tönisberg nicht mehr am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilnehmen. Dazu müsste es weniger als 3000 Einwohner haben. Diese Hürde ist inzwischen überschritten und so bleibt nur übrig, festzustellen, dass das Dorf auch ohne Wettbewerb Zukunft und vor allen Dingen auch Vergangenheit hat.

Da bietet sich Haus Erprath an, ehemaliger freiadeliger und landtagsfähiger Rittersitz, idyllisch am so genannten Overweg gelegen, der zwischen Feldern und Pferdekoppeln von Geldern über Moers nach Uerdingen führte. Aus einem im Jahre 1540 angelegten Lagerbuch ist zu entnehmen, dass die alte Burg Erp-Raedt oder Erp-Rayde mit umliegendem Grund und Boden den Herzögen von Geldern gehörte.

Die erste Befestigungsanlage befand sich nördlich im heutigen Park und war durch Wall und Graben gesichert sowie auch das spätere Schloss, das nach einer Zeichnung von 1764 drei Ecktürme hatte. 1793 brannte Haus Erprath vollständig nieder. Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es wieder aufgebaut und erhielt sein heutiges Aussehen mit nur einem vorgesetzten Turm und Glockentürmchen mit Zwiebel. Zum Teil sind die Fenster noch original gerahmt mit Holzläden. Um diese Zeit wurde auch der Park im englischen Stil angelegt mit wertvollem und seltenem Baumbestand und einem Teich, über den ein Brückchen führt. Der Park ist der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich.

Die ersten Besitzer waren die Herren von Erprath oder Erpraede. Das letzte Adelsgeschlecht hieß von Pelden, genannt Cloudt. Bei Umbauarbeiten fand sich auch der alte Grabstein von Friedrich Wilhelm und Wilhelmine von Pelden, genannt Cloudt mit Geburts- und Todesdaten. Deser Grabstein wurde unter Denkmalschutz gestellt und befindet sich heute auf dem Tönisberger Friedhof. 1873 ging das Haus an Anton Hamers aus Krefeld in bürgerlichen Besitz über. Seit dieser Zeit haben die Besitzer mehrfach gewechselt. 1992 wurde Haus Erprath unter Denkmalschutz gestellt. Gern ranken sich Sagen und Legenden um solche alten Gebäude. Eine Geschichte aus neuerer Zeit erzählt von einem Junggesellen, der auf einer Versteigerung einen sehr großen alten Eichentisch erwarb. Zu seinem Leidwesen hatte er kein Haus oder Zimmer, darin er das gute Stück stellen konnte. Er machte sich auf die Suche nach einer Bleibe für seinen Tisch und fand Haus Erprath, das er erwarb. Klar, dass er zu Tisch und Haus auch noch die passende Ehefrau suchen musste und sie auch fand. Fast 40 Jahre haben ihn der Tisch, das Haus und die liebreizende Ehefrau glücklich gemacht bis er aus Altersgründen Haus und Park, beides recht arbeitsintensiv, verkaufte. Heute wohnt hier eine junge Familie.

Der ehemalige Wirtschaftshof, der sich anschließt, dient heute als Wohnhaus, die Scheune als Location für zahlreiche kulturelle Ereignisse, in diesem Jahr wieder für die „Muziek Biennale Niederrhein. Unter dem Thema „Heimat“ findet ein literarisches Konzert mit dem Blockflötenensemble Flautando und Texten von Kurt Tucholsky statt.

Dem Tönisberger Heimatverein ist es zu verdanken, dass das Wissen um Haus Erprath erhalten bleibt. Der Verein hat die Geschichte des alten Rittersitzes für Besucher auf einem Schild nahe dem Gartentor festgehalten.